Zweibrücken
Formart-Galerie: Comeback mit großen Namen
Die Galerie mit dem großen Garten hatte ein ganz besonderes Flair: Die Kunstwerke hingen nicht an weißen Wänden wie sonst üblich, sondern an Backsteinmauern in einer ehemaligen Scheune. Auch die Holzbalken waren noch sichtbar. Es hatte etwas Großstädtisches – und wenn man dort die großen wilden Frauengemälde einer Elvira Bach oder die großen weißen Reliefbilder von Leo Erb sah, dann machte das etwas mit den Besuchern. 2006 jedoch war Schluss mit den Ausstellungen in der Formart-Galerie fern der Zweibrücker Innenstadt im bäuerlich geprägten Stadtteil Mörsbach. Das Galeristenpaar Petra Stricker und Gilbert Baier (ausgesprochen: Jilbär, also französisch), das dort auch die Werbeagentur Formart betreibt, brauchte eine Pause.
Diese ist nun vorbei. Am 4. Oktober öffnet die Formart-Galerie wieder mit einem Knall: „Die Größten unserer Collection“ heißt die Ausstellung, die 18 Tage lang zu sehen ist: mit je zwei Werken von Picasso, Rizzi, Erb, Stöhrer, Eva & Adele und anderen großen Namen. Die Werke befinden sich im Besitz der Galeristen, es ist quasi eine Bestandsausstellung, die zeigen soll, dass die Umbenennung in QHof gerechtfertigt ist, denn „das Q steht für Qualität“, erläutert Petra Stricker (63), die seit 2015 auch als Zweibrücker City-Managerin ungewöhnlich Ausstellungen in die Zweibrücker Innenstadt holte.
Ein Bild und sein Pendant
Das Konzept der Comeback-Ausstellung: „Zu jedem großformatigen Werk gibt es ein keines Pendant“, so Stricker. Macht bei 14 Künstlern eigentlich 28 Werke, doch es sind ein paar mehr geworden, persönliche Werke wie das Herzobjekt, das Eva & Adele den Galeristen schenkten. „Adele Haas stellte schon vorher bei uns aus, als es noch nicht Eva & Adele gab“, betont Stricker. Der Kontakt zu den Künstlern war und ist recht eng.
Das verrät auch das 50 Zentimeter keine weiße Objekt, das neben einem großen weißen Werk von Leo Erb steht. „Er hat uns erklärt, dass es die Brüste seiner Frau sind“, sagt Stricker und lacht, „man erkennt das aber nicht“. Stricker und Baier (73, selbst Künstler) können zu allen Ausstellungsstücken Geschichten erzählen, aber man muss sie danach fragen, von sich tun sie es nicht, sie wollen die Kunst wirken lassen.
Wie alles anfing
Das war schon immer so. Seit 1984 gab es Ausstellungen auf dem ehemaligen Bauernhof in der Höhenstraße, damals von Gilbert Baier allein. Er erinnert sich an seine erste: „Sie hieß ,Dreizack’, mit Heinz Ginkel und Werner Constroffer.“ Der Dritte war der Neugalerist Baier. Als Symbol dazu gab es einen Dreizack, eine Mistgabel, um an die Geschichte des Ortes zu erinnern, wo nun Gemälde an den Wänden hingen: Die Galerie war früher eine Scheune, in der Stroh lagerte.
Der Galeriename Ku/Hof hatte übrigens nichts mit Kühen zu tun, obwohl es auch Kühe, Pferde und Hühner (unter dem Büro der Werbeagentur) gab. Ku/Hof meinte: Kunst- und Kulturhof. Aber bei Kontakten mit Künstlern und Galeristen in Frankfurt, München und Paris machten die Auswärtigen immer das Kuh-H dazu, sodass 1993 die erste Umbenennung kam in Formart-Galerie im Ku/Hof, 30 Jahre später folgt nun die nächste Umbenennung: in QHof.
