Eishockey
Früh ins kalte Wasser geworfen: Torwart Michael Seitz beim EHC Zweibrücken
Auf der Internetseite des Mannheimer Fachgeschäfts „Top on Ice“ für Eishockey- und Inlinehockey-Bedarf ist er tatsächlich ohne Helm zu sehen: der neue erste Mann im Tor des EHC Zweibrücken, Michael Seitz. Lässig sitzt er da auf den Fotos der Belegschaft am Computer im Basketball-Shirt, die Basecap nach hinten gedreht, das Telefon in der Hand. Darunter steht: Michi, Azubi E-Commerce, gedraftet 2023.
Der E-Commerce-Kaufmann
Moment mal, was ist ein E-Commerce-Kaufmann bitte? „Das ist ein Einzelfachhändler, halt eben fürs Online-Geschäft“, erklärt der 20-Jährige lachend. Nach der Schule, als er noch nicht recht wusste, was er machen sollte, habe er angefangen, als Aushilfe bei „Top on Ice“ zu jobben. Mit den Söhnen seines Chefs Oliver Vath hatte er schon in der Jugend zusammen auf dem Eis gestanden. Jetzt ist der in Heidelberg geborene, schon immer in Eppelheim wohnende junge Mann bereits im zweiten Lehrjahr in dem Geschäft, das etwa zehn Minuten Fußweg entfernt von der SAP-Arena, der Heimstätte der Mannheimer Adler, seinen Sitz hat.
Einen großen Vorteil hat die Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann außerdem für den Eishockey-Torwart. „Die Arbeitszeiten sind für mich und meinen Sport besser“, erläutert Seitz. Im Verkauf gebe es Arbeitszeiten von 11 bis 18 Uhr im Sommer und 11 bis 19 Uhr im Winter. Er dagegen arbeite von 8 bis 16.30 Uhr. Das lasse sich besser mit dem eigenen Training anschließend verbinden und den zwei bis drei Einheiten pro Woche, in denen er als Co- und Torwarttrainer bei der U15 des Mannheimer ERC (MERC) aushilft, sagt Seitz. Zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, sitzt er zudem in der Carl-Theodor-Berufsschule in Schwetzingen. Auch das ist ihm lieber als wochenweiser Blockunterricht.
Ganz viel Mannheim in der Eishockey-Vita
Angefangen hat er mit Eishockey in seiner Heimatstadt Eppelheim. Dann spielte er für die U10 des MERC, von der U12 bis zur U17 für die Mannheimer Jung-Adler, danach wieder für den MERC. Vor zwei Jahren „drafteten“ die „Hornets “ Seitz dann – neben seinem Job im Tor der U20 des Mannheimer ERC – mit einer Förderlizenz, zunächst hinter Goalie Viktor Lust.
Doch der war jetzt im August plötzlich weg, hatte ein berufliches Angebot in Bayern angenommen. „Das sind sicher große Fußstapfen, in die Michael tritt“, sagt EHC-Trainer Ralf Wolf dazu, dass der junge Goalie unvermittelt im ersten Senioren-Jahr zur Nummer eins im „Hornissen“-Kasten wurde. „Das ist zwar früher als gedacht. Er wurde ins kalte Wasser geworfen, jetzt muss er schwimmen. Aber er hat ja eine Top-Ausbildung genossen und wahnsinnig viel Potenzial. Ich weiß gar nicht, ob ihm das so bewusst ist“, urteilt der Trainer. Mit dem Druck als Nummer eins könne er sicher umgehen, glaubt er. So sieht das auch Seitz selbst. „Das mit Viktor Lust wusste ich lange gar nicht. Klar, der Druck steigt als Nummer eins und im ersten Jahr bei den Senioren auf jeden Fall. Ich will meine Mannschaft ja auch immer zum Sieg bringen“, sagt er. Aber eben auch: „Ich glaube, ich spiele unter Druck tatsächlich lieber, weil ich dann besser spiele.“
Gerne lange Fahrten für die „oberste Priorität“
Beim Wechsel zu den Aktiven hatten die „Hornets“ ohnehin oberste Priorität: „Ich hatte die zwei Jahre davor so viel Spaß hier in Zweibrücken. Das Team ist cool, die Halle und die Zuschauer sind klasse“, sagt Seitz. Und mit dem kleinen Bruder von Viktor Lust, Alexander, den er schon von früher kennt, spielt er hier nun auch wieder zusammen.
Dafür nimmt der 20-Jährige die langen Fahrten zum Training zweimal in der Woche gerne auf sich. „Wir treffen uns immer am Ikea in Sandhofen. 300 Kilometer hin und zurück sind das schon“, schätzt er. Meist ist er selbst der Fahrer; Silas Jäger und Alexander Lust sind immer dabei, Cosmo Chilf und Marc Hoffmann ab und zu.
Alte Freunde bei „Mad Dogs“
Wenn am Sonntag (18.30 Uhr, Ice-Arena) nun die Eichenkreuz-Union (EKU) Mannheim in der Westpfalz zum Heimspiel in der Baden-Württemberg-Liga auftaucht, trifft er auch auf einige Bekannte. „Mit Justus Schmitz und Tim Sulikowski habe ich lange zusammengespielt“, erläutert er. Aber so komisch, gegen Freunde zu spielen, wie in seinem allerersten Regionalliga-Spiel mit Zweibrücken gegen die Mannheimer „Mad Dogs“, werde es diesmal sicher nicht mehr.
Mit den zwei Siegen zum Saisonstart war Seitz sehr zufrieden. „Wir grooven uns langsam ein, werden Step by Step besser. Das hat man schon im zweiten Spiel gegen Pforzheim gesehen“, sagt er. „Wir sind eine gute Mannschaft“, urteilt der neue „Hornets“-Goalie – und hofft auf den nächsten Heimsieg.