Zweibrücken Ein fragwürdiger Abend

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Der Zweibrücker AfD-Kreisverband, der sich vor einem Jahr auflöste, soll wiederbelebt werden. Die Zweibrückerin Doris Will hatte für Donnerstagabend in die Brasserie in Niederauerbach eingeladen, um über Pläne und Ansichten des Verbands zu informieren. Zu Gast war Jan Bollinger aus dem rheinland-pfälzischen Landesvorstand der AfD. Rund 25 Zuhörer kamen, um sich zu informieren, einige AfD-Kritiker nicht mitgerechnet. So weit, so üblich. Zu hören gab es einiges, was man als unausgereift bezeichnen könnte, anderes war schlichtweg falsch. Als Motivation für ihren Beitritt zur AfD nannte Doris Will Angst. Angst vor den Krisen in der EU, vor einem Dritten Weltkrieg, den die EU auslösen könnte, vor gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland. Sie erwähnte das Erdbeben in „Wo war das, Fuji?“ (gemeint war wohl Fukushima), das den deutschen Atomausstieg begünstigte. Und sie sprach – unter heftigem Kopfnicken einiger Zuhörer – von Praktiken in Kindergärten, wo Dreijährigen gezeigt werde, wie Homosexuelle Sex miteinander haben. Belege und Begründungen gab es keine. Will beschränkte sich darauf, ihr Entsetzen über die Zustände in Deutschland zum Ausdruck zu bringen. Ein Teilnehmer ergänzte die Kindergarten-Geschichte mit einem Bericht, wie die Kinder dort lernten, das Modell eines Bordells zu bauen. Blick nach Deutschland, Blick in die Welt: Die Flüchtlinge aus Syrien müssten überhaupt nicht nach Deutschland kommen, erklärte Doris Will, denn es gebe sichere Zonen in Syrien. Die Flüchtlinge würden dafür bezahlt, nach Europa zu reisen. Von wem und warum, das blieb wiederum offen. Jan Bollinger, der für die AfD im Landtag sitzt, sprach hingegen von viel Geld, das die Flüchtlinge zahlen müssten, um nach Europa zu kommen. Er forderte, die Flüchtlinge müssten den Deutschen nützen; wer kommt, solle gut ausgebildet sein. Doris Will sah das anders: Sie hatte zuvor betont, dass man gut ausgebildete Leute eben nicht nach Deutschland holen dürfe, sie würden für die Entwicklung ihrer Heimatländer gebraucht. Bollinger lobte die Zweibrücker, die „politisch deutlich intelligenter als der durchschnittliche Rheinland-Pfälzer“ seien. Kam die „Alternative für Deutschland“ bei der Landtagswahl im März doch im Wahlkreis Zweibrücken bei den Zweitstimmen auf 16 Prozent. Doch auch Bollinger blieb oft vage, gerade was Belege für seine weiteren Behauptungen anging: „Es gibt dazu Statistiken“, erklärte er lediglich. Welche Statistiken er meinte, wer sie angefertigt hat und wo sie erschienen sind − nichts davon erfuhr der Zuhörer. Der Abgeordnete beklagte Negativzinsen als „Verkehrung der Realität“ und nahm sich nach den Banken auch das Rechtssystem vor. Die „rot-grüne 68er Justiz“ lasse die Kriminellen, die die Polizei einfängt, einfach wieder laufen, erklärte Bollinger. Die AfD hingegen wolle die „Parteienherrschaft brechen“. Als Zuhörer hörte man an diesem Abend viel, vermisste aber auch viel: belegbare Fakten, auch Motive. Was führen der Gesetzgeber, die Behörden und die Kindergärtnerinnen und all die anderen im Schilde, die für die angeblich unhaltbaren Zustände verantwortlich sind? Auch aus dem interessierten Publikum in der Brasserie fragte niemand nach, weshalb jemand Kindern eine wie auch immer geartete Sexszene vorführen sollte. Die Frage nach dem „Warum“ blieb aus. Auch das, was ihr gewöhnlich folgt: die Überlegungen „Kann das überhaupt sein?“ und „Wie kann ich das nachprüfen?“. Denn zwischen dem Hören oder Lesen und dem Weiterverbreiten von Informationen sollte schon noch ein weiterer Schritt liegen − das Überprüfen. So war es ein Abend, der im Gedächtnis bleibt − als einer mit vielen Worten, wenigen Fragen und noch weniger Erklärungen.

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