Immer ein Ereignis: Die Art-Party
1985 kam Petra Stricker nach Mörsbach, als Partnerin in der Agentur und in der Galerie (1996 heirateten sie). Die Ausstellungen konzipierten sie gemeinsam, selbst bekannte Künstler wie Walter Stöhrer und K.H. Dahmen und Elvia Bach kamen in die Provinz. Natürlich nur die, die noch lebten (Picasso, Dali, Masson und Vasarely waren ja schon tot). Zeitweise kooperierte man mit einer Galerie in München und Paris.
So kamen die großen Namen nach Zweibrücken, erklärt Stricker. In die Galerie und auch zur sommerlichen Art-Party, die die Galeristen 1989 aus der Taufe hoben; ein eintägiges Fest mit Kunst und Musik, anfangs unregelmäßig, dann jährlich und bis zu vier Tage lang, bis 2004 fand das Kunstspektakel elf Mal statt, anfangs in Mörsbach, später auch in der Villa Expira in Zweibrücken, die zeitweilig zum Formart-Bereich gehörte.
Was in der Pause geschah
In der langen Galerie-Pause war die Künstlergruppe, die jetzt im Mannlich-Haus regelmäßig ausstellt, von 2018 bis 2020 als Mieter in den Räumen – was Stricker und Baier wohl auch Impuls war, die Galerie wiederzubeleben, denn „Kunst liegt uns im Blut“, bringt es Petra Stricker auf den Punkt. Maximal drei Ausstellungen pro Jahr soll es nun wieder geben – und sie sollen nicht so lange dauern wie früher, aber qualitätvoll sein. In der Zwischenzeit bleiben die Wände jedoch nicht kahl, dann hängen sie Werke aus ihrer reichhaltigen Kunstsammlung auf. „Man kann einfach zu den Öffnungszeiten kommen und sich etwas ansehen“, so Stricker. Auch Konzerte – wie früher -kann sie sich vorstellen. Und wer möchte, kann die Galerie auch für Geburtstage und andere Events nutzen.
Info
„Quantum Quality – Die Größen aus unserer Collection“, 4. bis 22. Oktober, Formart Galerie QHof, Zweibrücken-Mörsbach, Höhenstraße 6, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06337 921112, Kunstwerke von Pierre Alechinsky (95), Elvia Bach (72), Georg Baselitz (85), Najar Barsoumian (84), K.F. Dahmen (1917-1981), Leo Erb (1923-2012), Eva & Adele (Alter unbekannt), Jean Kazandjian (85), Nes Lerpa (81), André Masson (1896-1987), James Rizzi (1950-2011), Walter Stöhrer (1937-2000), Karl Unverzagt (1915-2007), Victor Vasarely (1906-1997).
Ausstellungen 1984-2007
Eva Askew, Malerei
Elvia Bach, Malerei
Najar Barsoumian, Malerei
Heinrich Betz, Malerei
Thomas Brenner, Fotografie
Robin Broadfood, Malerei
Marc Blunck, Grafik
Werner Constroffer, Malerei
K.F. Dahmen, Malerei
Salvatore Dali, Grafik
Leo Erb, Malerei, Relief
Eva und Adele, Malerei, Objekte
Wolfgang Fitz, Skulptur, Malerei
Heinz Ginkel, Malerei
Adele Haas, Keramik
Friedrich Hackstein, Fotografie
Horst Hübsch, Malerei
Hans-Joachim Hollinger, Malerei
Volker Jenal, Malerei
Bernd Kastenholz, Grafik
Jean Kazandjian, Malerei
Bruno Kümin, Malerei
Nes Lerpa, Malerei
Siegline und Guido Ludes
Frank Martin, Malerei
André Masson, Grafik
Moishe Moser, Malerei
François Nussbaumer, Fotografie
Miles Pepper, Skulptur
Pablo Picasso, Grafik
Hans Joachim Pietrula, Objekte
Juan Miguel Pozo Cruz, Collage
Reinhard Roy, Malerei
Lou Schmidt, Skulptur
Volker Schmidt, Grafik
Schmidt-Schmal, Malerei
Martin Schöneich, Malerei
Eric Simpson, Malerei
Walter Stöhrer, Malerei
Alfred Tilp, Grafik
Vio Trinkaus, Malerei
Karl Unverzagt, Malerei
Victor Vasarely, Malerei