Fussball
Erik Durm ist nach langer Durststrecke endlich in Frankfurt angekommen
In der 37. Minute des Bundesliga-Spiels von Eintracht Frankfurt beim FC Augsburg am 19. Dezember wäre es fast so weit gewesen, und Erik Durm hätte sein erstes Tor für seinen Verein Frankfurt erzielt, für den er seit Juli 2019 aufläuft. Das hätte irgendwie gepasst, denn Durm trägt seine alte Rückennummer „37“ aus Dortmunder Zeiten als Tattoo auf seinem rechten Unterarm. Die „37“ hatte er für das eine Jahr auch nach England zum Premier-League-Klub Huddersfield Town mitgenommen. Beim Spiel in Augsburg hatte aber letztlich der Pfosten noch was gegen Durms Wunsch.
Der 2:0-Sieg in Augsburg, bei dem Durm 90 Minuten durchgespielt hatte, markierte vor der diesmal sehr kurzen Pause über Weihnachten das vorläufige Ende einer tollen Phase für den Profi-Fußballer, der in Pirmasens geboren wurde und in Rieschweiler-Mühlbach aufgewachsen und fußballerisch groß geworden ist. Wenn’s nach ihm gegangen wäre, hätte das sicher grad so weitergehen können. Die Frankfurter waren bei der Unterbrechung nach 13 Spieltagen Tabellenneunter, sind mit acht Unentschieden bei zwei Siegen bisher die Remis-Könige der Bundesliga.
Tolle Phase ab November
Nach einer langen Pause von sieben Spielen seit Saisonbeginn, in denen er nicht zum Kader gehörte, durfte Erik Durm erstmals im Heimspiel am 21. November gegen Rasenballsport Leipzig wieder ran. „Da haben wir gleich einen Punkt geholt. Das hat mich natürlich gefreut. Ich habe es einfach genossen, mit den Kollegen zusammen zu kicken“, sagt Durm. Danach folgten noch fünf weitere Spiele in der Startelf – unter anderem in den Heimspielen beim 1:1 gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund und beim 3:3 gegen Mönchengladbach.
„Puh, ich weiß nicht“, sagt er auf die Frage, was er denn davor geändert habe. „Ich habe im Training einfach weiter Gas gegeben und weiter an mir gearbeitet“, sagt der 28-Jährige. „Gott sei Dank hat mich unser Trainer nicht fallen lassen“, stellt er fest. Sein Coach Adi Hütter habe in einer Pressekonferenz gesagt, dass er sehr, sehr gut trainiert habe; seine jüngsten Einsätze sieht Durm als Belohnung dessen an. Jetzt sei er körperlich gut drauf, „mir geht’s gut“.
Dabei hatte er sich nach seinem Wechsel im Sommer 2019 von Huddersfield Town (45 Minuten nordöstlich von Manchester) aus der englischen Premier-League zurück in die Bundesliga bei der Eintracht zunächst schwer getan, war in der folgenden Spielzeit nur siebenmal zum Einsatz gekommen. „Klar, nicht zu spielen, ist nie schön“, gibt er zu. „Ich bin aber keiner, der sich beschwert. Und solche Passagen gehören zu einer Karriere dazu“, findet Durm.
Anderer Spielstil in Frankfurt
Durm sieht seine Startschwierigkeiten und die Durststrecke vor allem im anderen Spielstil der Frankfurter begründet. „Das war eine klare Umstellung zu Huddersfield. Hier jagen wir viel mehr den Ball, sprinten viel und pressen an“, verdeutlicht er. In Huddersfield sei dagegen erstmal Wert darauf gelegt worden, tief zu stehen. „Da habe ich einfach Zeit gebraucht, mein Spiel dem anzupassen“, weiß der Weltmeister von 2014.
Die kurze Pause über Weihnachten hat er mit der Familie genossen, auch wenn komplett Abschalten in einer so kurzen Zeitspanne immer schwierig sei. Ein bisschen gefeiert wurde im allerengsten Familienkreis in Rodalben, erzählt der heimatverbundene Durm. „Wir waren wegen Corona vorsichtig“, sagt er, hatte sich dennoch riesig gefreut auf das zweite Weihnachtsfest mit seiner 17 Monate alten Tochter. „Sie hat das jetzt zum ersten Mal richtig mitbekommen, mit dem Geschenke auspacken und allem Drumherum“, meint er schmunzelnd.
Mit seiner Frau und Tochter wohnt Durm inzwischen in Langen, eine Viertelstunde südlich von Frankfurt, wo es am 27. Dezember bei der Eintracht schon wieder mit dem Training weiterging. „Pendeln aus der Pfalz nach Frankfurt hat für mich keinen Sinn gemacht. Dazu bin ich auch zu umweltbewusst veranlagt“, unterstreicht er. Außerdem brauche er seine Familie um sich, „ohne die könnte ich dauerhaft nirgendwo sein“. Im kommenden Jahr soll die Tochter eigentlich in die Kita gehen. „Aber mal sehen, wie wohl wir uns mit dem Gedanken wegen Corona dann fühlen“, verdeutlicht Durm, dass ihn Sorgen und Gedanken umtreiben wie viele andere Eltern auch.
Zwei Corona-Tests pro Woche
Als er 2019 zurückkehrte nach Deutschland, war Corona noch ein Fremdwort. „Jetzt werden wir zweimal pro Woche getestet. Das stört mich aber nicht, weil wir ja das Privileg haben, in der jetzigen Zeit weiter Fußball spielen zu dürfen.“ Er will vorsichtig bleiben, damit er seiner Leidenschaft auch weiter nachgehen kann. Die Fans im Stadion vermisst er indes sehr. Den zweiten Lockdown habe sich keiner gewünscht, „aber da müssen wir jetzt durch, bis es durch die Impfungen wieder besser wird und langsam zur Normalität kommt“.
Bei der Eintracht hat der rechte Verteidiger einen Vertrag bis 2023, „und ich bin jemand, der in der Regel versucht, Verträge auch zu erfüllen“. Fehlt nur noch sein erstes Tor für Frankfurt: „Gegen Augsburg war’s ja knapp. Das ist mir nicht so wichtig, ich freue mich, wenn die Mannschaft gut spielt. Aber natürlich wäre es schön, wenn’s mal klappt.“ Vielleicht sollte er im Knaller-Spiel zum Jahresauftakt am Samstag zu Hause gegen den Tabellenzweiten Bayer 04 Leverkusen oder eine Woche später beim FSV Mainz 05 mal versuchen, die 25. Minute für einen Torschuss anzupeilen. Das ist nämlich seine neue Nummer bei der Eintracht.