Zweibrücken
Hauptschulabschluss nicht geschafft: Das ist kein Beinbruch
Die Anzahl der Schulabbrecher sinkt in Zweibrücken. Für diejenigen, bei denen es an der Realschule nicht klappt, gibt es in Zweibrücken mehrere zweite Chancen: Die Wiederholung der Abschlussklasse an der Realschule oder den Wechsel an die Berufsschule oder zum Internationalen Bund, um den Abschluss dort nachzuholen.
Ein Schulabbruch ist nicht zwingend ein Beinbruch: Die Berufsschule (BBS) oder der Internationale Bund (IB) bieten an, den Hauptschulabschluss nachzuholen oder bereiten auf eine Berufsausbildung vor. Die Schulen sprechen denn auch nicht von „Schulabbrechern“, sie nennen die betreffenden Schüler „Schulabgänger ohne Abschluss“. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss laut Statistischem Landesamt in Zweibrücken bei 4,7 Prozent und damit deutlich unter den 8,3 Prozent des Jahres 2017.
„Die Neuntklässer, die den Abschluss nicht schaffen, können bei uns wiederholen“, sagt Thomas Trier, Leiter der Herzog-Wolfgang-Realschule plus. Allerdings wollten die meisten dann erfahrungsgemäß auf die Berufsschule wechseln, ins Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), um dort den Hauptschulabschluss zu machen. „Echte“ Schulabbrecher seien daher eher an der Berufsschule zu finden, sagt Trier. Man versuche alles, die Schüler zu motivieren, doch manchmal sei das schwierig.
Im letzten Schuljahr verließen 109 Schüler die Herzog-Wolfgang-Realschule plus, zehn davon ohne Abschluss. Sie wechselten zur Berufsschule, um ihn dort zu schaffen. Im Jahr davor waren es weniger . Die Zahl schwanke stark, sagt Trier. Ab und zu kämen die Schüler aus schwierigen Verhältnissen, andere seien einfach nur sehr schwach oder unmotiviert; Hilfsangebote würden nicht wahrgenommen, führt Trier an. Und dies gelte für alle Schüler, es seien eben Jugendliche in der Pubertät, egal, woher sie kommen. Triers Schule macht „sehr gute Erfahrungen“ mit Migranten, einige strengten sich sehr an, lernten schnell deutsch. Ein Migrant habe unter allen Zehntklässern das beste Zeugnis gehabt, so Trier.
Marc Sadowski, erster Konrektor der Mannlich-Realschule plus, spricht von einer „sehr geringen Zahl“ von Schülern, die seine Schule ohne Abschluss verlassen. Das sei eher die Ausnahme und komme alle zwei Jahre mal vor. Wenn man in der siebten oder achten Klasse merke, dass die Leistungen nicht erbracht werden könnten, schicke man die Schüler in eine andere Schule, etwa die Herzog-Wolfgang-Realschule plus, weil es dort mehr Fördermöglichkeiten gebe.
An der Gesamtschule Contwig sind es „im Schnitt drei bis vier Schüler“, die man ohne Abschluss entlasse, sagt Schulleiter Thomas Höchst. Die wichtigste Maßnahme sei, „darauf hinzuarbeiten, dass es nicht so weit kommt“. Dafür gebe es verschiedene Möglichkeiten wie Praktika, den Praxistag, die Berufseinstiegsbegleiter, die die Schüler ab der achten Klasse betreuen, und individuelle Unterstützung. Dennoch, so Höchst: „Es wird immer Schüler geben, bei denen es dazu kommt, dass sie den Abschluss nicht schaffen.“ Für diese gebe es zwei Optionen: die Wiederholung oder den Wechsel an die Berufsschule.
39 Schüler besuchen derzeit laut Bärbel Börner das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) an der Berufsschule, aufgeteilt in drei Klassen. Die Schüler haben an der Berufsschule ein Jahr Zeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen, sagt Börner, aber nicht alle schaffen es. In Ausnahmefällen darf der Versuch wiederholt werden. Fast alle, die den Hauptschulabschluss schaffen, besuchen anschließend die Berufsfachschule I und bei guten Noten die Berufsfachschule II, um die Mittlere Reife zu machen. Auch wenn jemand den Hauptschulabschluss im ersten Anlauf nicht schafft, stünden noch alle Wege offen, so Börner: „Wir hatten schon welche, die bei uns mit dem BVJ anfingen und dann sogar die Fachhochschulreife erreichten.“
Nur ein einziges Mal in ihrer langjährigen Tätigkeit im Sekretariat der Schule habe es einen Gymnasiasten gegeben, der ein BVJ absolvierte, erinnert sich Börner.