Zweibrücken
„Kleine Oase“ auf altem jüdischen Friedhof geplant
Der alte jüdische Friedhof Bubenhausen solle „angemessen revitalisiert werden“, sagt Sebastian Klimo, Denkmalschutzbeauftragter der Stadt Zweibrücken. Er habe „eine wichtige historische und kulturelle Bedeutung“. Derzeit fehlten Wege und Informationen. Er sei „nicht erkennbar“. Der 1992 von Otto Mörz gespendete Gedenkstein sei so versteckt, dass man ihn vom Weg aus nicht sehe.
Das soll sich laut Klimo ändern: Der Gedenkstein soll in den vorderen Bereich des Friedhofs geholt werden, damit er wahrgenommen wird. Außerdem sollen zwei Sitzbänke und eine Infotafel mit QR-Code aufgestellt werden. Ein Baum, der Schatten spendet, soll das Ganze ergänzen. Klimo sagt: „Es wird eine kleine Oase geschaffen.“ Das hintere, von Gestrüpp überwucherte Friedhofsgelände soll unangetastet bleiben.
Finanzierung der Pflege noch unklar
Angelegt wurde der Friedhof Klimo zufolge 1821 auf einer Fläche von rund 850 Quadratmetern. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Schändung, als auf einem Teil des Areals rund 50 Kriegstote, zumeist Zwangsarbeiter, auf den jüdischen Gräbern beigesetzt wurden. 1992 ließ Otto Mörz, damals Presbyter der protestantischen Kirchengemeinde Ernstweiler-Bubenhausen, den Gedenkstein mit der Aufschrift „Mögen die hier Bestatteten für alle Zeiten ungestört ruhen“ aufstellen.
Dieser Stein soll an einem sichtbaren Ort ein „zentrales Element der Gedenkstätte werden“, erklärt Klimo. Bei der Gestaltung des Platzes werde auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Kosten beziffert Klimo, je nach Ausgestaltung, auf 5000 bis 10.000 Euro. Finanziert werden soll das Projekt über Spenden. Wer die Folgekosten für die Pflege trage, sei noch nicht geklärt.
Beauftragter kannte Friedhof nicht
Zugänglich ist der Friedhof zu Fuß über einen steilen, gepflasterten Weg von der Straße Am Ölkorb aus oder über das Neubaugebiet Beckerswäldchen. In unmittelbarer Nähe steht ein Sendeturm. Dort waren bis in die 1970er Jahre Grabsteine zu sehen. Heute ist das Gelände zugewuchert. Was aus den Grabsteinen wurde, ob sie versanken oder anderweitig verwendet wurden, ist nicht geklärt. Der Denkmalschutzbeauftragte bittet um Hinweise.
Zu der Veranstaltung in der Karlskirche eingeladen hatte Eberhard Dittus, Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz zur Erhaltung jüdischer Friedhöfe in der Pfalz. Er kennt alle 80 jüdischen Friedhöfe in der Region und besucht sie regelmäßig. Der Friedhof in Bubenhausen war ihm bis dato unbekannt. Ein Zweibrücker hatte ihn darauf aufmerksam gemacht.
Grabschmuck ist meist tabu
Dittus erläuterte Unterschiede zwischen christlicher und jüdischer Bestattungskultur: Männer müssen auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung tragen. Sie ist in der jüdischen Tradition eine Schutzschicht zwischen Mensch und Gott. Jüdische Friedhöfe sind umzäunt oder mit einer Mauer abgegrenzt und in der Regel abgeschlossen, damit die Toten – im Judentum Schlafende – ungestört ruhen können. Die Gräber sind gen Jerusalem ausgerichtet, weil der Messias von dort kommt. Jüdische Friedhöfe sind auf ewig angelegt. Auf den Grabsteinen finden sich aus Platzmangel häufig Abkürzungen, hebräische Buchstaben, die für ganze Sätze stehen. Oft werden nicht nur die Namen der Verstorbenen, sondern auch die der Eltern aufgeführt. Beerdigt werden sie in ein Tuch gewickelt und – in Deutschland – in einem Sarg innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod.
Auf den Gräbern abgelegte Steine gehen auf die 40 Jahre zurück, die das israelische Volk in der Wüste verbrachte. Die Menschen mussten im Sand beerdigt werden. Zu ihrem Schutz wurde das Grab mit Steinen bedeckt. Blumen und Grabschmuck sind in der Regel tabu. Auf dem Weg zum Grab wird siebenmal innegehalten, um an die Schöpfungstage zu erinnern. Das Grab ist die siebte Station. Die Beerdigungsgesellschaft schaufelt das Grab selbst zu.
Info
Wer Fotos vom alten jüdischen Friedhof Zweibrücken-Bubenhausen und/oder Informationen/Dokumente über diesen hat, kann sich an Sebastian Klimo, Denkmalschutzbeauftragter der Stadt Zweibrücken, wenden: Telefon 06332 871645, E-Mail sebastian.klimo@zweibruecken.de.
Spendenkonto
Zur Erhaltung des alten jüdischen Friedhofs Zweibrücken-Bubenhausen: DE91 3506 0190 1200 1540 50, Bank für Kirche und Diakonie eG, Empfänger ist das Dekanat Zweibrücken. Kennwort: Spende jüdischer Friedhof.