Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Fantasy-Autor Markus Heitz ist gespannt auf neuartige Publikumsfragen

Markus Heitz, Bernhard Hennen und Kai Meyer (von links) wollen am 9. Juni mit dem Neunkircher Publikum in Interaktion treten.
Markus Heitz, Bernhard Hennen und Kai Meyer (von links) wollen am 9. Juni mit dem Neunkircher Publikum in Interaktion treten.

Er ist mit über fünf Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren Deutschlands. Markus Heitz (50) vereint in seinen Romanen Spannung, fantastische Figuren und menschliche Motive wie Freundschaft, Treue und Mut. Am Donnerstag, 9. Juni, 20 Uhr, gastiert Heitz in Neunkirchen. Aber nicht allein. Vor der interaktiven Lesung der „Meister der Phantastik“ hat er mit Patrick Göbel gesprochen.

Herr Heitz, wie ist es, wenn man zu dritt auf Tour geht? Ändert sich da etwas für Sie?
Nein, nicht so richtig. Ich habe zum Glück schon einige Touren hinter mir, inklusive Tour-Bus mit Liegebetten, mit verschiedensten Bands zusammen, abenteuerlichen Bühnenbauten und schrägen Übernachtungsmöglichkeiten, im Inland und Ausland. So eine Tour ist immer ein Quell neuer Eindrücke. Gut, manche hätte man gerne nicht gemacht, aber es ist dann eben eine Erfahrung. Insofern ist die individuelle Anreise via Bahn bei der Phantastik-Tour ein verhältnismäßig kleines Abenteuer. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Bahnnutzer und auch dabei gewappnet. Je nach Wohnort von Autor oder Moderatorin kann man zur Not mit dem Auto vorbeifahren.

Wie seid ihr darauf gekommen, diese Lesereise der besonderen Art zu machen?
Die Idee stammt aus dem Jahr 2018. Wir planten ein bisschen, dann kam Corona. Zack, so wurden dann vier Jahre Wartezeit daraus. Aber das Los teilen wir mit sehr vielen Kreativen. Der Ansatz war und ist: eine generelle Lanze für die Phantastik brechen, das Genre bekannter machen und Berührungsängste mit dem Genre abbauen. Dafür muss man wiederum an fremde Locations, ungewohnte Locations mit anderem Publikum. Man erreicht durch Plakatieren wiederum neue Gruppen und erweckt dort im besten Fall Neugier, die zu Rückfragen und Interesse am Genre führt. So die zuversichtliche Hoffnung.

Wie wollen Sie diese Lanze genau brechen? Was erwartet die Besucher?
Drei sehr gut gelaunte Autoren und eine aufgeweckt-brillante Moderatorin, Julia Kulewatz. Sie sorgt für Ordnung auf der Bühne, stellt eigene Fragen, sammelt Fragen aus dem Publikum ein und hakt nach, wenn wir versuchen, uns aus der Antwort zu stehlen. Alles in allem: eine Mischung aus Lesungen, Interviews, spontanen Publikumsfragen. Interaktion ist das Stichwort. Nichts gegen die Online-Lesungen der Corona-Zeiten, aber Publikum und Kreative im direkten Austausch, das ist schon besser als Chats und Kameraeinstellungen.

Inwiefern unterscheidet sich die Tour von anderen Lesungen?
Insgesamt sitzen gleich vier Leute auf der Bühne, die alle sehr unterschiedlich sind und untereinander und mit dem Publikum interagieren. Anders gesagt: Auch wenn wir unsere Lesestellen aus den Werken beherrschen, die wir zum Besten geben, besteht der Rest des Abends aus viel Improvisation und Reaktion. Unterhaltsam wird’s auf alle Fälle.

Wie liefen die Vorbereitungen inhaltlich und organisatorisch ab? Wie lange dauerte die Planung ungefähr?
Wir haben gleich gewusst, dass wir bei den Locations und dem Planen des Tourablaufs einen Profi brauchen, weil wir uns aus der bekannten Welt von Buchhandlung, Buchmesse und Lesefestivals herausbewegen. Den haben wir dann mit Thomas Matiszik von Contra Promotion gefunden. Er kennt die Spielorte, die Ansprechpartner und alles, was man zu einer Tour wissen muss. Es gibt für alles Spezialisten, und das ist verdammt gut so. Nachdem die Idee 2018 geboren war, 2019 aber zu kurzfristig erschien, wollten wir 2020 starten … tja.

