Hornbach
Ensemble Labyrinthus bringt ungewöhnliche Melodien mit
Das Fabianstift des Hornbacher Klosters ist an diesem Freitagabend Schau- oder besser Klangplatz ungewöhnlicher Melodien. Das fünfköpfige Ensemble aus Moskau bringt die Lieder, die am zypriotischen Hof komponiert wurden, in einer hingebungsvollen Art zu den Zuhörern.
Die geistlichen Stücke thematisieren Gott und die Liebe. Sie flehen, bitten und hoffen, träumen und weinen. Und diese Gefühle tragen die drei Sängerinnen allesamt in sich. Und genau deshalb findet man als Zuhörer dieser anfänglich fremdartigen Musik relativ schnell einen Zugang zum Konzert.
Die Kompositionen wurden in einer im heutigen Turin aufbewahrten wertvollen Handschrift festgehalten. Welch eine Bereicherung für die Zuhörer, dass sie nicht, wie so viele frühe Werke, verlorengingen.
Protagonisten der eigenen Lieder
Anastasia Bondareva, Ekaterina Liberova und Karin Weston sind in ihrer Gesangkunst wie drei Zahnräder: Sie greifen ineinander, ergänzen und komplettieren sich. So wie bei „La belle et la gente rose“. Die Ballade erbebt förmlich vor Leidenschaft. Und das sieht man auch: Die Musik geht durch die Körper der Sängerinnen. Sie wiegen sich, ihre Hände sind immer in fließender Bewegung, sie singen manchmal sogar mit geschlossenen Augen. Sie werden quasi zum Teil der Lieder – oder eben zu ihren Protagonistinnen.
Der Gesang der einen wird wiederum von der Stimme ihrer Gesangspartnerin verwirbelt. Manchmal schmiegen sich alle drei Stimmen aneinander, ehe sie wieder auseinanderdriften.
Michael Eberle an der Fidel und der künstlerische Ensembleleiter Danil Ryabchikov an der Quinterne, einer „Halbschwester“ der Laute, schaffen bei einigen Stücken keine Begleitung, wie man sie vermutlich kennt. Nur ab und zu sind es ein paar Töne, die sich zwar wunderbar ins klangliche Geflecht einfügen, aber doch seltsam losgelöst wirken.
Bereits fünf Alben aufgenommen
Das Ensemble gründete sich 2010 aus Musikern, die alle schon langjährige Erfahrung mit mittelalterlicher Musik hatten. In den zwölf Jahren seines Bestehens hat das Quintett fünf Alben aufgenommen. Diese Musik muss ein Lebensgefühl sein. Sonst könnten die Gruppe sie wohl nicht so authentisch rüberbringen.
Bei „Magni patris magna mira“ singen die drei Sängerinnen teilweise dieselben Passagen – dann wiederum fächert sich ihr Triogesang auf wie ein Fluss, der in verschiedene Bäche mündet. Das Klangbild wirkt in vielen Liedern für das in dieser Stilrichtung ungeübte Ohr gleichförmig, sanft fließend und behutsam.
Ein Labyrinth der Klänge
Manche Lieder brechen aber aus der im Mittelalter herrschenden Ordnung aus. „Sanctus“, ein Lobgesang auf Gott, ist sehr melodisch und gespeist von Harmonie. „Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen, Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit“, wird hier gesungen. Glücklicherweise liegt dem Programmheft eine deutsche Übersetzung bei. Das hilft zum Teil sehr, die verschiedenen Atmosphären und Stimmungen besser fassen zu können.
Manchmal sind die in sich verschlungenen, oft sirrenden und summenden Gesänge aber auch nicht recht fassbar. Man ist als Zuhörer zuweilen noch auf der Suche. Auf der Suche nach der Harmonie, nach der letzten Abrundung, nach letzter Vollkommenheit. Es ist, getreu ihrem Namen, tatsächlich ein Labyrinth der Klänge. Wenn man sich aus diesem aber herausmanövriert hat, dann kommt man in den Genuss der puren Harmonie.
„Hier ist es wirklich warm“
Das Ensemble verriet der RHEINPFALZ nach dem Konzert, dass es vor seinem Auftritt in Hornbach in Basel war. Und am Samstag ging es für die Musiker schon wieder in die Heimat, ins kalte Russland. „Hier ist es wirklich warm“, meinte ein Ensemblemitglied am Freitag. Und das bei zehn Grad am Abend.