Träumer und Teamchef
Günter Schmid: Ein Pfälzer mischt die Formel 1 auf
Zum Rennwochenende „Mythos Sportwagen“ hat Walter Lais ein Formel-1-Auto nach Zweibrücken mitgebracht, das aus der Pfalz stammt. Chef des Teams, in dessen Diensten der Wagen einst stand, war der Bad Dürkheimer Günter Schmid, der zweimal in der Formel 1 sein Glück versucht hat. Günter Schmid gilt mit seinem Unternehmen ATS als Pionier der Aluminiumfelgen-Branche. Zuerst engagierte er sich als Sponsor auf knallgelben Rennwagen. Ab 1976 wollte er alles selbst und besser machen. Zunächst in der Formel 2.
Damals sprach es sich herum, dass der US-Amerikaner Roger Penske sein Formel-1-Team aufgeben wollte. Gerade erst hatte der Brite John Watson mit dem Penske PC 4 den Grand Prix von Österreich gewonnen. Weil der Pfälzer kein Englisch konnte, begleitete der Journalist Jochen von Osterroth Günter Schmid zum Kauf. Schmid war ein Visionär, der von Siegen träumte, aber als Pfennigfuchser jede Mark dreimal umdrehte, bevor sie ausgegeben wurde. „Lass das Auto am besten so, wie es ist“, lautete der dringende Rat des Journalisten an Schmid. Doch der hielt sich nur zu Beginn des Jahres 1977 daran. Der Franzose Jean-Pierre Jarier fuhr beim ATS-Debüt in Long Beach mit dem sechsten Platz sogleich einen Punkt ein. Doch das war es dann aber auch schon mit der Bad Dürkheimer Formel-1-Herrlichkeit.
Zahllose Techniker und Teammanager verschlissen
Schmid verschliss in den folgenden Jahren unzählige erfahrene Techniker und Teammanager. ATS fuhr meist hinterher und punktete bis 1984 nur gelegentlich. Obwohl man zuletzt mit Manfred Winkelhock einen schnellen Mann am Steuer und mit dem BMW-Turbo einen Weltmeister-Motor im Auto hatte.
Trotzdem fuhren bis dahin nahezu alle damaligen deutschen Formel-1-Rennfahrer für ATS. Darunter 1978 Jochen Maas und ein Jahr später Hans-Joachim Stuck. Der Grainauer beging damit den Fehler seines Rennfahrerlebens: Statt ohne Gehalt in einen Williams zu steigen, unterschrieb er bei Schmid, weil es dort etwas Geld zu verdienen gab. Während Stuck dem Feld nur hinterherjagen sollte, war der ihm angebotene Williams das überlegene Rennauto der zweiten Saisonhälfte.
Ein Sieg war ihm nie vergönnt
1985 zog sich Günter Schmid zunächst aus der Formel 1 zurück. Zwei Jahre später übernahm er den Felgenhersteller Rial und startete 1988 seinen zweiten Angriff als Teamchef. Fußgönheim war die Basis der Rennwagen. Konstrukteur des Rial ARC 1 war der Österreicher Gustav Brunner. Der sogenannte Blaue Ferrari war schnell, erwies sich aber als sehr anfällig für Defekte. Oft fuhr Andrea de Cesaris im Mittelfeld mit. In Detroit wurde er sogar Vierter. In jenem Auto, das heute Walter Lais gehört.
Schon ein Jahr später floh Gustav Brunner zu Zakspeed. Und bei Rial wurde das Vorjahresauto für 1989 nur leicht überarbeitet. Der Münchner Christian Danner wurde in Phoenix damit ebenfalls sensationell Vierter. Der Weinheimer Volker Weidler konnte sich bei zehn Rennen aber nicht einmal qualifizieren. Günter Schmid zog sich endgültig aus der Formel 1 zurück. 2005 starb er im Alter von 72 Jahren.
1983 hatte er dem „Spiegel“ gesagt: „Vielleicht fallen wir noch dreimal aus, vielleicht aber gewinnen wir schon das nächste Rennen.“ Das sollte ihm nicht vergönnt sein.
