Zweibrücken Ein kleines Fußballwunder
Homburg. Es ist ein kalter Samstagnachmittag im Februar. Aus dem Himmel schüttet es gerade wie aus Eimern. Das Testspiel des FSV Jägersburg gegen den Regionalligisten SV Saar 05 findet trotzdem statt. Für den gut platzierten Aufsteiger aus Jägersburg gilt es, sich für den Rest der Rückrunde zu wappnen. In der Hinrunde war der inzwischen abgemeldete SVN Zweibrücken noch ein Konkurrent. Nach der 1:4-Niederlage am Wochenende in Koblenz steht für das FSV-Team am Samstag, 15.30 Uhr, das Heimspiel gegen Tabellennachbar Arminia Ludwigshafen an.
Während die Welt in der zweiten Halbzeit scheinbar absäuft, zieht einer der Zuschauer ein Smartphone aus der Jackentasche. In den Bundesliga-Stadien wurden Nachmittagsspiele angepfiffen. Der Fußballfan möchte über die aktuellen Spielverläufe informiert sein. Warum sitzt er bei diesem Mistwetter eigentlich nicht lieber in der kuschelig warmen Stube vor dem Fernseher? Während der FSV Jägersburg gegen Saar 05 mit 1:3 zurückliegt, erklärt Sportleiter Werner Finken, warum das wohl so ist. Finken, mit Harald Schwindt für den Geschäftsbereich gleichberechtigter Vorsitzender, sagt: „Weil unsere Zuschauer wissen, dass sie hier Fußball auf hohem Niveau sehen. Mit Spielern, die man aus der Nachbarschaft kennt.“ Teammanager Martin Germann ergänzt: „Im Moment stehen hier nur zwei Spieler auf dem Platz, die weiter als 15 Kilometer weg wohnen.“ Obwohl es sich im Laufe das Tages noch stärker einregnet, füllt sich das Stadion um den Kunstrasenplatz mit 70 bis 100 Zuschauern. „Zu uns kommen auch Besucher aus der Pfalz, aus Bruchmühlbach und Breitenbach. Im Schnitt haben wir bei Liga-Spielen 250 Zuschauer “, rechnet Finken vor. Im Sommer 2015 stiegen die Jägersburger in die Oberliga auf – nachdem der Verein vor 40 Jahren noch in der Kreisliga A dem Ball nachjagte. Den sportlichen Erfolg sieht Finken in der Konstanz bei den Verantwortlichen begründet. Marco Emich, Trainer der Oberliga-Mannschaft, ist beispielsweise schon seit 15 Jahren im Amt. Sein Vorgänger, Heinz Histing, war immerhin sieben Jahre dabei. „Mit Marco Emich sind wir gleich im ersten Jahr in die Saarlandliga aufgestiegen. Die ersten zwei Jahre haben wir da nur überlebt“, berichtet Finken. Doch Jägersburg stabilisierte sich, mit Spielern aus der Umgebung. Neun ehemalige Saarlandligisten stehen auch in der Oberliga konstant auf dem Feld. Sie gehen dabei ausnahmslos einem Brotberuf nach. „Profis gibt es bei uns nicht. Dafür haben Fußballer hier die Möglichkeit, hochklassig Fußball zu spielen.“ Das ist ein Prinzip, mit dem auch der mittlerweile in Insolvenz gegangene Mitbewerber aus Zweibrücken in der Oberliga bestehen wollte. In der Vorrunde hatte der SVN sein Spiel gegen Jägersburg mit 1:3 verloren. „Den Ehrentreffer hatte sich der SVN damals redlich verdient. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass der Verein durchhält“, bedauert Finken das Ausscheiden des Konkurrenten. Der Aufstieg der Jägersburger ist mit dem Einstieg eines großen Förderers verbunden. „Seit etwa 2000 trägt unser Sportpark den Namen von Alois Omlor. Unser Sponsor ist ein Erfolgsgarant.“ Dem Baustoffhandel und Logistikunternehmen sei es zu verdanken, dass der kleine Verein mit rund 440 Mitgliedern im Spielbetrieb keine Schulden macht. Dass Jägersburg eines Tages das gleiche Schicksal drohen könnte wie den Zweibrückern, hält Finken für ausgeschlossen. Der Ausstieg von Mäzen Heiner Semar war ja bekanntlich der Anfang vom Ende des Zweibrücker Regionalliga-Märchens. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Omlor hier aussteigt“, ist Finken überzeugt und liefert umgehend die Begründung für seine Vermutung. „Bei uns ist es anders als in Zweibrücken. Da hat der Sponsor nie in die Infrastruktur investiert.“ Über die Jahre des Engagements konnten die sportlichen Bedingungen in Jägersburg mit Omlor-Geldern konstant verbessert werden. Vor 16 Jahren gab es in Jägersburg nur einen Hartplatz. Heute besteht der Alois-Omlor-Sportpark aus einem Rasen- und einem Kunstrasenplatz. Die Oberliga-Spiele werden in der Regel auf Rasen ausgetragen. Trotzdem verfügt auch der Kunstrasenplatz über eine kleine Tribüne und einen Verkaufsstand. Dort werden sogar während des verregneten Testspiels Bratwürste verkauft. Zudem kann man sich dort vor dem Regen in Sicherheit bringen. „Wir haben hier optimale Trainingsbedingungen. Das macht uns für Spieler aus der Umgebung attraktiv“, fasst Werner Finken die Situation des FSV Jägersburg zusammen. Er möchte seine Mannschaft langfristig in der Oberliga etablieren. Und nur da. Denn: „Ein Aufstieg in die Regionalliga wäre im Grunde eine Katastrophe.“