Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Hommage an Whitney Houston

Versetzte sich in Whitney Houston: die Münchnerin Kerstin Heiles in der Tribute-Show in der Festhalle Zweibrücken.
Versetzte sich in Whitney Houston: die Münchnerin Kerstin Heiles in der Tribute-Show in der Festhalle Zweibrücken.

Nur ein gelb-oranger Scheinwerfer beleuchtet ihre Silhouette. Ihre Stimme ist zart wie eine Knospe, die im Refrain zu einer prächtigen Rose werden wird. „I Will Always Love You“ sorgt für einen magischen Moment in der Zweibrücker Festhalle. Durch Kerstin Heiles wurde Whitney Houston bei dem Tribute-Konzert sozusagen wieder lebendig. Und wie.

Die Show beginnt mit einer Erinnerung an Whitney Houstons Tod. Es ist ein Radiobeitrag, der von ihrem Ableben berichtet. Dunkelheit wabert in der Festhalle, irgendwann unterbrochen von gleißend rotem Licht. Dann ist sie da: Kerstin Heiles alias Whitney Houston, in glitzernd-fließendem roten Kleid.

Momente voller Leben

Die Sängerin lässt bei diesem Tribute-Abend die Lieder der Soul-Königin lebendig werden und schafft mit „How Will I Know“ Momente voller Leben. Ein erster Anflug von Soul zündelt aus ihrer Stimme. Dabei sind in der ersten Hälfte längst nicht alle Lieder perfekt. Man hat das Gefühl, die Sängerin aus München muss sich erst einfinden in ihre Rolle, auftauen – oder vielleicht braucht sie auch nur die Energie der rund 280 Besucher.

Spätestens in der zweiten Hälfte hat Kerstin Heiles dann Zugang zu ihrer eigenen Show gefunden. Teilweise fragt man sich, ob man zwei verschiedene Personen hat singen hören. Denn bei „I Wanna Dance With Somebody“ ist ihre Stimme mitreißend, euphorisch und birgt jene glühende Begeisterung in sich, die die Zuschauer spüren wollen. Die ersten tanzen mit, angestachelt von ihrer großartigen Ausstrahlung. „Ich kann’s nicht mehr, und ihr macht’s – der Abend ist schon gerettet!“, ruft das Whitney-Double, das das Konzert nur unter Schmerzen bestreiten kann: Sie steht nicht nur, sie sitzt auch teilweise. Etwa bei „All At Once“ vor einem Schminkspiegel. Das dürfte für sie eine willkommene Verschnaufpause sein – denn sie hat sich einen Tag vor dem Konzert bei einem Sturz den Fuß verletzt. Deshalb trägt Kerstin Heiles auch zwei verschiedene Paar Schuhe und kommentiert ihr Handicap mit Humor: „Wenn Sie wüssten, was ich hier normalerweise veranstalte …“

Kurz vor dem Konzert hatte sich die Sängerin am Fuß verletzt, war dadurch etwas gehandicappt.
Kurz vor dem Konzert hatte sich die Sängerin am Fuß verletzt, war dadurch etwas gehandicappt.

Um ihre Zuschauer zu berühren, braucht sie aber gar nicht viel – ihre Stimme genügt. Es ist Wahnsinn, was bei „I Will Always Love You“ entsteht. Die Refrains sind entfesselt und voller Kraft. Sinnlich, losgelöst und gewaltig sind die Momente, die sie zu den Besuchern transportiert. Saxofon-Klänge umwabern ihre Stimme, werden eins mit ihr. Schwerelos taumelt man mit ihr durchs Lied.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich ihre Unsicherheit in Luft aufgelöst. Zu Beginn springt nur manchmal der Funke über, manchmal verglüht er irgendwo hinten in der Halle. Schlecht ist die Show jedoch nie, allein schon deshalb, weil es tatsächlich eine ist. Denn zwischendurch setzt Heiles mit den Zuschauern die Mosaiksteinchen von Houstons Leben zusammen. Dies schafft eine besondere Nähe zur Poplegende. Es werden Zeitungsartikel zitiert („Wenn man ihre Stimme in eine Flasche bannen könnte, würde ein Zaubertrank entstehen, der Wirbelstürme aufhalten könnte“), oder Interviews nachgestellt. So offenbart Heiles, dass Whitney schon zu Beginn ihrer Karriere den Wunsch nach Privatsphäre hatte. Ohne Leibwächter in einen Club – das war eben nicht mehr drin.

„Diese Platte ist der Grund, warum ich Sängerin geworden bin“, erzählt Kerstin Heiles mit Bewunderung in der Stimme.
»Diese Platte ist der Grund, warum ich Sängerin geworden bin«, erzählt Kerstin Heiles mit Bewunderung in der Stimme.

Heiles zeigt den Zuschauern das Debütalbum von Whitney Houston. „Diese Platte ist der Grund, warum ich Sängerin geworden bin“, erzählt sie mit Bewunderung in der Stimme. Man glaubt es ihr sofort. Denn ihre Stimmgewalt, mit der sie manche Interpretationen relativ nah an ihr Idol bringt, ist in der zweiten Hälfte grandios.

Abbas „I Know Him So Well“, das Whitney oft mit ihrer Mutter Cissy gesungen hat, singt Kerstin Heiles ebenfalls Rücken an Rücken mit einer Background-Sängerin im Duett.

Gänsehaut und Zuschauer-Chöre

Auch „One Moment In Time“ ist grandios. Gänsehaut erfasst die Zuhörer, wenn die Sängerin die Arme ausbreitet und eins mit dem Lied zu werden scheint. Ihre kristallklare Stimme, die auch in den Höhen nicht bricht, reißt das Publikum schier mit sich. Traum und Sehnsucht umgeben sie.

Bei „My Love Is Your Love“ begleiten Zuschauer-Chöre ihre Stimme, bei „Didn’t We Almost Have It All“ spürt man einen wabernden Schmerz, den Whitney nach ihrer Ehe mit Bobby Brown gefühlt haben muss. Ihr Leben lag in Trümmern: Scheidung, Drogensucht, Selbstzerstörung, gescheiterte Comeback-Tour.

Whitney Houston, die 2012 starb, wollte immer die Liebe ihres Publikum spüren. Die bekam sie bei ihrer Comeback-Tournee nicht mehr. Wohl aber Kerstin Heiles für ihren Mut, den bekannten Liedern wieder Leben einzuhauchen. Whitney Houstons Stimme bleibt natürlich unerreicht. Aber die Annäherung durch Kerstin Heiles lohnte sich trotzdem.

x