Fussball
Ex-Fußballstar Thomas Dooley aus Bechhofen feiert 60. Geburtstag – in Südostasien
„Irgendwie kann ich selbst nicht glauben, dass ich 60 werde. Ich muss mal meine Mutter fragen, ob ich nicht doch 1971 oder 1981 geboren bin“, sagt Thomas Dooley lachend. Knapp eine Woche vor seinem Geburtstag am Mittwoch sitzt er nachmittags (11 Uhr Ortszeit in Deutschland) beim Telefonat in Kuantan/Malaysia gerade gemütlich in einem Starbucks-Café – rund 12.000 Kilometer von der Südwestpfalz und seinem Heimatort Bechhofen entfernt. Seit mehr als sieben Jahren ist Südostasien schon sein Zuhause.
Zuletzt war der Sohn eines US-amerikanischen Vaters, den er nie kennenlernte, und einer deutschen Mutter im vergangenen Sommer in Bechhofen bei seinen Eltern Horst und Alice, wegen der Corona-Krise letztlich sogar länger als geplant. Vom Besuch zeugt auch ein kleiner Eintrag auf der Facebook-Seite seines Heimatklubs TuS Bechhofen. „Mensch, was habe ich mich hier schon gequält. Was habe ich schon Kilometer hier abgebrannt und Gräben in den Waldboden getreten. Alles für TuS Bechhofen, den TuS Landstuhl, FK Pirmasens, FC Homburg und 1. FC Kaiserslautern. Habe nichts bereut, jeder Meter war es wert“, postete er damals zu entsprechenden Fotos von Waldwegen rund um den Ort.
Früher bei jedem FKP-Heimspiel als Fan dabei
Um sich an seine damalige Fußballer-Zeit in der Westpfalz zu erinnern, braucht er keinen runden Geburtstag, sagt er. „Ich hab’ beim FKP in der Zweiten Bundesliga Süd mit meinem Bruder und blau-weißem Schal auf der Tribüne gestanden, mit grün-weißem Schal beim FC Homburg und mit rotem Schal in der Fankurve auf dem Betze. Und später hab’ ich dann für alle Vereine auch gespielt“, erzählt er launig auf Deutsch, mit leicht amerikanischem Einschlag. Manchmal rutscht ihm unverkennbar ein Wort im Pfälzer Dialekt raus. Dass er mit der Textzeile „Ich sieh de Dooley Tom, wie er jeder Ball versenkt“ sogar Teil des bei jedem FKP-Heimspiel laufenden Songs „Hey FKP“ von den Gangsters ist, wusste er aber nicht.
Mit Bruder Steven, der im Vorjahr 60 Jahre alt wurde und seit April Sportdirektor beim FKP ist, tauscht er sich auch vom anderen Ende der Welt regelmäßig aus. „Wir haben einen guten Draht zueinander und telefonieren regelmäßig, gerade gestern wieder. Oder wir schicken uns Whatsapps.“ Natürlich dreht sich da viel um Fußball, „ohne geht es in der Familie Dooley halt nicht“, merkt Thomas schmunzelnd an.
Das Königshaus bestimmt, wie’s läuft
Sicher sprechen sie dabei auch darüber, was bei seiner letzten Trainerstation, dem Sri Pahang FC, auf Malaysia schief gelaufen ist, dass schon nach nur zwei Monaten wieder Schluss war. „Ich wollte da mehr Professionalität reinbringen, da haben sie zum Beispiel in Bechhofen ja bessere Platzverhältnisse beim Training“, plaudert Dooley aus dem Nähkästchen. Im Verein hätten aber wohl einige bessere Verbindungen zum maßgeblichen Königshaus gehabt als er. Derzeit ist er also vereinslos, auf Malaysia bleibt er vorerst trotzdem. „Zu einem der Prinzen, der beim Klub wohl mal die Federführung übernehmen soll, habe ich einen guten Draht. Wir haben in 14 Tagen noch mal ein Gespräch. Mal abwarten; gut möglich, dass ich noch ein paar Jahre auf Malaysia bleibe“, sagt er.
Großer Erfolg mit den Philippinen
„Das Alter ist mir eigentlich schnurz“ meint er nachdenklich. So lange er sich gut fühle und noch mit einer Mannschaft trainieren, ihr was vormachen und ab und an einen Ball versenken könne. Zwei, drei Jahre will er noch arbeiten und „auf der Welt herumschwirren“, Mannschaften trainieren oder auch managen. Wo genau, ist ihm egal. Auch Deutschland sei eine Option. Zum Drittligisten KFC Uerdingen hatte er mal Kontakt. „Es muss einfach passen, und ich muss eine Mannschaft entwickeln können“, sagt er.
Wie in den vier Jahren als Trainer der „Azkals“, der Straßenhunde, wie die philippinische Nationalmannschaft genannt wird. Auf den Posten hatte es ihn 2014 nach seiner Zeit als Nachwuchstrainer und Co-Trainer von Jürgen Klinsmann beim US-Verband fast zufällig verschlagen. Mit dem Team auf Platz 135 (von 209 Ländern) auf der Fifa-Weltrangliste gestartet, „haben wir das höchste Ziel erreicht, als wir uns das erste Mal und auch noch ungeschlagen für die Asienmeisterschaft qualifiziert und mit der höchsten Rangliste 111 abgeschlossen haben“, schwärmt er von dieser Zeit heute noch.
Sein Leben als Film?
Und auch seinen FCK, die Roten Teufel, und die Meisterschaft vor 30 Jahren hat er nicht vergessen. „Man wird ja nicht in jedem Jahr Meister. Schon gar nicht, wenn man nicht Bayern München heißt. Das war was ganz, ganz Besonderes“, schwärmt der frühere Innenverteidiger und erinnert sich auch an die tolle Art und Weise, wie der FCK damals Fußball spielte. Dass der Klub aus Liga drei absteigt, glaubt er nicht. „Und falls doch, gehen auch dann auf dem Betze die Lichter nicht aus.“
Seinen Geburtstag wird er am Mittwoch mit Lebensgefährtin Cristina im kleinen Kreis feiern. „Es wäre sicher schön, wenn ich das mit ganz vielen Freunden zusammen feiern könnte, aber das geht zurzeit eben nicht. Das ist schon schade“, bedauert Dooley mit Blick auf die Corona-Krise.
„Ich hatte eine traumhafte Karriere, durfte Nationalmannschaft spielen und hab’ viele andere Kulturen kennengelernt. Da sind alle Wünsche in Erfüllung gegangen“, sagt er rückblickend. Die ganzen Stationen hat der Autor von mehreren Fußball-Fachbüchern (mit Christian Titz) mal aufgeschrieben, sogar ein Film-Script verfasst. „Ob es dazu kommt, dass das tatsächlich mal verfilmt wird, weiß ich aber nicht.“ Die Zukunft lässt er locker auf sich zukommen. Klar ist nur: „Ich will mich auf den Philippinen zur Ruhe setzen. Das Wetter hier ist ideal, wir haben Traumstrände und das klarste Wasser der Welt. Es ist einfacher zu leben hier.“
