Montagsumfrage „Ein Auffrischungskurs wäre ab einem gewissen Alter gut“
Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass Menschen über 70 Jahre künftig alle fünf Jahre entweder eine sogenannte Selbsteinschätzung ihrer Fahrtauglichkeit ausfüllen oder sich ärztlich untersuchen lassen sollten. Jetzt haben die EU-Verkehrsminister beschlossen: Wer seinen Führerschein erneuert, soll nach dem Willen der EU-Staaten künftig selbst bestätigen beziehungsweise einschätzen, ob er oder sie noch fit genug fürs Fahren ist. Unser Mitarbeiter Mario Moschel hat sich auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt und in der Fußgängerzone zu diesem Thema umgehört.
Volker Schmitt sagt: „Ich werde 60, ich hab’ also noch ein paar Jahre bis dahin. Ein ärztliches Attest ist ja nicht das Problem. Es fahren nicht alle älteren Autofahrer unsicher, aber einige schon. Und natürlich gibt es auch junge Führerscheininhaber, die unsicher fahren. Das hängt von der persönlichen Verfassung ab, nicht nur vom Alter. Ein Test ab einem gewissen Alter wäre nicht verkehrt. Manchem sagt es ja auch der Hausarzt, wenn er nicht mehr fahren sollte. In meiner Familie habe ich das geregelt, als ich merkte, dass noch jemand Auto gefahren ist, der das besser nicht mehr getan hätte.“
„Ich denke, dass ältere Menschen ruhig noch mal ihre Fahrtauglichkeit beweisen sollen“, findet Darius Vojvoda. „Gerade, wenn ich an zwei schwere Unfälle denke, die dieses Jahr passiert sind: sowohl beim tödlichen Autobahnunfall im Sommer, als ein Auto unter einen stehenden Lastwagen gefahren ist, als auch beim Brückenunfall am Gefängnis vor wenigen Wochen waren ältere Autofahrer beteiligt. Ältere Leute sollten eine Auffrischung machen sollen, zum Beispiel ab 60. Und dann alle zwei Jahre, und zwar eine ärztliche Untersuchung. Ich selbst habe noch keinen Führerschein.“
Andreas Peter fände es besser, „wenn ab einem gewissen Alter eine Selbsteinschätzung auf freiwilliger Basis erfolgt. Aber nicht zwingend gesetzlich geregelt. Ich kenne aktuell keine älteren Menschen, denen ich das Autofahren nicht mehr zutraue. Kannte ich aber, im Familienkreis. Manche haben es eingesehen und den Führerschein abgegeben. Aber ich verstehe auch, dass man Probleme damit hat, seine Selbstständigkeit aufzugeben. Aber wenn es für die anderen gefährlich wird, sollte man die Einsicht haben und nicht mehr fahren. Man kann Einsicht aber nicht erzwingen.“
„Ich finde die EU-Entscheidung richtig“, äußert sich Sabrina Gara zum Thema. „Wenn ich überlege, wie meine Oma fährt. Die ist 1938 geboren und ich habe richtig Angst, wenn ich neben ihr sitze. Und wenn man etwas zu ihr sagt, meint sie nur, dass sie ja fahren kann. Ich würde das gesetzlich vorgeben. Berufskraftfahrer müssen ja ab 50 regelmäßig zur Untersuchung, das finde ich aber zu früh. 70 wäre ein angemessenes Alter, aber es geht auch um die Kosten. Ein Rentner sollte die Untersuchung nicht selbst bezahlen müssen. Alle zwei bis fünf Jahre wäre ein guter Kontrollzeitraum.“
Martin Morche ist stilecht als Weihnachtsmann verkleidet in der Fußgängerzone unterwegs, wo er Schoko-Nikoläuse an Kinder verteilt. Als Fahrer eines Rentierschlittens habe er einen sogenannten Rentierschein, der immer nur eine Saison gelte und den er jedes Jahr auffrischen müsse, scherzt der Mann im Kostüm und lacht dabei. Doch Martin Morche ist nicht nur Weihnachtsmann, er ist tatsächlich gelernter Fahrlehrer. Und als solcher sagt er: „Der altersbezogene Ansatz ist verkehrt. Man sollte alle paar Jahre nicht nur eine Untersuchung machen zur Fahrtauglichkeit, sondern auch einen Auffrischungskurs zu neuen Verkehrsregeln. Von denen gibt es so viele, die vielen Autofahrern nicht mehr bekannt sind. Und auch eine Erste-Hilfe-Auffrischung würde nicht schaden. So ungefähr alle zehn Jahre. Die Augen lassen ab 40 ja auch nach. Ich würde einen Führerschein auf Zeit einführen.“
Heiderose Schneider ist für freiwillige Selbsteinschätzung ab einem gewissen Alter. „Mein Mann war Lastwagenfahrer und musste ab 50 alle fünf Jahre zur Prüfung, sonst hätte er seinen Führerschein verloren. Ein Gesundheitscheck ab 70 wäre generell aber nicht verkehrt. Und da geht es wieder um die Kosten. Wenn es den Leuten an den Geldbeutel geht, machen sie das nicht freiwillig.“