In eigener Sache
Es lebe der Sport!
Kennen Sie das Lied „Es lebe der Sport“ von Rainhard Fendrich aus dem Jahr 1983? Da macht sich der österreichische Liedermacher eher lustig über den Sport, die Sportler und das ganze Drumherum. Weil Sporttreibende in den meisten Fällen aber viel Humor haben, wird die Titelzeile des Songs dennoch ganz gerne mal als Spruch zitiert, der anzeigt, wie sehr man die körperliche Bewegung eigentlich mag.
In diesem Corona-Jahr hat der Sport aber nur in Teilen gelebt, in Zweibrücken war das nicht anders als auf der übrigen Welt. In Abwandlung von Fendrich und meiner Arbeit in der Zeit seit Mitte März müsste ich daher eher texten:
und wird nicht richtig froh.
Weil er kaum noch aufn Platz rauskommt
und sportlich in der Stadt nichts mehr brummt.“
Bis im März die Pandemie auch in Deutschland ankam, war es noch ein normales Sportjahr in der bunten Sportstadt Zweibrücken. Mit Eishockey, Fußball, einem Handball-Stadtderby vor 1200 Fans in der Zweibrücker Westpfalzhalle und vielem mehr. Dann kam Corona.
Von jetzt auf gleich war Stillstand im Sport. Plötzlich waren persönliche Kontakte zu anderen Menschen – und Sportlern – nur noch sehr schwer möglich. Das Telefon war nur ein unzureichender Ersatz. Für die Arbeit zwar gut, aber nicht für das echte Miteinander. Auf der anderen Seite hatten wir, weil das „normale Programm“ wegfiel, auf einmal deutlich mehr Geschichten über die Menschen hinter den Sportlern in der Zeitung. Und über Sportarten und Ideen, die sonst eher ein Schattendasein in Nischen führen. Auch über ständig erneuerte Verordnungen in jedweder Form, und was sie für die Sporttreibenden jeweils bedeuten, habe ich 2020 deutlich mehr berichten müssen als in all den Jahren zuvor.
Kleine Inseln des Lichts in Sachen Sport gab es dann im Sommer: zum Beispiel ein Meeting des LAZ Zweibrücken im Westpfalzstadion und ein Weltcup-Turnier von Jugendgolfern auf dem Hitscherhof in Rieschweiler-Mühlbach. Insgesamt fehlten aber die Vielfalt der Sportarten in Zweibrücken, die Fans, die Emotionen.
Und fand doch mal Sport statt, trieben die Umstände zum Teil seltsame, corona-bedingt aber verständliche Blüten. Seit Herbst gehöre ich zum RHEINPFALZ-Team für die Berichterstattung über Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen. Erst noch mit wenigen, dann ganz ohne Zuschauer, bei Geisterspielen. Mit Mund-Nasen-Abdeckung, die einem regelmäßig die Brille beschlagen lässt, was das Beobachten des Spielfeldes nachhaltig erschwert. Und nach dem Spiel kamen wir Redakteure auf der Suche nach Stimmen nicht immer an die Spieler heran. Da musste man schon mal per Whatsapp bei den Eulen-Verantwortlichen anfragen, die dann die gewünschten Sprachnachrichten der Spieler zurückschickten.
Auf dem Nachhauseweg stand ich zudem in Ludwigshafen des Nachts nach einem Spiel nahe der BASF einmal vor einer Straßensperre, an der Polizisten kontrollierten, ob ich berechtigt war, mich nach der städtischen Ausgangssperre noch draußen herumzutreiben. War ich, ich hatte die Bestätigung meines Arbeitgebers dabei und durfte weiterfahren. Und irgendwie war das alles immer noch besser als gar kein Sport.
Weil im Sportjahr 2020 so viele Sporttermine ausgefallen sind wie noch nie, wird es am Ende dieses Jahres auch keine 31. RHEINPFALZ-Sportlerwahl der Redaktion Zweibrücken geben. Ich finde einfach, es wäre unfair, eine Kandidaten-Liste aufzustellen, weil manche Sportarten Termine oder Ereignisse über die Bühne bringen konnten, andere ohne ihr Verschulden aber nicht.
Keine Frage, es wird noch dauern, bis im Sport wieder so was wie Normalität eintritt, Training für Kinder und Erwachsene möglich ist und das Wettkampfgeschehen wieder seinen Betrieb aufnimmt. Halten wir durch und freuen uns umso mehr darauf, wenn’s wieder losgeht. Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, die Sportler wieder auf ihren Plätzen und in ihren Hallen zu treffen.
In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund. Es lebe der Sport!