Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Harzbornhaus: Schnäppchenjäger decken sich bei Ausverkauf ein

Ausverkauf im Harzbornhaus. Pächterin Inga Fromm verkauft ihr Inventar
Ausverkauf im Harzbornhaus. Pächterin Inga Fromm verkauft ihr Inventar

Man sieht ihr an, dass ihr der Abschied nicht leicht fällt. Nach nur zwei Jahren als Pächterin der Harzbornhütte, auch als Naturfreundehaus bekannt, hat Inga Fromm zugesperrt und Tabula rasa gemacht. Am Sonntag war Ausverkauf in der Hütte.

Am gefragtesten beim Ausverkauf in der Harzbornhütte waren Edelstahltische, die Industriespülmaschine, ein Konvektomat; Geräte, die in keiner Gastroküche fehlen dürfen, und die schon lange vor dem Ausverkauf verkauft waren. Direkt nachdem Inga Fromm vor rund zehn Tagen in Facebook Bilder von der Küchenausstattung eingestellt hatte, haben sich erste Interessenten gemeldet. Am Sonntag hingegen sei „nur noch Kleinkram“ über die Theke gegangen, beispielsweise Gläser, Geschirr, Töpfe, Geldbeutel für Bedienungen, eine riesige manuelle orangefarbene Salatschleuder, Eisbecher aus Glas und das elektronische Kassensystem. An Stühlen und an den vier Vollholz-Sitzgarnituren, die sie nach eigenen Angaben für zusammen 5500 Euro angeschafft hatte, hatte bislang niemand Interesse.

Einige Interessenten waren beim Ausverkauf in der Hütte. Manche haben Schnäppchen gemacht, andere sind mit leeren Händen wieder heimgefahren. Catharina Lippick, Vorsitzende des Zweibrücker Wandervereins, der die Krummackerhütte betreibt, hatte beispielsweise Glück. „Gläser, Teller, ein prima Servierwagen, Bestecke“, zählt sie auf, was sie für den Wanderverein ergattern konnte. An den Edelstahl-Arbeitstischen der Küche hätte sie auch Interesse gehabt, aber die waren schon weg. „Und jetzt schaue ich mir noch die Gitarre an, wir haben ja eine eigene Gitarrengruppe im Wanderverein“, erklärt sie. Doch die Klampfe ist verstimmt und es fehlen Saiten, die bleibt wohl da. Inga Fromm nicht. Sie hat die schwere Entscheidung getroffen, den Pachtvertrag mit den Naturfreunden zu kündigen. Erst war sie fünfeinhalb Jahre in der Kugelfanghütte als Pächterin, dann ist sie ins Harzbornhaus gewechselt und wollte dort eigentlich 15 Jahre bleiben. „Ich habe die Entscheidung herausgezögert, wollte eigentlich schon vor dem Sommer schließen, aber jetzt ist der Zeitpunkt, wo es wirklich nicht mehr weiter geht“, sagt Fromm. Sie hat sich einen Ruck gegeben, den Sommer noch mitgenommen. „Der Sommer war gar nicht so schlecht, aber nach den Sommerferien ist es rapide bergab gegangen mit den Gästezahlen“, erzählt sie wehmütig. Täglich habe sie draufgelegt, sich sogar einen Vollzeitjob im Angestelltenverhältnis gesucht, um die Hütte querzusubventionieren. Aber das sei ja auch nicht Sinn der Sache, meint sie.

Steuerberater und Bank raten zum Schlussstrich

Die Einkaufspreise seien rapide gestiegen, egal, ob Pommes, Frittierfett, Fleisch oder Salat. „Und zum reinen Fleischpreis kommen beispielsweise beim Schnitzel Ei, Paniermehl, Fett, Strom, Wasser, Geschirr und so weiter“, zählt sie auf. Das habe man immer Zuhause, müsse man aber mit einrechnen. Und schließlich wolle sie ja auch noch ein bisschen was verdienen. Und schließlich seien die Energiepreise so hoch, dass sie spätestens den Winter nicht überstehen werde. „Dieses Jahr habe ich gar nichts verdient. Mein Steuerberater und meine Bank haben mir geraten, aufzuhören“, sagt sie trocken, während nebenan die Schnäppchenjäger an den Tischen auf- und abgehen.

„Es tut weh. Und wie“, sagt sie zum Abschied. Für die Küche hat sie einen Kredit aufgenommen vor zwei Jahren und beim Verkauf nur einen Bruchteil davon bekommen. Gekauft hat sie ein Stammkunde, der im April kommenden Jahres die Emilienruhe in Kirrberg wiedereröffnen möchte. Und neben der Hälfte der Küche aus dem Harzbornhaus Inga Fromm als Köchin haben möchte und die Küchenhilfen und Servicekräfte aus dem Harzbornhaus gleich mit übernehmen will, berichtet die Gastronomin, die ursprünglich im Einzelhandel gelernt hatte. Weitere Gastronomen haben Interesse gezeigt an verschiedenen Dingen, ein Partyservice hatte Interesse an Küchenmaschinen, ist aber zu spät gekommen. Aber auch Vereine, wie der Zweibrücker Wanderverein oder die Naturfreunde Spiesen-Elversberg waren da.

Inga Fromm will Nachfolger unterstützen

Die Toiletten hat Inga Fromm selbst bezahlt, die kann man schlecht mitnehmen. Den Kamin kaufen ihr die Naturfreunde ab, die Tische und Stühle lässt sie vermutlich einfach da, wenn sie zum letzten Mal absperrt. Mit der Gastronomie als Selbstständige hat Fromm abgeschlossen. Im Angestelltenverhältnis kann sie sich ein weiteres Engagement vorstellen. „Ich suche mir einen richtigen Job, da wo ich jetzt arbeite, bekomme ich mit Nachtschicht nur 1300 Euro, meine Wohnung kostet schon 750 Euro“, sagt sie. Eventuelle Nachfolger im Harzbornhaus würde sie unterstützen, kündigt sie an. Die können sich bei den Naturfreunden Zweibrücken melden. Vorstandsmitglied Willi Richter steht unter Telefon 06332 800590 zur Verfügung.

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