Zweibrücken Glasklar und bezaubernd frisch

Die Entdeckung des Homburger Klassik Open Airs war der junge Trompeter Benedikt Kilburg aus Waldmohr (Mitte, stehend neben dem D
Die Entdeckung des Homburger Klassik Open Airs war der junge Trompeter Benedikt Kilburg aus Waldmohr (Mitte, stehend neben dem Dirigenten Jonathan Kaell).

Beim neunten Klassik Open Air unternahm das Homburger Sinfonieorchester am Freitag eine musikalische Reise und präsentierte vor 800 Besuchern und etwa 300 weiteren Zuhörern in den umliegenden Restaurants „Glanzlichter Europas“.

Schirmherr war Ministerpräsident Tobias Hans. Mit Friedrich Nietzsches Zitat „ ein Leben ohne Musik wäre ein Irrtum“ gab er den Künstlern die Bühne frei. Malerisch, verträumt, aber auch spannungsreich stimmte das Homburger Sinfonieorchester sein Publikum mit der Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß auf den Abend ein. Mit der Arie des Caravadossi „Recondita armonia“ aus Puccinis „Tosca“ kam an dem lauwarmen Abend auf dem Historischen Marktplatz vollends mediterranes Urlaubsflair auf. Nach dem Einsatz des Orchesters mit zart-verhaltenen Farbtupfern interpretierte der junge griechische Tenor Konstantinos Klironomos die Arie des römischen Malers Cavaradossi mit klangvollem lyrischem Tenor in weichen Melodiebögen. Mühelose Spitzentöne und tenorale Strahlkraft setzten Glanzpunkte. Leiseste Gefühlsregungen kamen subtil zur Geltung. Die mitreißende Arie wurde auch durch das verhaltene, fast kammermusikalisch zurückgenommene Dirigat von Jonathan Kaell unterstützt, der Klironomos Raum zur stimmlichen Entfaltung gab. Diese Zurückhaltung war charakteristisch für Kaell, der mehr Wert auf minuziöse Detailgestaltung als auf große Orchestereffekte legte. Das zeigte sich auch in den beiden anderen Arien des jungen Tenors und gab Klironomos die Möglichkeit, nicht nur die Schönheit seiner Stimme zu präsentieren, sondern seine Arien auch psychologisch stimmig auszudeuten. Der Abschiedsschmerz des reuigen Pinkerton in der Arie „Addio fiorito asil“ aus Puccinis „Madama Butterfly“ kam so wundervoll zum Ausdruck. Auch der Liebeskummer Nemorinos in der Arie „Una furtiva lagrima“ aus Donizettis „Liebestrank“ wirkte berührend echt. Eine Entdeckung ist der Abiturient Benedikt Kilburg aus Waldmohr, der mit einer unglaublich stilsicheren und tiefgründigen Interpretation des Trompetenkonzertes des armenischen Komponisten Alexander Grigorjewitsch Arutjunjan (1920-2012) das Publikum fesselte. Plastische Themengestaltung, präzise Intonation, glasklare, langgesponnene Melodiebögen, hochvirtuose Soli und eine bezaubernde Frische des Ausdrucks zeichneten das Spiel des jungen Musikers aus, der seine Ausbildung an der Musikhochschule des Saarlandes fortsetzt. Die flirrenden Harmonien des klangfarbenreichen Konzertes wurden in dem harmonischen Wechselspiel zwischen Solist und Orchester lebendig, die stilistische Vielfalt des in sich geschlossenen Werkes kam überzeugend zur Geltung. Große Innigkeit prägte die Gestaltung der Filmmusik aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Kaell ließ die Ruhe und die feinen Zwischentöne in der Musik von John Williams deutlich hervortreten. Lautmalerisch und farbenreich zeichneten das Homburger Sinfonieorchester ein tönendes Porträt von Smetanas „Moldau“, dramatische Entwicklungsprozesse und Momente der Verzauberung bildeten die Pole dieses ausgewogenen tönenden Panoramas. Mit der pittoresken Farandole aus der Arlésienne-Suite Nr. 2 von Bizet wollten die Musiker die begeistert applaudierenden Zuhörer entlassen, die aber erst nach drei Zugaben – einem ungarischen Tanz von Brahms, dem Triumphmarsch aus „Aida“ und „O sole mio“ – den Platz verließen.

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