Warum machen Sie die Tour gerade mit den beiden Autoren Bernhard Hennen und Kai Meyer?
Jeder von uns kommt auf mehr als 20 Jahre Schriftstellerei, stattliche Auflagen und verkaufte Exemplare, diverse Bestseller, internationale Übersetzungen und Dutzende Romane. Da wir Aufmerksamkeit für das Genre erzeugen wollen, fanden wir das einen guten Ausgangspunkt, neue Locations zu gewinnen, die sich auf das Experiment einlassen wollen, und um durchs Land zu düsen und die inhaltliche Vielfalt zu zeigen. Und das eben nicht durch eine reguläre Lesung, jeder für sich, sondern mit geballter Phantasten-Power. Parallel sind unsere Werke sehr unterschiedlich, trotz der Gemeinsamkeit der Phantastik.

Ist die Reihenfolge der Auftritte jedes Mal gleich?
Das entscheiden wir spontan, denke ich. Oder wir werfen Münzen oder würfeln.

Auf was freuen Sie sich bei der Tour?
Einfach auf alles. Am meisten bin ich, wie früher auch, auf Fragen gespannt, die ich so noch nicht hörte. Damit meine ich keine Quatschfragen, wie die Farbe der Unterwäsche oder sowas, sondern welche Art von Gedanken sich Leserinnen und Leser bei unseren Romanen machen. Manchmal kann das ziemlich überraschend sein. Aber auch Standardfragen sind absolut in Ordnung. Es soll kein Wettkampf werden.

Haben Sie vor Lesungen eigentlich noch Lampenfieber?
Es gibt eine gewisse Grundspannung, weil man nie genau weiß, was der Abend bringen wird: super Stimmung, Technikgau, ständige Verleser, begeisterter Zwischenapplaus und vieles mehr. Aber das gehört dazu. Aufregung in dem Sinn aber nicht mehr. Ich kenne meine Lesestellen, und alles andere wird sich ergeben.

Haben Sie ein bestimmtes Ritual, das Sie vor Lesungen zelebrieren?
Nein, nicht im klassischen Bühnensinn. Aber ein, zwei Schwarztee vorher (Assam oder Earl Grey), das muss schon sein. Ich brauche keinen Sekt vorweg, Teein ist wichtiger.

Als Autor trägt man ja viel Kreativität in sich. Ist die Lesetour auch ein Ventil, ein Mittel, um diese Kreativität auszudrücken und rauszulassen?
Nein, Kreativität wird beim Schreiben rausgelassen. Bei einer solchen Tour kommt eher frischer Input durch das Erlebte und Gesehene dazu, der wiederum für neue, andere, besondere Kreativität sorgen kann. So ein Perpetuum-Ding.

Wie lange dauert die Veranstaltung in etwa?
Kommt darauf an, wie das Publikum drauf ist, aber von zwei Stunden kann man locker ausgehen.

Interview: Patrick Göbel

Zur Person: Markus Heitz

Markus Heitz wurde am 10. Oktober 1971 in Homburg geboren. Dort hat er 1991 auch sein Abitur gemacht. Heitz ist Journalist, Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Autor. Er veröffentlichte 2002 seinen Debütroman „Die Dunkle Zeit 1 – Schatten über Ulldart“, für den er den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie Bestes Roman-Debüt National erhielt. Seinen endgültigen Durchbruch schaffte Heitz 2003 mit dem Roman „Die Zwerge“.

Info

Die „Meister-der-Phantastik“-Tour mit dem Trio Markus Heitz, Bernhard Hennen und Kai Meyer macht am Donnerstag, 9. Juni, 20 Uhr, Station in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen. Es handelt sich um einen Nachholtermin. Tickets gibt es unter anderem unter www.ticket-regional.de.

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