Zweibrücken „Dreist“, „frech“ und „unverschämt“

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4,50 Euro Kontoführungsgebühr, ein Euro pro Überweisung, fünf Cent pro Kontobewegung. Die neuen Gebühren der Sparkasse Südwestpfalz erregen massiven Unmut. Wir wollten wissen, was unsere Leser davon halten. Kurz gesagt: wenig bis gar nichts.

„Ich habe erst geglaubt, das sei ein Aprilscherz, mir blieb die Spucke weg. Diese Gebühren sind völlig unangemessen“, sagte etwa Jutta Mehr gestern am Telefon. Wie 47 weitere Leser nutzte sie die Gelegenheit, ihre Meinung zur Gebührenpolitik der Sparkasse Südwestpfalz zu äußern. Und Mehr war in guter Gesellschaft. Nicht ein einziger Anrufer äußerte Verständnis für die Entscheidung der Sparkasse. Auch in E-Mails zum Thema: nur Unverständnis, Empörung und Wut. Dabei ist das grundsätzliche Verständnis für – moderate – Gebührenerhöhungen durchaus vorhanden. „Im Prinzip sehe ich ein, dass angesichts der praktisch bei Null stehenden Leitzinsen neue Gebühren erforderlich sind“, sagt Werner Kolb. Der gleichen Meinung ist Rudi Schwarz: „Grundsätzlich ist gegen eine Erhöhung der Kontoführungsgebühren nach so vielen Jahren, wenn sie in Maßen stattfindet, nichts einzuwenden, denn alles wird irgendwie oder irgendwann teurer.“ Auch Maritta Haas-Straß findet, „dass Dienstleistung Geld kostet und entsprechend entlohnt werden muss“. Es sind die Zusatzgebühren und die Nötigung zum Online-Banking, die die Kunden auf die Barrikaden treiben. „Eine derart dreiste Erhöhung (ein Euro je Beleg!) und Gebühren für jedwede Aktion ist eine Schweinerei“, findet Michael Bach. Auch Melanie Wagner findet die Erhöhung unverhältnismäßig hoch, für Rosina Steck ist es einfach nur „eine Unverschämtheit“, für Marianne Lahm „dreiste Abzocke“. „Last- und Gutschriften werden künftig je fünf Cent kosten. Das ist im Einzelfall nicht viel, da macht es wohl aber die Menge, denn wer hätte nicht Stadtwerke, UBZ, Telefon, Lohneingang, Kindergeld und Ähnliches“, merkt Sylvia Federmann an. Auf den gleichen Gedanken ist Karl-Heinz Semar aus Contwig gekommen. „Das ist eine ganz große Schweinerei. Die Größenordnung ist enorm. Die Leute kapieren noch gar nicht, was da auf sie zu kommt.“ „Wofür ist eigentlich die Grundgebühr gedacht? Für das Papier der Kontoauszüge?“, fragt sich Simone Berni. Ihrer Meinung nach wäre eine Servicegebühr am Schalter ja in Ordnung, „aber eine absolute Frechheit ist, dass – wenn auch geringe – Gebühren am Selbstbedienungsterminal und online fällig werden. Wofür? Dass ich die Arbeit habe? Kundenunfreundlicher geht es ja gar nicht mehr!“ Auch Heinz Weinkauf ist wenig angetan von der Entwicklung: „Da werden die Kunden nach Wegelagerer-Manier ausgenommen. Vor Jahren warb die Sparkasse mit dem Spruch ,Immer do fer die Leit’, heute wird dieser Werbeslogan ad absurdum geführt.“ Heinz Burkhardt schlägt einen neuen Slogan vor: „Immer do fer die Kass. Vom Dienstleistungsgedanken der früheren Sparkassen hat sich die Sparkasse Südwestpfalz inzwischen längst verabschiedet.“ Auch für Frank Theison ist der Werbetext angesichts der Gebühren mittlerweile eine Farce. Die Kundenfreundlichkeit ist sowieso ein Reizthema. „Rückzug aus der Fläche. Sparkassengebäude ohne Mitarbeiter, wo Kunden nur noch Automaten antreffen. Briefkästen wurden entfernt“, empört sich Klaus-Dieter Luck aus Zweibrücken. Die Menschen in den Dörfern müssten Auto, Bus oder Taxi nutzen, um überhaupt an einen Bankschalter zu kommen, was schon jetzt zeitaufwändig sei und Kosten verursache. Nun die Gebührenerhöhung. „Damit zwingt man seine Kunden zum Online-Banking. Es hat ja auch jeder einen funktionierenden PC mit aktuellster Virenabwehr und umfassende Kenntnisse über den bestmöglichen Schutz gegen Ausspähversuche der eigenen Kontodaten im Internet“, so Luck sarkastisch. Elisabetha Kopp ist schon mal nicht jeder. Sie hat keinen Computer, kann also die digitalen Dienste nicht nutzen. Maximilian Schmitt hat mit über 80 Jahren keine EDV-Kenntnisse. Den beiden geht es wie vielen älteren Menschen, die sich gestern gemeldet haben. „Man denkt gar nicht an die Rentner“, ärgert sich Kopp. „Viele können mit dem Computer nicht umgehen oder wollen vielleicht auch gar nicht mehr umlernen.