Kolumne: Ich sag’s mal so RHEINPFALZ Plus Artikel Faule Weiber im Visier der Wirtschaft

teilzeit kopie

Als Teilzeitkraft ist derzeit der gute Ruf schnell dahin. Da muss man schon aufpassen, argwöhnt unsere Autorin.

Ich hab’ mal einen Kuchen von der Webseite „Leckerschmecker“ gebacken, und seitdem poppt da immer mal wieder was auf. Diese Woche wurde ich aufgefordert, einen Faule-Weiber-Kuchen zu backen. Der sah hübsch aus und schmeckt wohl auch gut, aber von dem lasse ich die Finger. Ich arbeite nämlich Teilzeit und stehe mutmaßlich unter strenger Beobachtung des CDU-Wirtschaftsflügels.

Diesem Flügel ist bekanntermaßen die Teilzeit ein Dorn im Auge, akzeptabel allerhöchstens, wenn man dafür an anderer Stelle ackert, vorzugsweise im privaten Bereich. Und ob da Kuchen backen noch durchgeht als „Hält den Deutschlandladen am Laufen“-Maßnahme, ist zweifelhaft. Auch dann, wenn man den Faule-Weiber-Kuchen ersetzt durch eine Esterházy-Torte, die immerhin nach einem ungarischen Adelsgeschlecht benannt ist. Den Vorsitzenden des fleißigen Flügels, Christian Freiherr von Stetten, wird das nicht beeindrucken. Auf die Tricks von faulen Weibern fallen der Freiherr und seine Mitstreiter nicht rein.

Ganz oder gar nicht, was denn nun?

Sie könnten sich aber auch langsam mal einig werden, die Konservativen, was Frauen denn nun genau machen sollen. Ich hab’ da irgendwie den Überblick verloren. Sollen wir jetzt mit gestärkter Schürze und rückengestärktem Vollzeitgatten daheim bleiben, um uns als Hausfrau und Mutter wieder unserer Kernkompetenzen zu besinnen, wie das viele Traditionalisten gerne hätten? Oder sollen wir doch „richtig“ arbeiten gehen, also so, dass man Geld dafür bekommt, und das dann aber volle Kanone und nicht so larifari weichgespült in Teilzeit? Ich blicke da jetzt wirklich langsam nicht mehr durch, was jetzt am besten ist für Vaterland und Bruttosozialprodukt.

Das Teilzeit-Dissen geht aber auch Männer was an, werden Sie jetzt einwerfen, und das stimmt ja auch, aber es geht lange nicht so viele Männer wie Frauen an. 2024 haben in Deutschland fast 50 Prozent der Frauen in Teilzeit gearbeitet und zwölf Prozent Männer. Ich bitte deshalb diese zwölf Prozent, sich von meiner Kolumne mit angesprochen zu fühlen. Auch wenn es keinen Faule-Kerle-Kuchen gibt und der Vergleich nicht nur an dieser Stelle hinkt. Angesichts der nackten Zahlen ist für mich klar: Die CDU-Wirtschaftsankurbler machen hauptsächlich faule Weiber dafür verantwortlich, dass es mit Deutschland den Bach runtergeht, wie sie gerne unken.

Vergnügungssüchtige Teilzeit-Trullas

Frauen, die daheim die Brut beaufsichtigen oder sich um Alte und Kranke kümmern oder eine Fortbildung macht, bleiben unterm Radar. Anders sieht das bei Teilzeit-Trullas wie mir aus, die sich in ihrer freien Zeit manchmal mittags schon aufs Sofa legen und Kaffee schlürfend eine Folge der Science-Fiction-Serie „The Orville“ glotzen, statt Geschirrspül-, Wasch-, Küchen- oder andere Maschinen zu befüllen. Oder wenigstens den Thermomix. Oder das Kind bei den Hausaufgaben zu beaufsichtigen, auf dass auch es in naher Zukunft eine nützliche Bürgerin wird statt auf der faulen Haut rumzuliegen und von fleißigen Bäckerinnen gebackene Esterházy-Torten zu fressen. Ich bin jedenfalls auf der Hut, rechne damit, bald auf der Straße als vergnügungssüchtige Müßiggängerin beschimpft zu werden, die anderen auf der Tasche, sorry, auf dem Sofa liegt. Also, wenn ich auf der Straße gehe. Wenn ich sie kehre, geht’s vielleicht.

Die Idee der Unionswirtschafter hätte natürlich den Vorteil, dass sie viele neue Vollzeitjobs generiert. Irgendjemand muss schließlich kontrollieren, wer da aus aufrechten Gründen Teilzeit schafft oder wer nur keinen Bock auf mehr Arbeit hat.

Mehr zum Thema
x