Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Fitnessstudio und Pizzeria für die Hallplatz-Galerie

Nach elf Jahren haben Michael und Natascha Flick am 25. Februar ihren Laden El Presenta in der Hallplatz-Galerie geschlossen.
Nach elf Jahren haben Michael und Natascha Flick am 25. Februar ihren Laden El Presenta in der Hallplatz-Galerie geschlossen.

In der Hallplatz-Galerie steht wieder ein Laden leer: Seit Ende Februar ist der Deko- und Geschenkeladen El Presenta geschlossen. Derweil laufen Verhandlungen, um die vielen Leerstände zu beseitigen. Im Sommer sollen neue Mieter einziehen.

Ihren ersten Deko- und Geschenkeladen hatten Michael Flick und Ehefrau Natascha 2009 im Homburger Talzentrum eröffnet, wo das Paar bis 2012 blieb. Am Edeka in der Nähe des Homburger Kinos unterhielt es einen zweiten Laden: Dieser Standort habe sich aber als unrentabel erwiesen, so Michael Flick. Im Mai 2011 eröffnete El Presenta auf 180 Quadratmetern im Erdgeschoss der Hallplatz-Galerie neu. Das Geschäft am Ausgang zum Parkhaus lief jahrelang gut. Bis Corona kam. „Wir hatten über zwei Jahre lang reduzierte Umsätze durch Corona. Der finanzielle Puffer wurde von Monat zu Monat geringer. Eine Mietreduzierung war leider nicht möglich, das haben wir zusammen mit anderen Mietern erfolglos versucht“, sagt Flick. Eigentümer der Hallplatz-Galerie ist jetzt der „Mercureim EF One SICAV Fiar Fonds“, ein Berliner Immobilienfonds nach Luxemburger Recht. Die Firma Jurag wurde als Immobilienverwalter für das Zweibrücker Objekt eingesetzt.

Michael Flick hatte sein Geschäft zweimal mit Fünfjahres-Mietverträgen betrieben – bis 2020. Dann wurde ihm gesagt, dass der Besitzer der Immobilie im Ladenlokal Gastronomie ansiedeln wolle. Man habe ihm einen Umzug in den ehemaligen Capito-Bürobedarfladen mit Eingang unter der Rolltreppe angeboten, ebenfalls in der Hallplatz-Galerie. „Zuerst haben wir zugestimmt. Das ist jetzt über eineinhalb Jahre her“, erzählt Flick. In der Zwischenzeit habe er noch mal versucht, Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen. Doch es habe keinerlei Rückmeldung gegeben. „So ging es nicht nur mir. Der Leiter des Cap-Marktes versucht seit über einem Jahr, Kontakt mit dem Eigentümer aufzunehmen, um den Vertrag zu verlängern, der 2023 ausläuft. Auch bei Mister & Lady Jeans endet der Vertrag 2023; es ist keine Verlängerung in Sicht. Das spricht sich natürlich herum bis vorne ins C&A. Die haben jetzt auch schon überlegt, ob sie verlängern“, sagt Michael Flick.

Dieses Jahr keinen Laden mehr eröffnen

Sein eigener Mietvertrag hatte nach den zehn Jahren nur noch ein Jahr Laufzeit, nach einer Mietabsenkung wegen Corona habe der Vermieter auf einer dreimonatigen Kündigungsfrist bestanden. Die hat er laut Flick genutzt und El Presenta im November 2021 gekündigt.

Dieses Jahr wollen der ehemalige Betreiber und seine Frau keinen Laden mehr eröffnen. Auch, weil Corona noch nicht vorbei ist und die Zukunft weiter ungewiss sei. Stattdessen betreibt das Ehepaar einen Stand auf Mittelaltermärkten in der Region, was es nebenher bereits seit zehn Jahren tut. Mit diesen Märkten gehe es jetzt langsam wieder los.