“ Dieser Meinung sind auch Beate Karbon, Wolfgang Weis, Joachim Mayer, eigentlich alle. Die Gebühren sind „für viele Rentenbezieher und Geringverdiener, die über keinen Internetanschluss verfügen, nicht bezahlbar“, findet Günter Heieck. „Herr Klein kann sich anscheinend überhaupt nicht in die Lage der älteren Leute versetzen, deren Mobilität stark eingeschränkt ist und die meist schlecht hören und sehen“, ärgert sich Werner Kolb. Weiter schreibt er: „Gerade ältere Leute sind auf den Versandhandel angewiesen, wobei üblicherweise mit vorbereiteter Papier-Überweisung zu bezahlen ist. Einzugs-Vollmachten sind angesichts der vielen Hacker-Aktionen keine Alternative.“ Die gebührenfreie telefonische Erteilung über das Service-Center hält er angesichts der dafür notwendigen Angaben wie Iban, Anschrift, und so weiter als Ersatz für ungeeignet. Vor ähnlichen Problemen stehen Vereine, die ein Girokonto bei der Sparkasse Südwestpfalz haben. Denn sie haben eine Sorgfaltspflicht im Umgang mit Mitgliedsbeiträgen, wie Fried-Achim Kiffmeyer schreibt. Wenn nun die Gebühren steigen, bleibt weniger Geld für die Vereinsarbeit. Das ärgert auch Claudia Hoffmann. Sie ist Vorsitzende eines Vereins, der Patenschaften für Kinder in Togo übernimmt, ehrenamtlich arbeitet und ausschließlich Bankgebühren als Ausgaben zu bezahlen hat. „Die Aufgabe des Vereins ist es, Kinder und Jugendliche in Togo mit Patenschaften zu unterstützen und nicht, Gebühren an die Sparkasse zu zahlen. Ausnahmen gibt es für die Vereine übrigens auch nicht.“ Das Gefühl, schamlos abgezockt zu werden, findet sich bei allen, die sich zu Wort gemeldet haben. Richtig in Fahrt kommt Manfred Albrecht: „Ich könnte kotzen, wenn ich Aussagen der Sparkassenvorstände höre wie ,Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank brach uns die Haupteinnahmequelle weg und deshalb sind wir gezwungen die Gebühren zu erheben’. Da wurden über Jahre hinweg durch die Hochzinspolitik Millionen und Abermillionen gescheffelt, und jetzt wird auf hohem Niveau gejammert. Durch die Niedrigzinspolitik müssen sie ihren Kunden nun schließlich auch nur Zinsen, die fast im Promillebereich liegen, gutschreiben. Der Kunde ist also zweimal der Dumme. Er bekommt kaum Zinserträge und wird durch die Gebührenerhöhung erneut abgezockt. Statt Gebühren zu erhöhen und Zweigstellen in Vororten zu schließen, sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, ein paar Vorstände rauszuschmeißen.“ Deutlich wurde in den Gesprächen, dass die Sparkasse Südwestpfalz sich wohl von nicht wenigen, teils langjährigen Kunden wird verabschieden müssen. „Wenn Rolf Klein bisher nur sehr vereinzelt Unmutsbekundungen von Kunden und eine marginale Zahl von Kündigungen registriert hat, mag das daran liegen, dass sich der Rest seiner Kunden noch in Schockstarre befindet angesichts dieser Dreistigkeit“, sagt Karin Klein. Manfred Albrecht schreibt: „Meine mittlerweile 86-jährige Mutter und mein mittlerweile verstorbener Vater waren weit über 60 Jahre Kunden der damaligen Raiffeisenbank mit Zweigstelle in Oberauerbach. Nachdem diese geschlossen wurde, wechselten sie zur damaligen Stadtsparkasse, da in Oberauerbach auch noch eine Zweigstelle war. Als diese auch aus Kostengründen vor ein paar Jahren geschlossen wurde, sagte ich zu meiner Mutter, dass ich ihre Bankgeschäfte übernehme, da ja in Contwig noch eine Zweigstelle ist. Jetzt kommt als Dank an alle treuen Kunden diese saftige Gebührenerhöhung. Meine Mutter ist stinksauer und wollte alles bei der Sparkasse kündigen. Das konnte ich ihr vorerst ausreden und sie davon überzeugen, mit 86 auf Online-Banking umzusteigen.