Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Halleluja: Pure Energie und Ausgelassenheit

Pepe Pirmann röhrt und rotzt wie einst Marius Müller Westernhagen.
Pepe Pirmann röhrt und rotzt wie einst Marius Müller Westernhagen.

„Mir han alle Bock, zu leben, zu fühlen“, ruft Pepe Pirmann, breitet die Arme aus, und rockt. Am Samstagabend lässt der Zweibrücker Sänger in der Eventhalle auf dem Flugplatz die Sau raus.

Mit seinen mittlerweile fast schon legendären Halleluja-Konzerten und geballter Ladung Westernhagen sorgt er für so viele Besucher wie schon lange nicht mehr in der Eventhalle: Über 300 Leute sind gekommen. Die erlebten eine Premiere.

Für ein Lied hat Pepe Pirmann Google malträtiert: Aber er konnte verdammt noch mal keine Live-Version von „Wir waren noch Kinder“ finden. Das hat Marius Müller-Westernhagen nämlich noch nie live gesungen und fristet sein Dasein nur auf der Platte. „Der Sack hat so hoch gesungen“, meint Pepe. Deswegen darf“s ein bisschen tiefer sein bei dieser Premiere. Das schottisch geprägte Lied fängt eine Idylle ein. Es gibt hymnische Passagen, das Saxofon (Nicolas Barbian) verschmilzt mit seiner Stimme.

Die über 300 Zuschauer flippen aus und quittieren diese Live-Version mit viel Jubel und Applaus. Überhaupt ist Pirmann im ersten Set auf den nicht ganz so ausgetretenen Pfaden Westernhagens unterwegs. Widmete er letztes Jahr fast das ganze Konzert den sehr bekannten Liedern des mittlerweile 72-jährigen Rockmusikers, finden diesmal auch unbekanntere Einzug auf die Setlist.

Das Publikum feiert diese Entscheidung – und ist bei vielen Liedern erstaunlich textsicher. Chöre begleiten Pirmann, der zusammen mit Hallenbetreiber Thorsten Albrecht an der Gitarre das Stimmungsbarometer weiter anheizt.

Auch wenn Pepe stimmlich bei den ersten drei, vier Liedern nicht so ganz an seine letzten Westernhagen-Konzerte anknüpfen kann – vielleicht fehlt das Markante, das letzte Quäntchen –, ist die Stimmung wie immer gut.

Nach einer Dreiviertelstunde hat sich eine mitreißende Stimmung über die Halle gelegt. Da ist Energie, da ist Ausgelassenheit. Leben liegt in der Luft. Bei „Lieben werd’ ich dich nie“ findet er wieder zu seiner gewohnten Form zurück. Pepe haucht, er säuselt, er röhrt ins Mikro, die Bläser ballern. Jeder fühlt die Leidenschaft, die sich hundertfach in der Halle reflektiert.

„Boah, was war das denn grad? Das war ein magischer Moment!“, findet Pepe, und die Zuschauer teilen offensichtlich seine Meinung. „Willenlos“ kracht von der Bühne – das sind auch die Zuschauer. Viele tanzen, viele zelebrieren und feiern einen Abend, der einige Facetten offenbart. Denn der Zweibrücker Sänger bewegt sich zwischen Rock, Blues, Reggae und Gefühl.

Das Lied „Ich liebe dich“ schafft Kuschelstimmung. Die Leute halten sich im Arm und genießen die Momente, die wie im Zeitraffer zu passieren scheinen.

Natürlich muss er auch das Lied spielen, das seinem Konzert den Titel verdankt: „Halleluja“ ist bärenstark und affengeil. Pirmann legt viel Energie in den Song, das Saxofon peitscht durchs Lied. Bei so viel Action muss auch mal was zu trinken her. „Mir trinke jetzt kurz e Cola-Whiskey, und dann haue ma raus. Für die Fremden – net dass ihr denke, in Zweibrücken geht’s nur ums Saufe. Das hat symbolischen Charakter!“

Der Abend ist reich an Botschaften, die Pepe nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich glänzen lassen. „Liebt, wen ihr wollt!“, ruft er. „Das nächste Lied ist für alle Schwulen, Bisexuellen und Lesbischen. Wir han so viele Schwule kennengelernt, die ware so viel cooler als die Konservativen.“ Rockige Riffs liegen in „Giselher“. Es war 1978 eines der ersten Lieder in Deutschland, die sich mit Homosexualität auseinandersetzten. Die Zuschauer-Chöre sprechen von Gemeinschaftsgefühl – egal, wer man ist, oder wodurch man sich voneinander unterscheidet. In diesem Konzert sind alle vereint.

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