Kundenfrequenz nachmittags „katastrophal“

Nicht nur die Hängepartie beim Vertrag und die schlechte Erreichbarkeit des Vermieters stoßen bei Michael Flick auf Kritik. Denn auch die Öffnungszeiten der Galerie und der umliegenden Geschäfte in Pandemie-Zeiten seien wenig geschäftsfördernd gewesen. „Wir hatten direkt vor der Tür dieses Baustellenflair, wo um die Sitzgelegenheiten des Imbisses über Monate Flatterband gewickelt war. Normale Gastronomen würden einen geschmückten Zaun aufstellen und das ein bisschen hübsch kaschieren“, ärgert sich Flick. Zudem schließe der Imbiss bereits um 13.30 Uhr. Ebenso der Tabakladen gegenüber dem ehemaligen El Presenta. Um 16 Uhr schließe der Bäckerladen vor dem Cap-Markt.

Die Kundenfrequenz nachmittags sei in diesem Zustand „katastrophal“ gewesen. „Von 16 bis 19 Uhr ist es hier wie ausgestorben“, klagt der Geschäftsmann. Die Mietverträge hätten die Ladenbetreiber eigentlich verpflichtet, zu den Galerie-Öffnungszeiten ihre Geschäfte aufzulassen, sagt er. Sein Laden sei in normalen Zeiten ein Frequenzbringer gewesen. „Sehr viele Kunden bedauern, dass wir zumachen“, sagt Flick. Entlassen wurde durch die Schließung niemand. Ein Mitarbeiter war schon zu Beginn der Corona-Zeit gegangen.

Schuldanerkenntnis und Schadenersatzforderung

Nach Angaben der Verwaltungsgesellschaft Jurag wurde Michael Flick wegen hoher Mietrückstände gekündigt. Man habe einen Gerichtsvollzieher mit der Räumung der Ladenfläche betraut. „Ich habe eine notarielle Schuldanerkenntnis unterschrieben wegen der Mietrückstände. Allerdings nicht gegenüber dem derzeitigen Eigentümer, sondern gegenüber dem vorherigen Besitzer, der Brandenburg Barrel“, meint Flick auf Nachfrage dazu. Vom jetzigen Eigner fordert er Schadenersatz „aufgrund verringertem Umsatz durch reduzierte Kundenfrequenz am Nachmittag, ausgelöst durch die verkürzten Öffnungszeiten der umliegenden Läden“.

Mehrfach habe er versucht, so Flick, mit dem Immobilienverwalter über Mietminderung zu verhandeln. Doch die Verwaltungsgesellschaft gebe sich „stur, nicht gesprächsbereit“. Eine von der Jurag angestrengte Gerichtsverhandlung, bei der es laut Flick um den Mietrückstand, die Zulässigkeit der Kündigung und die Kündigungsfrist gehe, sei auf Ende März angesetzt. Eine Mietminderung will Flick auf alle Fälle geltend machen.

Vermieter will die Details klären

Die Jurag Haus und Immobilienverwaltungs GmbH & Co KG mit Sitz in Berlin hat das Ziel, die Hallplatz-Galerie wieder voll zu vermieten. „Es tun sich zahlreiche Dinge“, versicherte Geschäftsführer Bernd von Manteuffel im Gespräch mit der RHEINPFALZ. So werde ein Fitnessstudio 12.000 Quadratmeter beziehen, ein Arzt werde seine Praxis um die Hälfte vergrößern, eine Pizzeria werde einziehen. Derzeit sei man dabei abzuklären, für welche dieser Vorhaben eine Baugenehmigung benötigt wird. „Ich schätze, dass es im Sommer losgehen kann“, sagte der Geschäftsführer. Dann werde „neues Leben einziehen“, kündigte er an. Es werde dann die Auflage geben, dass die Geschäfte nicht um 15 Uhr schließen, sondern zum Beispiel von 10 bis 18 Uhr geöffnet haben.

Nähere Angaben, welcher Mieter in welches Geschäft zieht, konnte von Manteuffel nicht machen. Er sei zwar vor 30 Jahren mal in Zweibrücken gewesen, aber er selbst kenne die Hallplatz-Galerie nicht. Die mit der Pressearbeit beauftragte Agentur wollte nähere Fragen „über das von Herrn von Manteuffel Gesagte hinaus noch nicht beantworten“, da sich „alle genannten Mietverträge noch in letzten Verhandlungen befinden, beziehungsweise kurz vor Vertragsunterzeichnung sind“.

x