Der Sepp vom Hallplatz
„Es Schennschde am Schliedefahre war de Backowe“
„Weeschde noch: Gleich wammer in die Schwewel-Kerch erinn komm is, had uff de rechde Seid der große Owe geschdann un der had im Winder gebullerd! War dess noch de alde Sähmehl-Owe vunn de Schreinerei?“ Der aktuelle RHEINPFALZ-Artikel zur künftigen Raumtemperatur in den Kirchen bei Gottesdiensten der Protestanten und Katholiken hat die beiden Alten aufs Thema gebracht. Gemeinsam gehörten sie zum letzten Jahrgang der „nohm Kriech“ in der Schwebel-Kirche, eine Not-Kirche in einer früheren Schreinerei, konfirmiert wurde.
Die nächsten Konfirmanden gab es dann in der wieder aufgebauten Alexanderkirche. Sie wurde modern geheizt, kein Ofen mehr. Das „Holz“ war Jahr für Jahr ein Thema, wie jetzt wieder: Wo kann Brennmaterial ersteigert (dazu wurden die Arbeitskollegen bei Vaters Arbeitgeber, „em Rothe Jakob“, immer wieder befragt), vor allem aber, was kostet es, wer kann einen Bulldog „organisieren“, muss beim Fällen mitgeholfen werden? Und überhaupt: Hat der Mann mit der Säge, „der vum Fasnariebersch“, auch Zeit, das Holz zu zerkleinern? Kohlen und (möglichst wenige) Brikett wurden beim vertrauten Händler bestellt); „Beim Bettinger oder Schedlbauer, beim Benoit odder me annere“. Der „Brand“ für die kalte Jahreszeit wurde mit Blick auf den Familienetat besprochen wie heute wieder. Meist ging die Hälfte des ausbezahlten Urlaubsgeldes drauf. „Langd die anner Hälfd noch fa die Grumbeere?“, war Jahr für Jahr die bange Frage dabei.
Gern hätte sie ihre Deputat-Kohle spendiert
Das war in der Zeit, als die Onkels, die in den saarländischen Gruben arbeiteten, auf der Grube König oder Jägersfreude lange Zeit, wenn sie nach Schichtende durch die Zollunterführung im Zweibrücker Bahnhof gingen, noch ein „Mutterklötzchen“ in ihren Rucksäcken hatten: Ein mit der Handfläche gemessenes Holzklötzchen vom Grubenstempel unter Tag. „Geduldet“ war die Mitnahme für zu Hause, nicht erlaubt! „Fa Feier-Anzemache gebbs nix besseres!“, wusste man auch bei den Zweibrücker Bergleuten. Wie gerne hätte „die Mutt“, die Oma aus Limbach, einen Teil ihrer Deputat-Kohle, die sie als Bergmannswitwe bis ans Lebensende bekam, den Zweibrückern spendiert. Aber wie den Zoll überwinden? Debatten gab es viele, aber die richtige Idee zum Ausführen war nicht dabei.
Kohle war auch ein Thema, wenn die Oma zu Besuch kam: Immer wieder musste ihr der Filius in seinem Knaurs-Atlas die Stelle zeigen, in der stand, dass die Franzosen sich fünfzig Jahre lang mit Kohlen von der Saar versorgen konnten. Die Oma hätte viel lieber ihre Pfalz-Enkel versorgt mit der kostenlosen Kohle. Den Heizplan für die Familie stellte nicht die Regierung wie heute auf, sondern die Mutter: „Es langd, wann in de Kich Feier is!“ So blieben die Schlafzimmer kalt, die Betten wurden mit gewärmtem Backstein oder der Bettflasche auf Kuscheltemperatur gebracht.
Owends middem Babbe
Bei ihrer Erinnerung an die tolle Wärmequelle in der Schwebel-Kirche waren die Jugendfreunde sich einig, dass das Schönste am Schlittenfahren in der Tschifflicker Dell („Owends middem Babbe!“) der Küchenherd zu Hause war: Mit eisigen Füssen und feuchten Strümpfen ankommen und dann die Beine in den Backofen des Herdes zu strecken – einfach wunderbar! Auch wenn es die gehassten Leib- und Seel-Hosen nicht mehr gibt – warme Strümpfe waren stets begehrt.
Dass am 1. Adventssamstag der Ökumenische Mädels-Treff Contwig einen Socken-Basar veranstaltet (selbstgestrickt natürlich!) macht deutlich: Zieht euch warm an, lautet das aktuelle Motto. Und das nicht nur für den Kirchgang an Weihnachten …