“ Elfi Degel schreibt, sie überlege, nach 50 Jahren bei der Sparkasse die Kasse zu wechseln. Ebenso Jutta Mehr, sie wird sich auch deshalb nach einer Alternative umsehen, weil sie auf die Frage, was denn die Sparkasse Südwestpfalz überhaupt noch anbietet, die Antwort bekommen habe, man stelle die technischen Geräte zur Verfügung. „Da habe ich mich erst mal setzen müssen und mich nicht mehr als Kunde gefühlt.“ Olli Wilden aus Hornbach überlegt ebenfalls zu wechseln und selbst, wenn nicht, ist „das Vertrauensverhältnis fortan gestört und ich werde bei allen Geldgeschäften verschiedene Banken aufsuchen.“ Rebecca Steck, Bertram Fuhrmann, Elisabetha Kopp, Marianne Weiß-Becker und ihr Mann Willi Becker werden ihre Konten bei der Sparkasse Südwestpfalz nach eigenen Angaben kündigen. Ebenso Ursula Friebis: „Ich bin seit über 45 Jahren Kundin der Sparkasse. Es wird kein weiteres Jahr dazukommen.“ Joachim Mayer geht nach 26 Jahren den gleichen Weg, sollte die Sparkasse diese Gebühren durchsetzen, „damit das bezahlte Nichtstun aufhört“. Auch Klaus-Dieter Luck kündigt nach 42 Jahren, denn „dies ist nicht mehr meine Sparkasse. Adieu!“ Evelin Hodeck hat sich am Freitag in einer E-Mail direkt an die Sparkasse gewandt und angekündigt, ihr Konto zu kündigen, sollten die Gebühren tatsächlich eingeführt werden. Frank Theison will nach 36 Jahren ebenfalls gehen. „Die festgesetzten Tarife sind für die Kunden in dieser Form kaum hinnehmbar. Kontoinhaber, die bereit sind, das Online-Banking zu nutzen, finden bei entsprechenden Direktbanken wesentlich günstigere Konditionen und Vorteile wie zum Beispiel kostenlose Kreditkarten.“ Sylvia Federmann will, sollte sie keine normale Banklösung finden, zu einer solchen Direktbank wechseln. „Wenn schon online, dann richtig.“ Eine der konsequentesten Reaktionen kam von Karl-Heinz Scharfenberger. Der Wiesbacher ist seit 60 Jahren Kunde bei der Sparkasse. Er betreibt ein Geschäft und muss sich bereits jetzt „fast einen Tag Urlaub nehmen, um Bankgeschäfte zu erledigen“. Zu verdanken hat er das der Schließung der kleinen Filialen auf dem Land. Bisher hat er dies erduldet, doch nun ist für ihn das Maß voll. „Ich habe heute bei einer anderen Bank ein Konto eröffnet“, berichtete er gestern. Nicht nur er, seine ganze Familie kehrt der Sparkasse Südwestpfalz endgültig den Rücken. „Das sind zwölf Konten, und auch Freunde und Bekannte gehen diesen Schritt.“ Bei seinen Nachbarn hat er ebenfalls schon „kräftig getrommelt. Die Sparkasse Südwestpfalz braucht ja offenbar keine Kunden.“ Die Gebühren sind für ihn nicht mehr nachvollziehbar. „So was könnte ich meiner Kundschaft nicht verkaufen. Gelegentliche Erhöhungen würde ich verstehen, wenn die Kosten steigen. Doch hier wird in der Fläche und beim Personal reduziert, und die Vorstandsbezüge werden ausgeweitet. Der Service ist fast null. Und man kann doch älteren Leuten nicht zumuten, jedes Mal nach Zweibrücken zu fahren. Da fehlt jede Verhältnismäßigkeit.“ Die Entscheidung fällt ihm nach eigenen Angaben „sehr, sehr schwer“. Doch für ihn hat sich die Sparkasse Südwestpfalz „vergaloppiert und ist auf dem Rückzug“. Die Reaktionen der Mitarbeiter in der neuen Bank hätten seinen Eindruck bestätigt. Dort wurde er „mit einem Lächeln empfangen und gefragt, ob ich bisher Sparkassenkunde war“, so Scharfenberger.

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