Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Fleischesfrust: Bauern ärgern sich über niedere Preise für Rinder und Schweine

Im Zweibrücker Schlachthof (hier ein Archivbild) werden weiterhin fast die gewohnten Mengen geschlachtet – wie immer sonntags un
Im Zweibrücker Schlachthof (hier ein Archivbild) werden weiterhin fast die gewohnten Mengen geschlachtet – wie immer sonntags und donnerstags.

Die Corona-Pandemie wirbelt den Fleischmarkt durcheinander. Während das Geschäft bei den örtlichen Metzgern und Schlachtern gut läuft, verdienen die Bauern immer weniger am Vieh. Die Gastronomie fehlt als Abnehmer und der Export läuft nicht wie früher.

Betroffen sind vor allem die Rind- und Kalbfleischerzeuger. Doch auch die Schweinemäster haben mit fallenden Preisen zu kämpfen. Als Abnehmer für Fleisch fehlten für Wochen Gastronomie, Schnellrestaurants und große Feiern wie Hochzeiten, Konfirmationen und so weiter.

80 Prozent der Schweine gehen nach Angaben der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftskammer in die Schlachthöfe. Diese hätten zwar die Produktion gedrosselt, aber die Exporte fehlen. Laut Kammer ist der Preis für Schlachtschweine innerhalb von vier Wochen von zwei Euro je Kilogramm auf 1,70 Euro gefallen, bei Jungbullen ab Ende Februar von 3,73 Euro auf 3,38 Euro. Hinsichtlich der zunehmenden Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen fragt sich Reimund Möcklinghoff von der Kammer, wo im System das Geld hängen bleibt.

Metzgereien konnten Absatz-Einbruch in Gastronomie nicht abfangen

Der Schlachthof in Zweibrücken ist einer der 30 Standorte der Emil-Färber-Gruppe mit Sitz in Emmendingen im Breisgau. Laut Geschäftsführer Manfred Kempter werden in Zweibrücken wie immer am Sonntagabend und Donnerstagvormittag die gewohnten Mengen geschlachtet – Schweine allerdings weniger. Hauptabnehmer seien die Metzgereien, die den Absatz-Einbruch bei der Gastronomie allerdings nicht abfangen konnten. „Dementsprechend verkaufen wir momentan auch weniger Fleisch“, so Kempter. Die Einkaufspreise für das Schlachtvieh seien im Keller, deshalb seien auch die Verkaufspreise gefallen.

Kunde von Färber ist beispielsweise der Metzger Willi Nägle in Bubenhausen. Er verkaufe im Moment etwas mehr Fleisch und Wurst als früher. „Die Nachfrage wird wohl bald wieder auf das alte Niveau zurückfallen“, nimmt er an. Der Verkaufspreis für Rindfleisch sei die Zeit über mehr oder weniger gleich hoch.

Metzger Grim: Mache nicht jeden Preiskampf mit

Metzger Werner Besenbruch aus der Oselbachstraße ist froh über den Schlachthof vor Ort. Hausmacher aus schlachtwarmer Ware schmecke deutlich besser als tagelang herumgekarrte Leber- oder Blutwurst. Die Preise für Würste und Fleisch habe er die Corona-Zeit über unverändert gelassen. „Meine Stammkundschaft will ich nicht mit wiederholt wechselnden Preisen verunsichern“, erläutert der Metzger. Die ersten acht Tage der Pandemie habe er mehr verkauft – meist Konserven an junge Kunden. Merklich fehlen würden aktuell die Handwerker oder andere Berufstätige, die morgens auf dem Weg zur Arbeit bei ihm ihr Frühstück mitgenommen haben.

Heinrich Grim, der am Busbahnhof seine Metzgerei betreibt, setzt auf Lohnschlachtung. Die Bauern bringen die Tiere zum Schlachthof, wo sie für ihn im Lohn geschlachtet und zerlegt werden. Ein Teil der Schlachtware wird über den Party-Service abgesetzt und ein großer Teil über die Laufkundschaft und den Mittagstisch. Die Preise ändere er nicht so oft. „Ich mache nicht jeden Preiskampf mit“, betont Grim. Er hofft jetzt auf eine gute Grillsaison. „Beide sollen leben: die Bauern und ich“, sagt Grim.

Metzger Helbling. Fleisch wir teurer

Auch Metzger Georg Helbling in der Fasaneriestraße arbeitet direkt mit den Bauern zusammen. Die Schweinemäster liefern die Tiere am Sonntagmorgen im Schlachthof an. Rindfleisch kaufe er zum Teil vom Schlachthof zu. Die Preise habe er versucht zu halten – obwohl der Verkauf von Fleischkäse und Frikadellen an Berufstätige deutlich zurückgegangen sei und der Party-Service ruhe. Nun werde das Fleisch wohl teurer, weil beispielsweise Därme teurer werden. Helbling: „Die Großhändler bestimmen hier die Preise.“

Metzger Valentin Burgard, der eine Filiale in der Poststraße betreibt, schlachtet selbst. Die Tiere stammten von Stammlieferanten aus einem Umkreis von maximal 20 Kilometern. Die Preise für seine Waren habe er die ganze Zeit über nicht geändert. Die Schweinepreise seien vor der Corona-Pandemie extrem hoch gewesen. Doch dann seien sie wöchentlich gefallen. Zudem sei ihm aufgefallen, dass die Nachfrage nach dem Mittagstisch extrem angestiegen sei.

