Zweibrücken Eiszeit: Wie Zweibrücker mit der Kälte umgehen
Seit dem sonnig-warmen Aschermittwoch sind viele Zweibrücker schon auf Frühling eingestellt. Doch derzeit sind die Temperaturen eisig, und sie bleiben es wohl bis Freitagmittag. Was tun die Menschen in Stadt und Land bei der Kälte? Die RHEINPFALZ hat sich umgehört.
„Es ist doch Winter. Und da ist es kalt“, quittiert Dorothea Mauß die Frage, ob ihr die Kälte derzeit viel ausmacht. Seit zehn Uhr am Morgen legt die 86-Jährige in einem Holzhäuschen zwischen Alexanders- und Schlossplatz Stadtwürste auf. Sie macht das schon seit zehn Jahren und hat dabei schon andere kalte Tage erlebt. Mit gleich zwei langen Hosen, zwei Pullovern, davon einer mit Rollkragen, einer Jacke, gut gefütterten Stiefeln und Handschuhen fühlt sie sich gut gerüstet für ihre fünfstündige Schicht. „Die Hände werden vermutlich doch ein wenig kalt. Aber, es ist ja Winter“, sagt sie noch einmal und wundert sich über die Aufregung der Leute, die über die Kälte jammern.
Minus acht Grad auf Sickinger Höhe
Es war allerdings wirklich kein Vergnügen, am Dienstagmorgen aufzustehen. Denn vor allem auf der Sickinger Höhe schüttelte Frau Holle bei minus acht Grad auch noch ihre Kissen aus. Dabei hinterließ sie auf Straßen und Gehwegen eine dünne Schneespur. Immerhin war das pulvrige Weiß schnell von den Autofenstern gewischt. Und wer zu faul war, die Motorhaube zu reinigen, konnte ein weißes Wunder erleben. Im ersten schnelleren Fahrtwind wurde von dort ein kleiner Schneesturm aufgewirbelt, der die Sicht einige Sekunden behinderte. Danach war die Motorhaube aber frei. So könnte es eigentlich jedesmal sein. In Käshofen schippt derweil Hermann Schneider Schnee vom Bürgersteig. Familienhund Balou wartet darauf, dass die morgendliche Gassirunde beginnt. Was macht Schneider gegen die Kälte? „Gut anziehen. Nach dem Zwiebelsystem.“ Eine halbe Stunde Auslauf sollte es für den freundlichen Rüden pro Gassigang schon sein. „Nur bei dem Wind der letzten Tage wurde es manchmal etwas kürzer“, gesteht der 68-Jährige.
Auto-Waschanlage läuft trotzdem
Wer an der Globus-Waschanlage vorbeikommt, könnte glauben, dass diese geschlossen sei. Die Rolltore sind – mit Erlaubnis der Geschäftsleitung – aber nur nach unten gelassen, damit sich die Mitarbeiter vor dem eiskalten Wind schützen können. Abdullah Ünal steht aufmerksam bereit, wenn Kundschaft vorfährt, ums Auto waschen zu lassen. Wind- und wasserdichte Hosen tun das Nötige, um Ünal zu schützen. „Da dringt nicht so viel Kälte durch. Wenn wir die Tore geschlossen halten, leiden wir gar nicht so sehr.“ Auch Kunden müssten sich nicht davor fürchten, dass ihre Autos nach dem Waschen Schaden an gefrierendem Wasser nehmen. „Unsere Sauger trocknen ja alle Stellen ab, die einfrieren könnten.“ Jochen Schubert ist Linienbusfahrer. Er betankt gerade seinen Bus. Ist es nicht unangenehm im Führerhaus, wenn er an den Haltestellen die Tür öffnen muss, um unter Zugluft Fahrgäste einzulassen? „Es ist schon ein wenig so. Wir haben aber Heizung und die stelle ich gerade höher. Jetzt beim Tanken ist mir kälter.“
Brandverhüter viel draußen utnerwegs
André Raquetarbeitet als Brandverhüter. Rund um die Hallplatz-Galerie markiert er die Fluchtwege neu. „Ich bin eher selten draußen. Aber heute muss ich hier viel zwischen den Häusern rein und raus. Von meinem Chef habe ich eine dicke Winterjacke bekommen. Dazu nehme ich eine Mütze, einen Schal und dicke Handschuhe.“ Tamara Bauske führt trotz Minustemperaturen ihren Sohn Elias im Kinderwagen aus. Schneeanzug, Handschuhe, Mütze und Schal sowie eine Decke schützen den kleinen Mann vor der Kälte. So etwa eine Stunde wird sie mit ihrem Kleinen unterwegs sein. „Das härtet ab.“
Mancher Landwirt froh über Kälte
Abgehärtet ist auch Hans Scharff. Der steht zwischen zwei, wegen der Kälte gut verpackten, Damen am Busbahnhof. Über dem Pullover trägt er eine Jeansjacke. Eine Mütze braucht er schon gar nicht. „Ich war Bauarbeiter, da ist man einiges gewohnt. Am Kopf friere ich nicht.“ Am schlimmsten trifft die Kälte Landwirte, könnte man meinen. Die sind ja bei Wind und Wetter draußen. „Wir sind aber eher froh über dieses Wetter“, verrät Achim Ruf vom Bannsteinhof in Mörsbach. „Denn endlich können wir draußen Sachen machen, die wir nur machen können, wenn’s gefroren ist. Also Hecken schneiden, unsere Strohballen holen und Mist fahren. Und im Traktor ist es ja warm.“ Einen besonderen Schutz gegen die Kälte braucht Ruf nicht. Das gilt auch für seine Freilandhühner. „Die können raus, so wie sie wollen.“ Das Eierlegen stellen sie bei der Kälte auch nicht ein. „Bis zehn Grad minus haben wir mit den Hühnern eigentlich keine Probleme. Nur wenn es kälter wird, müssen wir den Stall wohl zu-machen.“