Zweibrücken Friseurin hilft ihrer Kundschaft beim Haarespenden
Alle paar Jahre lässt Jasmina Strobel ihre Haare bis zu 40 Zentimeter lang wachsen. Dann kommt Tina Hamm ins Spiel, um sie abzuschneiden. In ihrem Friseurladen „Hairlich“ in Zweibrücken, als Haarspende. Wer die Haare irgendwann einmal tragen wird, weiß sie nicht. „Es würde mich aber interessieren, wo die landen.“
An diesem Tag sitzt Jasmina Strobel vor dem Spiegel im Friseursessel, dahinter Tina Hamm mit einem Lineal. Sorgfältig misst sie die Haarlänge. „Für eine Spende brauchen wir mindestens 25 Zentimeter, sonst wird das nichts. Ich musste leider schon Kunden abweisen“, erzählt die Friseurmeisterin. Bei ihrer Stammkundin passt alles. Auch der Friseur John Marco Patschull, der im Laden arbeitet, ist zufrieden.
Spender aus Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland
Tina Hamm weiß noch genau, wie alles angefangen hat. „Vor vier, fünf Jahren hat die Tochter einer Stammkundin gesagt, dass sie Haare spenden würde. Nachdem sie mir Details erzählt hatte, dachte ich: Das ist ja eine tolle Sache!“ Die Friseurin registrierte sich bei einem Internet-Portal. „So bin ich Partnersalon geworden.“ Heute geht sie auf Kundinnen und Kunden mit dem Vorschlag zu, Haare zu spenden.
„Aktuell habe ich so vier bis sechs Leute im Jahr. Nicht nur aus Rheinland-Pfalz, sondern auch aus dem Saarland“, erzählt Hamm. Geduldig flicht sie gemeinsam mit John Marco Patschull Jasmina Strobels Haare zu vielen schmalen Zöpfen. Verwendet werden die Haare später unter anderem für Echthaarperücken für Kinder mit Haarausfall.
Familie ist erst mal geschockt
Gelassen verfolgt Jasmina Strobel die Prozedur. Wie sie zum Spenden gekommen ist? „Als ich mich vor drei Jahren von meinem Partner getrennt habe, beschloss ich, mein Leben umzustrukturieren“, erzählt die Mittzwanzigerin. Unter anderem wollte sie mehr auf ihren Lebensstil achten – und dazu gleich eine neue Frisur. „Ich hatte damals 40 Zentimeter, und Tina Hamm warnte mich, das wird dann kurz. Ich sagte: Kein Problem.“ Ihre Familie sei zunächst geschockt gewesen. „Die dachten, ich mache eine Chemotherapie. Einige haben geweint“, erzählt Strobel. Als sie es erklärte, sei die Erleichterung groß gewesen. Sogar ihre Mutter habe mittlerweile Haare gespendet. Sie selbst „sammelte“ drei Jahre lang.
Die Deutsche Krebshilfe ruft immer wieder zu Haarspenden auf – zum Beispiel für Menschen, die wegen einer Chemotherapie eine Perücke brauchen. Die Stiftung arbeitet dafür mit einem Unternehmen in Nordrhein-Westfalen zusammen, das ein spezielles Internet-Portal betreibt. Hier hat sich auch Tina Hamm registriert, ebenso wie bundesweit zahlreiche andere Salons. Für jede Perücke sind der Deutschen Krebshilfe zufolge vier bis fünf Haarspenden nötig. In Deutschland gibt es einige Organisationen, denen man spenden kann.
Jede Länge hat ihre Vor- und Nachteile
In Zweibrücken schneiden Hamm und Patschull sorgfältig Strobels Zöpfe ab. „Die Haare stecken wir vorsichtig in eine Klarsichthülle und schicken sie in einem entsprechend großen Umschlag weg“, sagt die Friseurmeisterin. Seit elf Jahren betreibt sie ihren Laden.
Auch Jasmina Strobel ist zufrieden. „Jetzt habe ich wieder eine Frisur für die nächsten Jahre“, sagt sie und schmunzelt. Jede Länge habe Vor- und Nachteile. „Nun, wo sie kurz sind, muss ich in den nächsten kühlen Monaten wieder an eine Mütze denken“, meint Strobel augenzwinkernd. Vor dem zunächst ungewohnten Anblick im Spiegel fürchtet sie sich nicht. „Es sind doch bloß Haare.“