Eishockey
EHC Zweibrücken: Bayley Kubara, ein Weltenbummler auf Kufen
„Klar, ich würde den Jungs natürlich gerne den freien Sonntag gewähren“, sagt Trainer Ralf Wolf lachend vor dem zweiten Play-off-Viertelfinale des EHC Zweibrücken in der Baden-Württemberg-Liga am Samstag (13 Uhr, SAP-Arena) bei der EKU „Mad Dogs“ Mannheim. „Aber das Spiel in Mannheim wird eine Herausforderung, da sind wir demütig. Die schenken uns sicher keinen Millimeter, wir werden uns den Sieg dort hart erarbeiten müssen“, weiß Wolf.
Einer, der dabei helfen soll, ist Bayley Kubara. Der neue Verteidiger der „Hornets“ ist seit 14 Tagen in Zweibrücken, hat mit den Teamkollegen am Fasnachtsdienstag gleich mal den Umzug in Zweibrücken mitgemacht. „Cool, so was in der Art gibt es bei uns in Australien nicht“, sagte der 27-Jährige hinterher dazu. Bei uns, das ist Wombarra im Südosten Australiens, das zur Stadt Wollongong gehört, 45 Minuten südlich der Metropole Sydney. Da stammt die Großfamilie Kubara her: Der EHC-Spieler hat noch drei Brüder und zwei Schwestern.
2023 spielte Kubara schon mal in Deutschland
Bayley Kubara besetzt bei den „Hornets“ keine weitere Kontigentspieler-Stelle neben Michael Outzen (USA) und Jacob Ratcliffe (Neuseeland), weil er neben der australischen auch noch die polnische Staatsangehörigkeit besitzt. „Er ist ein positiver Typ, immer fröhlich. Und als Verteidiger schon eine Erscheinung“, beschreibt EHC-Coach Wolf den 1,88 Meter und 91 Kilogramm schweren Kubara. Im Training am Donnerstag habe er im Powerplay mal gezeigt, was er alles draufhat. Das hat Wolf auch schon gleich in den ersten zehn Minuten der ersten Trainingseinheit gesehen, „danach hat man gemerkt, dass ihm noch ein bisschen Füllung im Tank fehlt“.
Dass besagter Sprit im Tank fehlte, lag auch daran, dass Kubara nach vielen Jahren Eishockey zuletzt „Down Under“ ein halbes Jahr Auszeit von seinem Sport nahm. „Die brauchte ich nach zehn Jahren Hockey mal, es war wirklich schön zu Hause. Das hat mental sehr gutgetan“, sagt der Nationalspieler Australiens, der in der U18-Altersklasse sein Debüt gab, in der U20 spielte und vom 18. bis 26. April bei den Eishockey-World-Championships (Division II, Gruppe A) in Dubai wieder für sein Land aufläuft. Bei der U18-WM 2015 gab er schon die meisten Vorlagen als Verteidiger, bei der U20-WM schoss er als Defensivspieler die meisten Tore.
Eishockey-Vita: USA, Polen, Finnland und Kroatien
Durch Eishockey hat er schon viel gesehen von der Welt. Er hat in den USA am College „Business, Marketing and Finance“ studiert, für die Philadelphia Jr. Flyers und die North Carolina „Golden Bears“ gespielt, ging während der Corona-Pandemie dann zurück in die Heimat, schloss sein Studium dort ab. Danach verteidigte er zwei Jahre in Polen für den Klub MUKS Naprzod Janow, spielte für zwei Klubs in Finnland und stand zuletzt ein Jahr in Kroatien für KHL Medvescak Zagreb auf dem Eis.
Auch in Deutschland jagte er schon einmal dem Puck hinterher: in der Spielzeit 2023/24 beim ECW Sande (bei Wilhelmshaven) in der Regionalliga Nord. Seine 28 Einsätze in der Liga und den Play-offs samt sechs Toren und elf Vorlagen verhalfen den „Jadehaien“ damals zu Platz zwei. „Viel Deutsch hab’ ich dabei aber nicht aufgeschnappt“, gibt der sympathische Australier auf Englisch ehrlich schmunzelnd zu.
