Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Halbfinale um den Saarpokal: Vier Rückraumspieler bereiten Zweibrücken Probleme

SGZ-Coach Martin Schwarzwald (mit Taktiktafel) erklärt seiner Mannschaft in einer Auszeit vor allem, wie sie gegen den Saarlouis
SGZ-Coach Martin Schwarzwald (mit Taktiktafel) erklärt seiner Mannschaft in einer Auszeit vor allem, wie sie gegen den Saarlouiser Angriff mit vier Rückraumspielern decken soll.

Zwölf Jahre nach dem letzten Sieg im Saarpokal ist die SG Zweibrücken wieder beim Final-Four-Turnier dabei. Für das SGZ-Team endet der Tag aber enttäuschend früh.

Martin Schwarzwald stand am Ostermontag beim 25. Final-Four-Turnier um den Pokal des Handball-Verbandes Saar früher Rede und Antwort, als ihm lieb war. Der Trainer des Regionalligisten SG Zweibrücken sagte nach der 28:29 (13:14)-Halbfinalniederlage gegen den unkonventionell spielenden Oberligisten HG Saarlouis II: „Keine Frage, die Niederlage tut weh, wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht.“ Die Saarlouiser Zweite hätte aber auch extrem diszipliniert gespielt. Gegen die über die komplette 50-minütige Spielzeit im Angriff mit vier Rückraumspielern agierende HGS-Truppe des Ex-VTZ-Spielers Tom Paetow sei seine Mannschaft in der Abwehr nicht richtig ins Spiel gekommen. „Das sind wir so nicht gewohnt und ist uns schwergefallen“, musste er feststellen. Mit dem Angriff war er dagegen „gar nicht so unzufrieden, vor allem, als wir von minus vier Toren noch mal rangekommen sind“.

Achse Wöschler-Reitz funktioniert vor Pause gut

Die Zweibrücker hatten vor rund 600 Zuschauern das zweite Halbfinale des Tages im Turnier um den Peugeot-Deckert-Cup, das erste hatte Regionalligist HC St. Ingbert-Hassel mit 33:27 gegen die HF Illtal gewonnen. Die Zweibrücker legten mit dem 1:0 durch einen Spieler los, der der ersten Hälfte aus SGZ-Sicht den Stempel aufdrückte: Kreisläufer Samuel Reitz. Immer wieder setzte ihn vor allem Regisseur Nils Wöschler gut in Szene, teil mit sehr schönen Rückhand-Bodenpässen. Reitz kam vor der Pause allein schon auf fünf Treffer.

Im Tiefflug: Nils Wöschler (SGZ) beim Torwurf im Halbfinalspiel des Saarpokals gegen die HG Saarlouis II; rechts der starke Marc
Im Tiefflug: Nils Wöschler (SGZ) beim Torwurf im Halbfinalspiel des Saarpokals gegen die HG Saarlouis II; rechts der starke Marco Jelicic (74).

Aber auch auf Saarlouiser Seite zog einer geschickt im Angriff die Fäden: Mittelmann Marko Jelicic, der sich mit dem Finaleinzug schon mal noch ein nachträgliches Geschenk zum 18. Geburtstag machte. Sehenswert seine Eins-gegen-eins-Aktionen, teils mit schnellen Drehungen direkt am Zweibrücker Gegenspieler sowie seine Schlagwürfe. Und Jelicic (insgesamt fünf Tore, auch bester Spieler des Turniers), dessen Vater Miodrag Jelicic früher ebenfalls schon das Trikot der VT Zweibrücken trug, setzte seine Nebenleute immer wieder geschickt ein. Das zusätzlich zum System mit den vier Rückraumspielern, das Bundesliga-Coach Misha Kaufmann einst beim ThSV Eisenach mit Nachdruck forcierte. Wladislaw Kurotschkin, auch ein Ex-VTZ-Spieler, begann meist auf der rechten Saarlouiser Seite und orientierte sich irgendwann auf seine angestammte Kreisposition.

