Zweibrücken Erinnerungsort soll Totenruhe am jüdischen Friedhof nicht stören
Vor zwei Wochen hatte Sebastian Klimo bei einem Vortrag in der Karlskirche öffentlich berichtet, wie der alte jüdische Friedhof bei Bubenhausen seinen Charakter als würdiger Ort des Gedenkens zurückbekommen soll. Seither, so der Zweibrücker Denkmalschutzbeauftragte, hätten ihn „zwei Dutzend Bürger angerufen, die mithelfen wollen“. Vor dem städtischen Bau- und Umweltausschuss sagte Klimo am Dienstagabend, dass auch einige muslimische Zweibrücker versprochen hätten, das zugewachsene, verwilderte Gelände unterhalb des Beckerswäldchens vom Gestrüpp zu befreien und bei der Umgestaltung Hand anzulegen. „Dem UBZ sind wir dafür dankbar, dass er dort neulich mal drübergemäht und ein bisschen saubergemacht hat“, ergänzte Klimo.
Im Frühjahr, spätestens im Sommer 2025 sollen die Arbeiten am alten jüdischen Friedhof beginnen, auf dem von 1821 bis 1870 Begräbnisse stattfanden und der während der Nazi-Diktatur bis zur Unkenntlichkeit verwüstet wurde. 1992 wurde das 850 Quadratmeter kleine Areal auf maßgebliche Initiative des Presbyters Otto Mörz zum Ort des Gedenkens erklärt. Mörz war es auch, der einen Gedenkstein mit der Aufschrift „Mögen die hier Bestatteten für alle Zeiten ungestört ruhen“ stiftete.
Behutsamer, bescheidener Ausbau
Jenem Gedenkstein soll bei der Neugestaltung eine zentrale Rolle zukommen. „Im Moment steht er unzugänglich unter Gestrüpp im hinteren Teil des Geländes“, sagt Klimo. „Wir wollen ihn gut sichtbar nach vorne holen. Zur Ergänzung wird eine Infotafel mit QR-Code aufgestellt.“
Beim Ausbau der Gedenkstätte wolle man behutsam und bescheiden vorgehen. Vor dem Bauausschuss erklärte der Denkmalschützer, dass ein „kleiner Platz mit wassergebundenen Gehwegen und einem einzeln stehenden Baum“ geplant sei – und zwar vorne zur Straße hin, während der dahinter liegende, zugewachsene eigentliche Begräbnisort nicht angetastet werden soll. „Dort gibt es heute ja keine Grabsteine mehr. Deshalb wissen wir auch nicht, wo genau sich die Gräber früher befunden haben.“ Aus Respekt vor der Totenruhe der hier einst bestatteten Mitbürger werde der kleine Gedenkplatz also um einige Meter von der eigentlichen Begräbnisstätte weg versetzt.
Keine großen Ausgaben nötig
Sebastian Klimo glaubt nicht, dass größere Investitionen nötig sind. „Die Infotafel wird vom Historischen Verein gesponsert, und der UBZ stiftet zwei Sitzbänke. Die Jüdische Kultusgemeinde hat ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem inzwischen immerhin eine mittlere dreistellige Summe eingegangen ist. Die freiwilligen Helfer wollen beim Anlegen der Wege mitarbeiten.“ So würden vom anfangs veranschlagten Kostenaufwand von knapp 10.000 Euro wohl weniger als 4000 Euro übrig bleiben. „Weil aber auch mehrere Firmen versprochen haben, sich zu beteiligen, gehe ich davon aus, dass auch dieser Restbetrag sich am Ende dank Spenden und privaten Arbeitsleistungen auf Null reduzieren wird.“