Devise: Hand in Hand mit den Bauern

Bei Herbert Vollmar in Kleinbundenbach wird auch noch eigenhändig geschlachtet. Gingen früher bei einem Fest auf einen Schlag ein paar Hundert Würste und Schwenker weg, so verlangten die Kunden momentan vielleicht zwei Würste und zwei Schwenker. Dafür kämen deutlich mehr Kunden in die Fleischerei. Sein Schlachtvieh beziehe er von kleineren Betrieben aus der Region. „Bei den Schweinepreisen liegen wir jetzt mittendrin.“ Seine Devise sei, mit den Bauern „Hand in Hand“ zu arbeiten – in guten wie in schlechten Zeiten.

Ebenfalls selbst schlachtet Metzger Steffen Schwab in Maßweiler. In Stambach und Thaleischweiler-Fröschen unterhält der 112 Jahre alte Betrieb Filialen. Der Umsatz blieb gleich, berichtet er. Zwar laufe der Party-Service nicht, dafür kämen mehr Leute ins Geschäft. Die Preise für das Vieh müsse man in Relation sehen. Für Rindfleisch erhielten die Bauern aktuell etwas weniger Geld als voriges Jahr. Der Schweinepreis bewege er sich aber je nach Handelsklasse bei 1,70 bis 1,80 Euro. Das Vieh komme überwiegend aus der Region Pirmasens/Zweibrücken.

Bauer Schäfer merkt nichts von Systemrelevanz

Michael Stalter vom Dudelbingerhof in Contwig hat Probleme beim Vermarkten seiner Schweine, die ausschließlich zu einem Metzger mit Privatschlachterei gehen. Er würde gerne den Preis auf zwei Euro je Kilogramm Schlachtgewicht festschreiben. Ein ungebremster Sturz des Schweinepreises auf den niedrigsten Stand seit April vergangenen Jahres wäre dann unmöglich.

Einer der letzten großen Bullenmäster der Region ist Frank Schäfer in Wallhalben. Zurzeit hält er nur wenige Tiere, da bereits vor der Pandemie die Preise nicht so gut waren. Schäfer: „Der Absatz ist wegen Corona schwieriger geworden. Nicht nur die Landwirte, sondern auch die Leute sind verunsichert.“ Wem das Geld fehle, der bleibe halt bei Tiefkühlpizza und gehe nicht auswärts Essen. Der Frust über die niederen Fleischpreise sitzt bei Schäfer tief: „Dass wir Landwirte systemrelevant sind, habe ich noch nicht gemerkt.“

Karl Hoffmann aus Käshofen ist zufrieden mit dem Absatz der Schweine an lokale Metzger. „Bei uns funktioniert es.“ Mit seinem Sohn Daniel bedient der ehemalige Bürgermeister zwei Fleischer in der Nähe. Früher sei mehr Schlachtvieh über die Erzeugergemeinschaft vermarktet worden.

Preissturz wie nach dem Dioxin-Skandal

Uwe Bißbort, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Südwestpfalz, weist darauf hin, dass es ein deutlicher Unterschied ist, ob ein Metzger vor Ort oder die Erzeugergemeinschaft die Schweine aufnimmt. Der Schweinehalter aus Windsberg liefert an einen lokalen Metzger und an den Schlachthof Simon in Wittlich. Bei der Fahrt zum Schlachthof fallen Transportkosten an – 80 Euro die Stunde, wenn der Laster steht, 100 Euro wenn er fährt.

Dann will der Schlachthof selbst natürlich verdienen. Mit 1,70 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht komme Bißbort hin, aber Anfang vergangener Woche fiel der Preis auf 1,60 Euro. Dies ist der höchste wöchentliche Abschlag seit Januar 2011 als der Preis für Schweine nach dem Dioxin-Skandal einbrach.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Kaiserslautern, Jürgen Vogelgesang, ist ebenfalls enttäuscht. Die laut Umfragen gestiegene Wertschätzung der Bauern zeige sich nicht in deren Geldbeutel. „Ein schwarzbuntes Kuhkalb ist nichts mehr Wert“, sagt der Milchbauer. Das Ostergeschäft mit dem sonst üblichen Anstieg des Rindfleischverzehrs sei ausgeblieben. Erstkommunion und Firmungen wurden verschoben. Nehme man noch die Bullen dazu, so ließe sich die Situation als katastrophal bezeichnen. Kalbfleischerzeuger gäbe es in der Region nicht mehr.

Bannsteinhof: Nun Hühner statt Rindfleisch

Der Wandel bei den Bauern vollzieht sich schleichend – nicht erst seit Corona. So halten Peter und Karin Schowalter vom Ringweilerhof in Hornbach seit vergangenem Sommer keine Schweine mehr. Der Bioland-Hof Nafziger bei Contwig verzichtet ebenfalls seit vergangenem Jahr auf Schweine. Das Fleisch kommt nun vom Hof am Weiher in Albessen. Und dieser Tage wurde das letzte Bio-Rindfleisch auf dem Bannsteinhof in Mörsbach verkauft. Achim und Margit Ruf sind auf Hühnerhaltung umgestiegen. Einige Traditionsbetriebe werden demnächst die Stalltür dauerhaft zuschließen.

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