Die Saarlouiser lagen bis zum 7:5 (9.) vorne. Zweibrückens Trainer besprach sich da schon mit seinen beiden Torleuten, Damian Zajac im Kasten und Routinier Norman Dentzer auf der Bank. Dentzer kam dann auch nach knapp zwölf Minuten zwischen die Pfosten – und parierte gleich den ersten Wurf. Bis zur Pause hatte er noch drei weitere Paraden. Und weil Saarlouis die Achse Wöschler-Reitz in dieser Phase nicht immer verteidigt bekam, kamen die Zweibrücker wieder ran. Einen tollen Kempa-Pass Wöschlers vollendete Matteo Weber auf Halbrechts in der 20. Minute zum 10:10. Die Partie war spannend und weiter offen. „Helft euch gegenseitig, ihr müsst gnadenlos verdichten“, forderte SGZ-Trainer Schwarzwald in einer ersten Auszeit nachdrücklich, die Räume für die vier HGS-Rückraumspieler enger zu halten.

Zweibrücker kämpfen sich zurück – es reicht nicht

Aber trotz SGZ-Überzahl hatten die Saarlouiser ab Beginn der zweiten Halbzeit Wöschler und Reitz nun deutlich besser im Griff – und bekamen im Angriff den Ball fast immer zum freien Akteur, oft einer der Außen, weitergespielt. Saarlouis setzte sich vor rund 50 mitgereisten Zweibrücker Fans auf 25:21 ab (38.). Das SGZ-Team steckte allerdings nicht auf, Wöschler traf per Strafwurf wieder zum 25:25 (44.). Saarlouis spielte es dann bis zum 29:28 gekonnt zu Ende.

„Das war schon ärgerlich“, stellte Wöschler hernach fest. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, Saarlouis hat sehr gut und konsequent gespielt“, erkannte der in Saarbrücken wohnende 29-Jährige an. „Wir haben nicht gut genug gespielt, Saarlouis hat viele unserer Fehler gut provoziert“, urteilte auch SGZ-Kapitän und Rechtsaußen Philipp Hammann. „Und wenn du nicht deinen besten Handball spielt, reicht es eben auch gegen ein Team aus der Klasse darunter nicht.“

Traf in der 44. Minute nach kurzer Aufholjagd per Strafwurf zum 25:25-Ausgleich: Nils Wöschler.
Traf in der 44. Minute nach kurzer Aufholjagd per Strafwurf zum 25:25-Ausgleich: Nils Wöschler.

„Wir sind keine Mannschaft, die den Kopf in den Sand steckt. Wir haken das ab und bereiten uns jetzt ordentlich auf das Heimspiel gegen die Südpfalz Tiger am kommenden Wochenende vor“, sagte SGZ-Coach Schwarzwald. Anschauungsmaterial hat er genug, auch in der Deckarm-Halle hängte er wieder zwei Kameras auf, die das Halbfinale filmten.

Das Finale der Herren gewann schließlich die HG Saarlouis II mit 28:20 gegen den HC St. Ingbert-Hassel. Im Endspiel des Final-Four-Turniers der Frauen besiegte die HSG DJK Marpingen-Alsweiler die FSG DJK Oberthal/Hirstein mit 33:17. Die Marpingerinnen hatten zuvor im Halbfinale den HSV Merzig-Hilbringen klar besiegt (29:19), die Oberthaler Frauen hatten sich knapp mit 28:26 gegen den Turnierausrichter HSG TVA/ATSV Saarbrücken ins Finale gespielt.

Die Mannschaft des Regionalligisten SG Zweibrücken bedankt sich nach dem verlorenen Halbfinale im Saarpokal gegen die HG Saarlou
Die Mannschaft des Regionalligisten SG Zweibrücken bedankt sich nach dem verlorenen Halbfinale im Saarpokal gegen die HG Saarlouis II bei den rund 50 mitgereisten, anfeuernden Fans.
x