Homburg
Eva-Maria Kohl stellt ihre kunstvollen Collagen aus
„Radierung ist meine bevorzugte Technik“, sagt die 1945 „auf der Flucht“ geborene Eva-Maria Kohl, die zunächst in Bürojobs tätig war und nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg in Heidelberg Sinologie und Kunstgeschichte Südostasiens studierte und in Politische Wissenschaft Südostasiens promovierte. Dort war sie etliche Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, dann zog sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann ins Saarland, seit 2000 lebt sie im Mandelbachtal. Gemalt und gezeichnet hat sie allerdings seit ihrer Kindheit. Seit 1992 beschäftigt sie sich mit Radierungen, hat Radierkurse belegt und dann auch selbst welche erteilt. Daneben malt sie gelegentlich Acrylbilder und zeichnet mit Tusche. Dann stellt sie sich oft die Frage, wie sich Acrylbilder in Radierungen übersetzen lassen.
Ihre künstlerischen Impulse entstehen meist intuitiv, auch die handwerkliche Umsetzung fesselt Eva Maria Kohl. „Beim Radieren fasziniert mich besonders, dass jede Bildidee, auch wenn sie noch so spontan entstanden ist, in einem langwierigen komplexen Prozess umgesetzt werden muss“, erzählt Eva Maria Kohl. „Ich habe Bilder, bei denen fünf Platten übereinander kommen“, erläutert sie.
„Bevor eine Radierung fertig ist, können einige Probedrucke nötig sein, so hat sich im Lauf der Jahre eine große Menge angesammelt. Eines Tages war Aufräumen angesagt. Ich war also drauf und dran, einen Stapel zu entsorgen. Da fiel mein Blick auf den Ausschnitt eines größeren Blattes, und ich dachte: eigentlich schade. So kam ich auf die Idee, Collagen zu machen. Ist nicht Wiederverwertung das Gebot der Stunde?“
Alle Collagen in der Ausstellung „Upcycling“ sind Ausschnitte von Probedrucken oder auch Radierungen mit Motiven, die die Künstlerin einmal verworfen hat. „Upcycling III“, eine ihrer ersten Collagen, hat sie mit Texten versehen. „Schon seit Längerem habe ich immer mal wieder kleine Texte oder Verse geschrieben. Nun habe ich einigen dieser Texte eine Radierung zugeordnet. Manchmal habe ich etwas über den Inhalt oder die Entstehung der Radierung geschrieben.“
„Upcycling III“ erinnert an einen Märchencomic. Doch das in verschiedenen Techniken gestaltete Werk ist fragmentarisch, Teile scheinen zu fehlen. Die Sterne einer klaren Winternacht sind zu sehen, auch eine einsame Waldlandschaft. Dann aber kommen Lebewesen ins Spiel – ein undefinierbares Wesen, ein Vogel, Frauen in Umhängen, Hexen?
Genau das macht den Reiz dieser Collage aus und lässt sie verrätselt wirken, der Betrachter soll sich auf die Suche nach der Geschichte machen und die Leerstellen durch seine eigene Fantasie füllen. „Tiere oder Landschaften fließen oft – stilisiert – in meine Radierungen ein.“ Märchenhaft wirken viele Radierungen von Eva-Maria Kohl. „Das sind aber nicht immer die gängigen Märchen“, führt die Künstlerin aus. „Die Eule ist zum Beispiel politisch interessant. Und der Teufel wird oft als Drache dargestellt.“
Das ist für die Südostasienwissenschaftlerin besonders interessant, weil Drachen in der dortigen Kultur positiv besetzt sind. Einflüsse aus dem chinesischen und indonesischen Kulturkreis prägen „Upcycling XIV“. Eine große grüne Figur in der Bildmitte könnte ein verzweigter Baum sein, aber auch der sich reckende Kopf eines Drachen, der rechts unten im Bild als Embryo rot aus einem schwarzen Hintergrund hervortritt und so einen Kreislauf des Lebens eröffnet. Auch andere Tiere treten hier als schemenhaft angedeutete Fabelwesen in kontrastierenden Farbwelten in Erscheinung, die sich überlagern und durchdringen.
Ein angedeuteter Drache in Form einer Brücke spannt in „Upcycling XVI“ eine Brücke, die unterschiedliche Wesen und Welten in Verbindung bringt. Seine Füße sind tief in der Erde verwurzelt. Menschen und Fabelwesen treffen sich hier, wilde Natur und große weiße Paläste stehen sich gegenüber, ungewöhnliche Farben verfremden die Szenerie zusätzlich.
„Upcycling XV“ zeigt menschliche Gestalten in unterschiedlichen Erscheinungsformen in schattenhaften Welten. Einige Figuren sind klar erkennbar, andere wirken wie Schemen. Doch jede erzählt ihre eigene Geschichte. Eva-Maria Kohl hat auch eine neue Ausgabe von ausgewählten Märchen der Brüder Grimm illustriert.
Info
Eva Maria Kohl: „Upcycling“, Radierungen, Homburg-Schwarzenacker, Galerie Beck, Am Schwedenhof , 1. August bis 19. September, Öffnungszeiten; Mittwoch/Donnerstag 11-14 und 16-18 Uhr, Freitag 11-14 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06846 701190.
Vernissage: Freitag, 1. August, 18 Uhr, im Beisein der Künstlerin