Zweibrücken Frau Weiss regt sich auf

Etliches zum Lachen, zur Unterhaltung, zum Mitsingen und Mitmachen boten die drei Entertainerinnen, Ursula Kolb, Katja Grund und Eva Paulus, am Samstagnachmittag im Rathaus in Contwig. Zu der Kabarettveranstaltung „Frau Weiss und die Musi“ hatte die protestantische Kirchengemeinde eingeladen. Rund 60 Gäste, vornehmlich Frauen, waren erschienen.
Es ist recht eng in dem kleinen Saal unterm Dach des Contwiger Rathauses. Dafür sitzen alle nah an den Auftretenden, die gern Kontakt zum Publikum aufnehmen. Insbesondere Frau Weiss (Ursula Kolb) spricht den einen oder die andere direkt an. Sie sei jetzt eigens von Pirmasens hierher gefahren, um den Leuten einen Vortrag über Sicherheitsvorkehrungen zu halten, erzählt sie. „Im Auftrag von Pfarrer Hirsch von der Hubertusgemeinde.“ Dieser lässt sich natürlich „mo widder net hier blicke“. Typisch. Schon vor zwei Jahren, als sie zu Gast bei der katholischen Gemeinde gewesen sei – „in de Kerch uffm Berch“ – sei er nicht gekommen. „Do kennt ich mich uffresche!“ Immer müsse sie den Kopf hinhalten; immer die Frauen halt. Wie neulich bei „de Nacht der offenen Kirchen“. Klar, sie habe wieder die Kirche gewienert, „des Kreiz mit ämme Feudel abgestaabt un enzelne Chrysantheme in Vase gesteckt“, berichtet sie vielsagend, die Nase rümpfend. Nur ein Schluck aus der Sechsämter-Tropfen-Pulle half. Wie jetzt, sagt’s und greift zum Fläschchen. Renate Irmgard Weiss ist in ihrem karierten Faltenrock, in der großblumigen Viskosebluse, unter der sie noch einen langarmigen beigefarbenen Pulli trägt, ein wahrer Hingucker. Ihre Freundin Thea habe ihr geraten, sich ordentlich anzuziehen, „wenn du unner die Leit gehscht“. Sie schaut nach oben. „Warum hängt dann der Staubsaucherroboter an de Deck?“. Viel zu viele Geräte hätten die Leute heute, moniert sie. Die sollten ihrer Meinung nach alle abgeschaltet werden. Und dann die „laut Mussik. Do kriescht jo Tittinus.“ Ob wohl unter jedem Stuhl ein Feuerlöscher befestigt ist? Die Zuschauer schauen nach. Kopfschütteln allenthalben. „Do müsst awwer änner hänge“, meint Frau Weiss tadelnd. Wo eigentlich die Frau Pfarrer sei, will die Pirmasenserin schließlich wissen. Sie reckt den Kopf und entdeckt sie in den hinteren Reihen. Die hätte doch wohl in der ersten Reihe zu sitzen, betont sie als Beauftragte der Pfälzischen Landeskirche und deutet auf einen leeren Platz. Nach der Pause handelt Pfarrerin Silke Gundacker wie geheißen. Als Belohnung erhält sie von Frau Weiss eine Bananenschale. „Banane sin jo so g’sund“, hat sie die Pfarrerin und das Publikum zuvor schmatzend belehrt. Einen roten Faden hat Frau Weiss scheinbar nicht. Sie plaudert drauf los, erzählt, was ihr in den Sinn kommt. Weil die Kirche so schlecht zahle, habe sie eine Nebentätigkeit angenommen. Aus Wollresten von der Mutter habe sie Häkelsachen gefertigt. Die Aussage einer jungen Frau bei einer Ausstellung - „Ich hab’ en Läptop, was brauch ich en Topläp?“ – habe sie aber völlig demotiviert. Stattdessen ist Renate Irmgard Weiss jetzt in Sachen „Lebensberatung und Chakra“ unterwegs. Stolz verkündet sie, dass sie bereits eine Frau mit Überbiss geheilt habe. Weniger Glück hat Frau Weiss bei den Männern. An was es wohl liege, dass keiner anbeißt? Ja, gut, wenn sie aussehen würde wie Romy Schneider, bekäme sie sicher auch einen „Ällen Dellen“, meint sie stirnrunzelnd. Rasch regt sie sich wieder über den Pfarrer auf, der sie hier hat sitzenlassen. Wenn das noch länger dauere, werde sie ja noch zur Rampensau, prophezeit das ältliche Fräulein. So weit kommt es aber nicht. Denn für gute Unterhaltung sorgen in ihren schrill-bunten Kleidern auch Katja Grunder (Akkordeon), die heute in den Niederlanden wohnt, aber aus Contwig stammt, und Eva Paulus (Tuba und Altflöte) aus Essen. Obwohl die beiden jede Menge Faxen machen, beweisen sie allenthalben, dass sie ihre Instrumente perfekt beherrschen. Schlager und klassische Weisen geben sie mitunter variantenreich zum Besten. Oft klatscht und singt das Publikum mit. Respekt gebührt insbesondere Eva Paulus, die die schwere Tuba immer wieder herumhievt und sich obendrein im Takt bewegt. Mit kräftigem Applaus bedankt sich am Ende das Publikum für den vergnüglichen Abend. Gern dürfen die drei Akteurinnen wieder nach Contwig kommen, wie von mehreren Seiten zu hören ist.