Mandelbachtal Ein Stück mit bissigen Pointen: „Das Wirtshaus im Spessart“ auf der Naturbühne Gräfinthal

Das Ensemble bot den Zuschauern einen abwechslungsreichen Theaterabend.
Das Ensemble bot den Zuschauern einen abwechslungsreichen Theaterabend.

Mit einer aktualisierten Version der auch als Film bekannten Geschichte von Wilhelm Hauff über „Das Wirtshaus im Spessart“ begeisterte das Ensemble der Naturbühne Gräfinthal um Räuberhauptmann Johann am Freitagabend Jung und Alt in der fast bis auf den letzten Platz ausverkauften Premierenvorstellung.

Michael Nagel spielt bei „Das Wirtshaus im Spessart“ nicht nur den edlen Räuber Johann, sondern hat das Stück auch umgeschrieben und in den heimischen Bliesgau verlegt, dabei kommen Ausflüge in die saarländische Mundart nicht zu kurz. Und die Geschichte erklärt auch, wie Gräfinthal zu seinem Namen gekommen ist.

Denn Räuberhauptmann Johann entführt zusammen mit seiner Bande Elisabeth (Daria Weller), die Tochter von Kasper IV. (Martin Birstler), dem Grafen von Blieskastel, der viele Bürger und Handwerker durch seine horrenden Steuern in den Ruin und in eine unstete Existenz in den Wald getrieben hat, wo sie als Räuber ihr Dasein fristen.

Die Räuber kooperieren mit der Wirtin

In einem Wirtshaus treffen Elisabeth und ihre Kammerzofe Margarete (Miriam Kulz) auf den Goldschmiedgesellen Felix (Felix Lauer) und den Zirkelschmiedgesellen Otto (Peter Bachmann). Da die Gegend berüchtigt für Raubüberfälle ist, schließen sie sich zusammen. Und tatsächlich kommen die Räuber, mit denen die Wirtin (Christa Heinen) gemeinsame Sache macht.

Eingesperrt, streiten die vier über verschiedene Befreiungsmöglichkeiten, doch keine scheint besonders erfolgversprechend. Einer der Gesellen versucht die Wirtin, die sie bewacht, mit einem urkomisch gespielten Herzanfall abzulenken, doch der Trick verfängt bei der mit allen Wassern gewaschenen Herbergsmutter nicht.

Lösegeldforderung: 20.000 Euro

Nachdem Hauptmann Johann Elisabeth die Gründe für die Geiselnahme erklärt und seine Lösegeldforderung von 20.000 Euro gestellt hat, beschließt die junge Gräfin, sich als Gesell zu verkleiden, um die Lösegeldforderung an ihren Vater zu überbringen. Das geht allerdings nicht ohne Überwindung, denn „Spitzenkleider sind meine Welt“, bekennt sie freimütig, während der Gesell Felix sich als Gräfin verkleiden lässt – eine Szene, deren Situationskomik die Darsteller mit sichtlichem Spaß an der Sache zu Madonnas „Material Girl“ ausspielen.

Während Elisabeth zutiefst enttäuscht erkennen muss, dass ihr arroganter Vater sie in ihrer Verkleidung nicht nur nicht erkennt, sondern überhaupt nicht daran denkt, sie auszulösen, und ohne Rücksicht auf die Geiseln die Räuber angreifen will, spielen sich im Räuberlager urkomische Szenen ab. Zunächst erfüllen die Wächter der unechten Gräfin verschiedene Wünsche, unter anderem kochen sie so bodenständige Gerichte wie Gulaschsuppe und Pfannkuchen mit Apfelschnitzen für sie. Außerdem waschen sie ihr die Füße – wobei Felix ständig Angst hat, dass sie seine langen Unterhosen entdecken und so seine Verkleidung entlarven könnten.

Der falschen Gräfin bleibt die Sprache weg

Dann kommt es noch dicker: Denn Räuberhauptmann Johann ist ganz hingerissen von der vermeintlichen Gräfin, die so gar nicht schwatzhaft ist und so gut zuhören kann, dass er sich in sie verliebt hat. Darauf bleibt der Gräfin alias Felix wirklich die Sprache weg, während Johann in romantischer Stimmung Ronan Keatings „When You Say Nothing At All“ anstimmt.

Inzwischen fordert der Graf seinen ehemaligen Schatzmeister Egon (Thomas Plitt) auf, das Heer zu sammeln. Zu zünftigen Marschklängen brechen sie auf und greifen das Räuberlager an: „Wir werden die Räuber ausräuchern und den Wald vernichten. Oder umgekehrt!“

Doch die zutiefst über das Verhalten ihres Vaters entrüstete Elisabeth hat den Hauptmann gewarnt. Johann will daraufhin die verkleidete Gräfin retten, die sich jetzt als Mann verkleiden soll, und flieht mit ihr, während Elisabeth mit seinen Männern gegen die Truppen ihres Vaters kämpft.

Das Ensemble agiert rundum stimmig

Die Räuber siegen, Elisabeth erklärt ihr Verhalten. „Es ist nicht richtig, dass alle nichts haben und einer alles hat.“ Diese Erkenntnis setzt sie sofort in die Tat um und schenkt den Räubern als neue Gräfin von Blieskastel das Tal mit dem Wirtshaus, das nun „Gräfinthal“ heißt.

Das rundum stimmig agierende Darstellerensemble hob die satirischen Züge der Geschichte durch bissige Pointen und Karikaturen, aber auch durch eine Komik hervor, die nie in Klamauk abdriftete und sowohl Spielern als auch Zuschauern einen abwechslungsreichen Theaterabend beschert hat.

x