Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Heißer Sommer: Warum der Rosengarten auf Pflanzen aus dem Ausland setzt

Das Beet vorm Rosengarten-Café (Hintergrund) ist mit klimaangepassten Stauden bepflanzt. Rosengarten-Chef Heiko Hübscher sagt, d
Das Beet vorm Rosengarten-Café (Hintergrund) ist mit klimaangepassten Stauden bepflanzt. Rosengarten-Chef Heiko Hübscher sagt, dass es in diesem Sommer noch nicht gegossen werden musste.

Der Klimawandel macht vielen heimischen Pflanzen und Bäumen zu schaffen. Chef Heiko Hübscher verrät, wie er den Rosengarten gegen Hitze resistent gemacht hat.

Heiße, trockene Tage, dann ein plötzlicher Abfall der Temperaturen. Der Klimawandel setzt den Blumen und Bäumen zu, sagt Rosengarten-Chef Heiko Hübscher. Ohne zu zögern macht er deutlich: Die meisten alteingesessenen Pflanzen werden es nicht schaffen. Jeder, der einen Garten besitzt, müsse sich deshalb den Folgen des Klimawandels anpassen – im Rosengarten passiere das seit vielen Jahren.

„Die ersten Veränderungen haben wir bei den Stauden bemerkt“, sagt Hübscher beim Besuch der RHEINPFALZ. Die heimischen Stauden brauchen einen frischen Boden; das heißt, dass der Grund immer feucht sein muss. Bei langen Hitzeperioden ist genau das nicht mehr der Fall. Hübscher: „Die Stauden sind uns im Sommer ausgetrocknet. Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe, dass es hier eine Änderung braucht.“ Ohnehin werden die Staudenbeete laut Hübscher alle fünf bis sechs Jahre neu aufgesetzt. Normalerweise werden dann die alten Stauden wieder eingepflanzt – im Rosengarten wurden sie stellenweise gegen klimaangepasste Stauden ausgetauscht. „100 Staudenspezien haben wir entfernt“, sagt der Rosengarten-Chef. Das entspricht knapp einem Sechstel der früheren Anzahl an Sorten. Die neuen Stauden stammen aus Regionen rund um den Erdball, in denen es im Sommer heiß und trocken, im Winter frostig ist.

„Heimischen Bäume können nicht an der Straße stehen“

Vorm Café im Garten gibt es ein neues Stauden-Beet. Darin stehen die klimaangepassten Exemplare. „Wir haben das Beet bislang nicht einmal gewässert“, erzählt Hübscher. Selbst wenn es im Sommer nur selten regnet, reiche das den Blumen vollkommen aus. Negative Folgen hat die Hitze aber für die Bäume. Den Birken entlang der Saarlandstraße − Hübscher zufolge stammen sie noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg – ist der Trockenstress deutlich anzusehen. Gleiches gilt für die Bäume am Rosengarten-Weiher. Hübscher erkennt das an wesentlich kleineren Blättern, einer lichten Krone und zahlreichen Zweigauschlägen an den dicken Ästen.

Im Rosengarten werden nach und nach klimaresistente Bäume gepflanzt. Die stammen etwa aus dem Libanon, Anatolien und dem mittleren Westen der USA − also Gegenden, in denen es im Winter frostig sowie im Sommer heiß und trocken ist. Ein Vertreter ist der persische Eisenholzbaum (Parrotia persica). Wer dicht an den Stamm herantritt, der merkt direkt, dass es kühler wird. Hübscher empfiehlt diese Art auch jedem Hobbygärtner. Ideal passe dazu eine Bank oder ein Esstisch – der Baum liefere Schatten und eine kühle Umgebung. Der Platane im Rosengarten gehe es trotz Klimawandel verhältnismäßig gut. Anders sehe es bei den Platanen entlang der städtischen Straßen aus. Die meisten stehen exponiert, bekommen viel Sonne ab. Auf kurz oder lang müssten auch diese Bäume durch klimaresistente „Kollegen“ ersetzt werden. Hübscher betont: „Es gibt keine heimischen Bäume, die an der Straße stehen können.“

Die Rosen haben kaum Probleme mit der Hitze

Immerhin: Bezüglich der Namensgeber des Gartens kann Hübscher Entwarnung geben. „Rosen sind Tiefwurzler“, sagt er. Selbst wenn der Boden an der Oberfläche trocken ist, mache das der Rose nichts aus. Allerdings werde sie mit immer heißeren Sommern ihr Blühverhalten ändern. Normalerweise blühen Rosen zweimal im Jahr: einmal im Frühsommer, einmal im Hochsommer. Ist es heiß und trocken, verschiebe sich die zweite Blüte in den September – manch Rose blühe aber sogar dreimal im Jahr, erläutert Hübscher. Für die Pflanze sei das ein Kraftakt, der ihre Lebensdauer – bis zu 45 Jahre – im Extremfall um zehn Jahre verkürzen kann.

Hobby- und Profigärtner werden laut Hübscher in Zukunft nicht drumherumkommen, ihren Garten den heutigen Bedingungen anzupassen. Er könne Tipps geben, wie das geht. Ein Beet mit klimaangepassten Stauden zu besetzen, sei zudem deutlich billiger, also dort beispielsweise Terrassenplatten auszulegen. Ein Quadratmeter Beet mit Stauden koste um die 20 Euro, „leg’ ich da Platten hin, sind es 65 Euro pro Quadratmeter“. Und ein blühendes Beet sei gut für die Insekten. Denn diese finden dort Nahrung und einen Rückzugsort.

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