Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen eines Lehrers: Unterhaltsame Lesung mit Klaus Gröschel

Klaus Gröschel hat in Contwig aus „Prüfungen und andere Verhängnisse“ gelesen.
Klaus Gröschel hat in Contwig aus »Prüfungen und andere Verhängnisse« gelesen.

Zum Schluss verriet er, warum er als Lehrer vor spickenden Schülern ein bisschen Hochachtung hatte: Klaus Gröschel las am Mittwoch dort, wo für ihn der Schulalltag begann: in Contwig. Er erzählte auch davon, wie ihn einst ein Staatsanwalt in die Schranken wies.

Ja, man hätte ihn schon gern als Lehrer gehabt. Denn mit seiner witzigen und menschlichen Art weiß er die Leute zu begeistern. Dieser Charme schimmert auch in seinem autobiografischen Roman „Prüfungen und andere Verhängnisse“ durch die Seiten.

Die 90-minütige Lesung im Pfarrsaal St. Laurentius macht vieles deutlich: Sie zeigt Kontraste zwischen der heutigen Schulzeit und der in den 1960er Jahren und führt einem mannigfaltige gesellschaftliche Veränderungen vor Augen. So ließ Klaus Gröschel, als er mit 23 Jahren als studentischer Vertretungslehrer mit seiner „Aufreißerkiste“ von Auto, einem Ford Taunus 12M, anfing, einen Aufsatz über die Emanzipation der Frau schreiben. Damals war das Thema noch so neu, dass es viel Stoff hergab.

Ein Lehrer mit Leib und Seele

Eine Schülerin beglückte die Klasse und den früher genannten „Schulmeister“, wie aus einem mitgebrachten Schreibheft von Gröschel aus der zweiten Klasse hervorgeht, mit einem qualitativ leider nicht so hochwertigen Aufsatz über jene Emanzipation. Die Schülerin, eine Anwärterin zur Krankenschwester, wollte, wenn das Ganze auch nicht bewertet wurde, eine geschätzte Note wissen. Gröschel: „Eine Drei minus bis Vier plus.“ Daraufhin hatte der junge Lehrer ein Gespräch mit dem Schulleiter der Schule – übrigens der Berufsbildenden Schule Zweibrücken. Er fragte ihn, ob er seinen Schülern zum Aufsatzthema denn keine Literatur an die Hand gegeben habe. Der Grund: Der Direktor hatte ein langes Gespräch mit einem Generalstaatsanwalt. Dieser hatte nämlich mit der Schwesternschülerin an seinem Krankenbett den Aufsatz ausgearbeitet „und sein ganzes Wissen einfließen lassen“, liest Gröschel. Die Gebildeten sind eben auch nur Menschen.

Seine Erlebnisse ziehen sich wie Perlen durch die Lesung. Er erzählt viel selbst („das ist dann kürzer, als wenn ich das vorlese“), liest aber auch viel. Er bricht, wahrscheinlich ohne es gezielt darauf anzulegen, eine Lanze für den Lehrerberuf. Denn der Contwiger, das spürt man, mochte seinen Beruf sehr.

Süffisanz, Lebendigkeit und Liebe zum Detail

Seine menschliche Art des Unterrichtens wird nicht selten von eigenen Lausbubengeschichten gekrönt: So zum Beispiel kam er mal vom Contwiger Freibad zu spät zum Unterricht der Abendschule und musste diesen mit einer Bierfahne improvisieren. Natürlich bemerkten ein paar Schüler das Quäntchen Alkohol.

Wenn er bei den ersten Kapiteln seiner eigenen Schullaufbahn verweilt, wird der harsche Kontrast zu heute deutlich. Und man denkt: Heutzutage hat man es wirklich gut. In den 1960er Jahren legten einen die Lehrer übers Knie oder schlugen zu. Gröschel drückt das in seiner herrlich metaphorischen Sprache so aus: „In bunter Kalligraphie hinterließen Handwerker ihre Meisterzeichnungen.“ Oft muss man schmunzeln über die geistreich-skurrilen Schilderungen, die Gröschel da kredenzt. Obwohl sich so einige Geschichten aneinanderreihen, ist die Lesung nie langatmig. Das liegt auch an der Art des pensionierten Lehrers, die Dinge mit viel Süffisanz, Lebendigkeit, aber auch Detailverliebtheit zu transportieren.

Das Runterschreiben geht recht schnell

Und wie lange hat er gebraucht, um die Worte auf die Buchseiten zu transportieren? „Das Runterschreiben geht schnell“, erzählt er der RHEINPFALZ. Dafür brauche er nur ein paar Monate. Das Überarbeiten nehme aber viel Zeit in Anspruch – so habe er bei diesem Buch, seinem zweiten, ein ganzes Drittel rausgekürzt. „Aus juristischen Gründen, da steht viel von meiner Beamtenzeit drin.“

Aber auch ohne dieses Drittel schafft Klaus Gröschel es in der Lesung, seinen Zuhörern, obwohl es bei dem heißen Sommerwetter gerade mal 15 sind, einen bunten Strauß an Lehrererinnerungen zu bieten.

„Wer so gut spicken kann, dass ich’s nicht merke ...“

Und wie ist das jetzt mit dem Spicken? „Ich könnte einen ganzen Ratgeber darüber schreiben“, meint Gröschel. Und aus Lehrersicht? „Man freut sich irgendwo auch über die Kreativität der Schüler. Wer so gut spicken kann, dass ich’s nicht merke, der hat irgendwie auch eine bessere Note verdient.“

x