Zweibrücken
Erziehungspersonal am Limit: Müssen Kitas früher schließen?
Zu wenig Personal, immer mehr Aufgaben und Vorgaben: Die Erzieherinnen und Erzieher in den städtischen Kitas arbeiten am Limit. Das geht aus dem neuen Kindertagesstätten-Bedarfsplan hervor. Darin heißt es: „Das beherrschende Thema im Bereich der Kindertagesstätten ist weiterhin der Fachkräftemangel und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Kita-Alltag. Der Bedarf an pädagogischem Personal in Kindertageseinrichtungen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.“ Zugleich werden immer mehr Kinder betreut: 2014 waren es in Zweibrücken noch 1323, vergangenes Jahr 1501.
Es gibt mehrere Gründe für die Personal-Krise in den Kitas: Wegen des demografischen Wandels gehen mehr Mitarbeiter in Rente als neue nachrücken. Zudem gilt inzwischen das neue Kindertagesstättengesetz, das weitaus höhere Anforderungen bringt. Und die Aussichten sind nicht gerade vielversprechend: „Alle Prognosen gehen davon aus, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch verschärfen wird, da die Bedarfe weiter steigen und ab 2026 ein Recht auf ganztätige Betreuung für Grundschulkinder in Kraft tritt“, so der Wortlaut im Kita-Bedarfsplan. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll ab dem kommenden Jahr eine Lücke geschlossen werden, die nach der Kita-Zeit entstehen kann.
Höherer Krankenstand als in anderen Berufen
Aktuell arbeite das Personal zwar engagiert, wegen der hohen Belastung gebe es allerdings einen hohen Krankenstand. Zudem seien viele Erzieherinnen und Erzieher mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden. Laut Kita-Bedarfsplan sind sie im landesweiten Schnitt rund 30 Tage im Jahr krankgeschrieben. In anderen Berufen beträgt der Durchschnitt 21 Tage. „Seit der Corona-Pandemie ist ein starker Anstieg an Ausfällen zu verzeichnen, die auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen sind. Damit bewegt sich die psychische Belastung auf einem Niveau, das deutlich über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen liegt“, so der Bericht. Im vergangenen Jahr waren psychische Erkrankungen der zweithäufigste Grund für einen Krankenschein im Erziehungswesen. „Nur Atemwegsinfekte verursachen noch mehr Fehltage.“
Die Stadt will die Situation in den Kitas und für das Personal verbessern – weiß aber, dass zeitgleich der Bedarf an Betreuungsplätzen steigen wird. Eine Zwickmühle: Gibt es nicht mehr Personal, sind der Verwaltung weitgehend die Hände gebunden. Es gibt Maßnahmen, die auch ohne zusätzliches Personal passieren können – die seien aber höchstens eine Notlösung und auch nicht zum Wohle aller. Aktuell könne, zumindest kurzfristig, eine Reduzierung der Öffnungszeiten das Personal entlasten.
Frühere Schließzeiten und fünf Springerstellen
Im vergangenen Jahr wurden dazu die städtischen Einrichtungen zur Auslastung in den Randzeiten befragt. Ergebnis: In sechs Kindergärten wurden die Zeiten der Ganztagsbetreuung dem Bedarf angepasst: Statt wie zuvor um 17 Uhr machen fünf Kitas schon um 16.30 Uhr, eine sogar schon um 16 Uhr zu. Wegen des hohen Krankenstandes wurden zudem fünf Springerstellen in den Stellenplan fürs laufende Jahr aufgenommen. Die Springer sollen je nach Krankenstand in den betroffenen Einrichtungen kurzfristig aushelfen.