Zweibrücken
Fotobuch von Jürgen Rinck: Verrammelte Türen
Die liebste Nebenbeschäftigung der Deutschen ist das Vermauern und Verbarrikadieren. Das könnte man meinen, wenn man im neuen Fotobuch des Zweibrücker Künstlers, Radlers und Bloggers Jürgen Rinck blättert. Es trägt den schlichten Titel „zu“. Im Sinne von „du kommst hier nicht rein.“ Vermauert sind Türen, Fenster, Wandlöcher. Fotografiert hat er in der Region, auch kreuz und quer durch Europa, zwischen Nordkap und Gibraltar.
Natürlich ist es nie schön, wen ein Zugang vermauert ist, aber es können schöne Fotos davon entstehen, wie bei der Tür in Pirmasens am Kaiserplatz, die Rinck in Schwarz-weiß aufgenommen hat. Das Foto wirkt künstlerisch, dank der fehlenden Farbe, des Schattens, den der Balkon wirft, das Motiv und die Bildbegrenzung - und durch den ebenso liebevollen wie absurden Versuch der Restaurierung: In die Türfüllung sind auch große dickere Steine eingebaut, die suggerieren sollen, dass das Fries der Hauswand weitergeht, als hätte es nie eine Tür gegeben.
Zum Lachen, zum Heulen
Lustig ist die nicht zugemauerte, sondern mit einen Schloss versehene Holztür, auf die ein Smiley gesprüht ist - mit Kreis zwei Punkten als Augen und der Kette mit dem Schloss als Mund. Von diesem in Spanien entdeckten fröhlichen Gesicht „eine meiner Lieblingsfoto“) ist Jürgen Rinck so begeistert, dass es gleich zweimal im Buch auftaucht. Doch die meisten Fotos sind eher von trauriger Gestalt, auch wenn ein Fensterausguck übrig geblieben ist wie bei einer vermauerten Tür in Falkenstein oder einer in Volmunster in Lothringen, wo man mit Blumen am Minifenster die Tristesse abmildern will.
Aus der Pfalz gibt es Beispiele aus Zweibrücken (mit überkreuzten Holzbrettern zugenagelte Tür von Rincks Atelier auf dem Rinckenhof), Großbundenbach, Nanzdietschweiler, Waldfischbach-Burgalben, Otterberg, Pirmasens (die mit Glasbausteinen zugebaute Tür im des Künstlers Klaus Kadel-Magin, die noch weiter bearbeitet wurde mit Briefkasten und Zeitungsbox, gelbem Holz und anderem. Aus dem Saarland ist St. Ingbert dabei.
Funde aus sechs Ländern
Manches erinnert an einen Kalender, den ein anderer Sammler herausgibt, den Abrisskalender (jeden Tag eine fotografierte Bausünde zum Abreißen), bisher jedoch nur bezogen auf Deutschland. Rinck dagegen zeigt auch seine Funde aus Frankreich, Schweden, Norwegen, Spanien und der Schweiz.
Um Abwechslung in die Sache zu bringen, folgen nicht alle Fotos streng dem traurigen Konzept, auch geschlossene Fensterläden sind dabei, komplett verlassene oder verfallene Häuser (neudeutsch: Lost Places) und ein festgefahrenes goldglänzendes Schloss in Vertrieu bei Lyon. Alle Objekte lassen sich problemlos vor Ort finden, denn neben dem Ortsnamen hat Rinck die GPS-Koordinaten geschrieben. So kann ein geschlossener Kreislauf entstehen.
Lesezeichen
- Jürgen Rinck: „zu“, Fotografien, 96 Seiten mit 48 Farb- und zwei Schwarz-weiß-Fotos, BoD (Book on Demand), 39,99 Euro. Erhältlich bei Thalia in Zweibrücken, direkt beim Künstler: irgendlink.de und bei bod.de.
- Den Künstler beim hektischen Durchblättern des Buches findet man unter youtube.com/watch?v=vWndtzID1Ag