Zweibrücken / Fußgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dieses Pfälzer Auto schrieb ein Stück Formel-1-Geschichte

Walter Lais (Mitte) fuhr am Samstag höchstpersönlich seinen Rial Formel 1. Der Rennwagen aus Fußgönheim hatte 1988 an der Weltme
Walter Lais (Mitte) fuhr am Samstag höchstpersönlich seinen Rial Formel 1. Der Rennwagen aus Fußgönheim hatte 1988 an der Weltmeisterschaft teilgenommen.

Beim Ereignis „Mythos Sportwagen“ am Zweibrücker Flugplatz ist am Samstag ein Rial ARC 1 aus Fußgönheim mitgefahren, der einst in der Formel 1 nach Punkten jagte.

1988 war der Bad Dürkheimer Günter Schmid mit Rial bereits zum zweiten Mal ausgezogen, um die Formel 1 zu erobern. Ziel des Unternehmers war es, seine Rial-Leichtmetallfelgen weltbekannt zu machen. Schmid ließ sich den Rial ARC 1 von dem Österreicher Gustav Brunner bauen, der zuvor für Ferrari gearbeitet hatte. Mit dem Italiener Andrea de Cesaris am Steuer bekam der Bolide den Spitznamen „Blauer Ferrari“. Heute gehört er dem ehemaligen Sindelfinger Ferrari-Händler Walter Lais. Wie kam er zu diesem Auto?

Wie so oft im Motorsport hat die Sache einen traurigen Hintergrund. Der heute 73-jährige Lais war ein guter Freund des 1985 im kanadischen Mosport in einem Porsche 962 tödlich verunglückten deutschen Rennfahrers Manfred Winkelhock. Der war wiederum von 1982 bis 1984 in der Formel 1 für ATS gefahren. Mit diesem Team hatte sich Günter Schmid erstmals in der Königsklasse engagiert – von 1977 bis 1984. Das Team war in Bad Dürkheim stationiert.

Anzeige weist auf ATS in Frankreich hin

„Es gab ein Auto zu kaufen, das damals von Manfred bewegt wurde. Das habe ich gekauft, und damit war mein Glück erfüllt“, erzählt Lais. Es handelt sich um ein Fahrzeug aus dem Jahr 1982, mit dem der Winkelhock-Freund früher schon einmal zum „Mythos Sportwagen“ nach Zweibrücken gekommen ist. Was zieht ihn eigentlich hierher in die Pfalz? „Weil man hier Lärm machen darf. Man darf ja mit diesen Autos kaum fahren, weil sie Lärm machen. Und ich wollte einiges ausprobieren.“ Wie oft nimmt Lais an solchen Veranstaltungen teil? „Viel zu oft.“

Mit dabei beim „Mythos Sportwagen“ war Andreas Schlachter, der hier an seinem Boliden aus der US-Rennserie NASCAR schraubt.
Mit dabei beim »Mythos Sportwagen« war Andreas Schlachter, der hier an seinem Boliden aus der US-Rennserie NASCAR schraubt.

Den ATS hatte Walter Lais in einer Anzeige entdeckt. Das Auto stand in Frankreich. Als Lais seinen ATS in Lyon abholte, staunte er. „Das war bei einer anderen Firma, weil die den Motor vorbereitet hat. Da standen damals drei Rial-Autos rum.“

Prügelei in der Hockenheimer Ostkurve

Eines Tages sind Sponsoren des chilenischen Fahrers Eliseo Salazar darauf aufmerksam geworden, dass es diesen ATS bei Lais gab. Salazar war 1982 Teamkollege von Winkelhock gewesen; berühmt wurde er damals aber wegen eines Faustkampfes. In Hockenheim, in der Ostkurvenschikane, setzte der damals führende Brasilianer Nelson Piquet hinter dem Chilenen zur Überrundung an. Salazar machte nicht ausreichend Platz, beide kollidierten. Danach begann Piquet, wutentbrannt auf den vermeintlich Schuldigen einzuprügeln. Live im Fernsehen, vor Millionen Zuschauern.

Rennwagen donnern über die Start- und Landebahn.
Rennwagen donnern über die Start- und Landebahn.

„Salazar lebt noch. Der Sponsor wollte das Auto unbedingt haben. Dann habe ich den ATS wieder verkauft. Und habe mir gesagt, jetzt brauch’ ich einen Rial.“ Zufällig sollte einer der Wagen, die er in Lyon gesehen hatte, schon bald fahrbereit sein.

Mechaniker in originalgetreuen Anzügen

Immer wieder gerät Lais über die Emotionen ins Staunen, die sein Auto auslöst. Ein damaliger LKW-Fahrer vom Team war begeistert, als er den Rial in Hockenheim wieder entdeckte. „Er hat mir jede Menge Sachen von damals gegeben. Sogar eine Felge habe ich gekriegt.“ Auch mit dem Konstrukteur des Autos steht er in Kontakt. „Ich habe mit Gustav Brunner schon sechsmal telefoniert.“

Ein Audi R8 beim „Mythos Sportwagen“.
Ein Audi R8 beim »Mythos Sportwagen«.

Der dürfte sich freuen, wenn er sein Auto mal im Einsatz unter Lais erleben sollte. Es ist hervorragend gepflegt und blitzblank. Und die Mechaniker, die Lais helfen, arbeiten in originalgetreu nachempfundenen Anzügen.

„Nie Krach miteinander gehabt“

Wenn Lais Manfred Winkelhock gekannt hat – kannte er vielleicht auch den im Jahr 2005 verstorbenen Günter Schmid? „Ja, gut sogar.“ Schmid galt als schwierig im Umgang mit Menschen. Wie war Lais’ Verhältnis zu ihm? „Sehr schwierig. Aber man musste ihn so nehmen, wie er war, und deswegen hat es mit uns beiden funktioniert. Wir haben nie Krach miteinander gehabt. Aber manchmal habe ich schon gesagt, jetzt ist es aber genug.“

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