Über Kumpel Jacob Ratcliffe bei „Hornets“ gelandet
In Zweibrücken ist das kein Problem. Denn da ist ja noch sein Kumpel Jacob Ratcliffe aus Neuseeland, mit dem er schon mehrere Jahre zusammen professionell bei den CBR Canberra Brave gespielt hat. Der kann helfen, „und ansonsten sind Hockey und Training ja universell. Ich schaue einfach, was die anderen machen“.
Über Jacob Ratcliffe landete Kubara auch bei den „Hornets“. „Er ist uns von seinem Berater schon im September angeboten worden, da waren wir aber mit der Planung schon durch“, berichtet Trainer Wolf. Dann habe es in der Defensive, auch wegen verletzter Spieler, viel Fluktuation gegeben. „Als ich dann nachgefragt habe, hat Jacob erzählt, dass er gerade mit ihm telefoniert hat“, sagt Wolf. „Jacob hat mich gefragt, ob ich kommen und in den Play-offs helfen will“, erzählt Kubara. Der Weltenbummler in Sachen Eishockey hatte natürlich Lust – packte seine Sachen und ab in die Westpfalz.
Samstag: Untypische Bully-Zeit in der SAP-Arena
„Es ist immer eine gute Gelegenheit, was von der Welt zu sehen“, sagt Kubara über seine vielen Spieler-Engagements. Er nutzt jede kleine Pause, um sich umzusehen. Von Sande aus fuhr er mal 14 Tage mit dem Camper nach Bayern, hier war er schon im französischen Colmar und Straßburg. „Es erinnert mich hier ein bisschen an zu Hause. Das erste Heimspiel mit den Fans hat richtig Spaß gemacht“, sagt er. Auf dem Eis werde es im Training immer besser; er hofft, dass die Saison mit den „Hornissen“ noch bis April andauert. Denn: „Wir wollen das ganze Ding auch gewinnen“, spricht er selbstbewusst über die Meisterschaft.
Doch bis dahin ist es noch ein bisschen. Am besten gewinnt der EHC erst mal Spiel zwei am Samstag in Mannheim, damit die Viertelfinalserie – und erspart sich ein mögliches drittes Spiel am Sonntagabend in Zweibrücken (18.30 Uhr, Ice-Arena). Die „Hornets“ müssen am Samstag in Mannheim mit zwei Dingen zurechtkommen: dem Spielbeginn um 13 Uhr und der größeren Eisfläche in der Südhalle der SAP-Arena. „Die Bully-Zeit ist ein bisschen untypisch“, sagt Ralf Wolf, „normalerweise schlafen Eishockeyspieler samstags gerne lange. Ich weiß auch nicht, ob die Zuschauer diese Anstoßzeit honorieren.“
Kubara ist heiß aufs große Eis in Mannheim
Auch an das ungewohnte, größere Eis müsse sich sein Team jedes Mal anpassen, da seien viele Abläufe anders. Aber es gebe dann halt auch mehr Raum und Zeit für die Spieler, „zum Beispiel, wenn Erik Betzold Platz hat und mit Topspeed einen Angriff fahren kann“, sagt Wolf. Er hat das erste Spiel gegen Mannheim mit dem 0:3-Rückstand noch mal eine Stunde lang auf Video analysiert, wie immer dann montags seinen Spielern Sequenzen davon aufs Handy geschickt. „Das bringt auch unterschiedliche Sichtweisen zusammen, wenn man das sieht und dann noch mal zusammen bespricht“, ist Wolf sicher.
Vor dem 0:3 gegen Mannheim habe sein Team viele kleine Fehler gemacht. „Wir haben da ein bisschen geschlafen“, gibt auch Bayley Kubara zu, „aber danach noch ein paar gute Powerplay-Tore gemacht“. Kubara, in einer Reihe zusammen mit Verteidiger Frederic Hellmann und den Stürmern Marco Trenholm, Simon Klemmer und Ratcliffe, mag das größere Eis, „da ist das Umschaltspiel einfacher“, findet er. „Ich will das zweite Spiel gegen Mannheim unbedingt gewinnen und erwarte einen großen Sieg. Schließlich will ich am Sonntag frei haben und gemütlich Olympia schauen“, sagt der Australier. Sicher dann auch vor allem das Eishockey-Finale, das ab 14.10 Uhr über die Bühne gehen soll.