Zweibrücken
Gravierender Personalmangel: Kitas im Stadtgebiet immer wieder geschlossen
Der Personalmangel ist offenbar in allen Einrichtungen gravierend. Nach RHEINPFALZ-Informationen müssen Kindertagesstätten immer wieder vorzeitig – bisweilen sogar ganztägig – geschlossen werden, weil Betreuungskräfte wegen Erkrankung oder Schwangerschaft ausfallen. „Für die Eltern der Kinder ist eine Planungssicherheit nicht mehr gegeben“, beklagt unter anderem Patrick Lang, der für die Grünen im Stadtrat sitzt und sich als Presbyter in der evangelischen Kirchengemeinde Ernstweiler-Bubenhausen engagiert. Betroffene Eltern hätten sich an ihn gewandt, weil ihre Kita-Kinder häufig nur noch zu eingeschränkten Zeiten betreut werden könnten; Gruppen würden notgedrungen kurzfristig zusammengelegt. „Eigentliche Ganztagsgruppen enden teilweise schon um die Mittagszeit, oder Kinder sollen sogar komplett zuhause bleiben, wenn dies den Eltern organisatorisch möglich ist“, hat Lang beobachtet. „Die Eltern sind verzweifelt, denn sie müssen ihren Arbeitstag planen und sich dabei auf die Betreuung ihrer Kinder verlassen können.“ Beinahe jede Woche ändere sich in vielen Kitas derzeit die Betreuungssituation. Es fehle massiv an Personal, auch weil offene Stellen nicht besetzt werden könnten.
Jugendamt errechnet Kita-Personalschlüssel
Die Stadt Zweibrücken betreibt 14 kommunale Kindertageseinrichtungen. Hinzu kämen zwölf Einrichtungen der evangelischen Trägergesellschaft im protestantischen Kita-Verbund Zweibrücken. Laut der Informationen des Ratsmitglieds bietet die Stadt Zweibrücken aktuell 14 offene Stellen für pädagogische Fachkräfte an – sie alle seien allerdings nur befristet ausgeschrieben, trotz des Fachkräftemangels. Bei der evangelischen Kirche, so Lang, seien sechs Stellen zu besetzen; einige davon befristet, andere unbefristet.
Von der RHEINPFALZ darauf angesprochen, sagt Rathaussprecher Jens John, dass die Stadt für ihre Kitas aktuell elf Erzieherstellen ausgeschrieben habe. In der Zweibrücker Stadtverwaltung gebe es einen Personalschlüssel für die Kita-Betreuungskräfte, „der vom Jugendamt errechnet und an das Personalamt weitergegeben wird. Dieser dient als Grundlage für den Stellenplan. Demnach werden die erforderlichen Stellen im Stellenplan aufgenommen. Diese dort aufgeführten Stellen können unbefristet besetzt werden und sind es auch.“ Doch solange es keine freien, unbesetzten Stellen im kommunalen Stellenplan gebe, könne die Stadt Zweibrücken auch keine weiteren Stellen unbefristet ausschreiben beziehungsweise besetzen. „Fallen Beschäftigte aufgrund Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit oder sonstigen Gründen vorübergehend aus“, erklärt Jens John, „können Ersatzkräfte befristet für die Ausfallzeit eingestellt werden. Dies muss über entsprechende Stellenausschreibungen geschehen.“ Würden unbefristete Stellen frei, weil die betreffenden Beschäftigten ausscheiden, würden sie „unbefristet ausgeschrieben und besetzt“.
Alle unbefristeten Stellen sind besetzt
Was Neueinstellungen betrifft, sei die Stadt an ihren geltenden Stellenplan gebunden. „Alle dort genannten Stellen, mit wenigen Ausnahmen, wo es Befristungsgründe gibt, sind unbefristet und werden auch unbefristet besetzt.“ Seien diese Stellen aber von Mitarbeitenden belegt, die dann aus Gründen wie etwa Mutterschutz, Elternzeit, längerer Krankheit oder zeitlich befristeter Arbeitszeitreduzierung nicht zum Dienst antreten können, „dann können deren Stellen nur so lange befristet ausgeschrieben werden, wie die Stellen nicht von den regulären Kräften besetzt sind“, sagt John. „Das ist bei der aktuellen Stellenausschreibung leider bei allen Stellen der Fall.“ Sprich: So lange die unbefristeten Stellen alle besetzt sind, können darüber hinaus keine weiteren ausgeschrieben werden.
Die Stadt Zweibrücken gewähre in all ihren Kitas Ausbildungskräfte, damit zusätzliches Personal ausgebildet werden kann. Dieses werde dann wiederum zur Unterstützung der Fachkräfte eingesetzt. Auch Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst würden angeboten. Jens John: „Wenn Kräfte aber kurzfristig krank werden gibt es keine kurzfristige personell umsetzbare Lösung.“ Deutschlandweit seien „einfach nicht genügend Fachkräfte auf dem Markt“. Zweibrücken sei mit dem Problem also nicht allein.
Auch Integrationshelfer fehlen an allen Ecken
Aber nicht nur Erziehungskräfte, sondern auch Integrationshelfer fehlen derzeit offenbar an allen Ecken und Enden. Die RHEINPFALZ weiß von einer Kita, in die ein Vorschulkind zuletzt nur stundenweise kommen konnte, weil dessen Integrationshelferin ausgefallen war. Jens John bestätigt, dass auch die Integrationshelfer vom Personalmangel betroffen seien – ebenso wie andere Berufszweige. Nach Auskunft ihres Sprechers beschäftigt die Stadt Zweibrücken hier aber keine eigenen Kräfte, sondern bediene sich der Anbieter auf dem freien Markt, also freien Trägern wie zum Beispiel dem DRK oder den Johannitern. „Diese erhalten von uns Anfragen für Integrationshelfer und versuchen dann, den Bedarf zu decken.“
Dass es an Integrationskräften fehlt, sei allerdings „nicht ausschließlich auf das reine Fehlen von Personal zurückzuführen“, denn die betreffende Kraft müsse auch zu den individuellen Bedürfnissen des Kindes passen. Jens John: „Hier spielen neben der Qualifikation auch menschliche Faktoren eine Rolle. Teilweise haben wir Wartezeiten über mehrere Wochen, bis eine passende Integrationskraft gefunden wird.“ Die Stadt halte den Kontakt mit den freien Trägern und suche nach Lösungen wie etwa dem Einsatz von Springern, war aber nur in Ausnahmefällen möglich sei.