Hornbach Drei Skulpturen, drei Generationen – die Ausstellung „Was bleibt?“

Die Ausstellung wird voraussichtlich zwei Monate lang zu sehen sein.
Die Ausstellung wird voraussichtlich zwei Monate lang zu sehen sein.

Die Saxofonklänge kommen aus dem Grab. Sie dringen zu den Besuchern vor, die wegen drei Skulpturen in die Hornbacher Pirminiuskapelle gekommen sind. Sie stehen im Kreis um das Grab herum, wo der Klostergründer und Heilige Pirminius einst seine letzte Ruhe fand. Der Holzbildhauer Andreas Kuhnlein hat den Heiligen aus Holz geschaffen. Samt Gegenwart und Zukunft.

In der Pirminiuskapelle neben der Hornbacher Klosterkirche treffen zurzeit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander. In Form von Holzskulpturen, die der international bekannte bayerische Holzbildhauer Andreas Kuhnlein erschaffen hat. Ursprünglich gedacht waren sie für den Pirminiusgarten in Blieskastel-Altheim. Als Ausstellung machen sie sich aber auch ganz gut.

Bei der Ausstellungseröffnung am Samstag konnte man schon mal den Blick über die drei Skulpturen schweifen lassen, während Georg Maier, der vor seinem Saxofonspiel ein paar Schritte ins leere Grab des Pirminius gegangen war, wirbelnde Klänge erzeugte. Die akustische Kunst gesellte sich zur visuellen. Die Musik schuf einen Zugang zu den Skulpturen, öffnete den Geist für die verschiedenen Dimensionen.

„Wenn nicht hier, wo dann?!“

Die größte Skulptur ist der Heilige Pirminius. Er ist ganz glatt gearbeitet und hält ein Kreuz in der Hand. Eine Schlange ringelt sich unter seinem Gewand hervor. Das lässt einen ans biblische Paradies denken, an den Zwietracht säenden Satan. Das ist das Schöne an der Ausstellung: Wenn man nicht unbedingt etwas mit Religion am Hut hat, muss man die Skulpturen auch nicht unbedingt im biblischen Kontext sehen.

Der Saarbrücker Kulturreferent Peter Michael Lupp sagte am Samstag zum Ort der Ausstellung: „Wenn nicht hier, wo dann?!“ Denn das Kloster in Hornbach war das letzte, das Pirminius gegründet hat. 753 wurde er in der Kapelle begraben, in der die Besucher der Ausstellung mit dem Titel „Was bleibt?“ stehen.

Aber keine Angst: Der Saxofonist, der von Claudia Kolb an der Trommel begleitet wurde, stand bei seinem Spiel nicht neben den Gebeinen des Bischofs. 1953 wurde ein Teil der Reliquien zurückgegeben – sie werden in Innsbruck aufbewahrt.

Ein Abbild unserer Generation

Der Titel „Was bleibt?“ wagt einen Blick in die Zukunft, schaut aber auch in die Vergangenheit. Neben der größten Skulptur des Pirminius steht eine weitere. Sie ist kleiner und grob gearbeitet. Die Oberfläche ist zerklüftet und unstet. Und wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man, dass die Figur kein Herz hat. An dessen Stelle ist ein Hohlraum. Wenn das mal keine gelungene Metapher für die grenzenlose, jeder Moral entsagende Gier ist.

Der Blick der Skulptur ist grimmig, die Hakennase schnuppert schon an neuen Sachen: ein Abbild unserer Generation – Konsum bis zum Exzess, ständig auf der Suche nach etwas Besserem. Die von Pirminius gelebte Beständigkeit, Bescheidenheit und das benediktinische Credo „In allem halte Maß“ sind längst vergessen. Wir müssen uns nur umschauen oder können gar mit dem Finger auf uns selbst zeigen: Jeder will ständig etwas noch Besseres. Aber wie lange kann das gut gehen?

Voraussichtlich zwei Monate zu sehen

Die ungewisse Zukunft symbolisiert Kuhnlein, der die Figur des Pirminius aus einem einzigen Eichenstamm gehauen hat, mit einer dritten Figur. Sie steht abseits auf einem Sockel – den anderen beiden gegenüber. Nur ihr Oberkörper ist ausgebildet. Denn eigentlich ist die Skulptur noch gar nicht wirklich da. Sie schwebt in der Scheinwelt der Zukunft und soll die nachfolgende Generation darstellen. Der Kreis schließt sich: Die tugendhafte, bescheidene Vergangenheit geht in das genaue Gegenteil über – und transformiert sich schlussendlich in jenes Ungewisse, das es angesichts der jetzigen verschwenderischen, rückgratlosen Generation schwer haben wird.

Beate Lambert, die Ortsvorsteherin von Altheim, einem Stadtteil von Blieskastel, erzählt der RHEINPFALZ, dass die Ausstellung zuvor schon an zwei anderen Orten zu sehen war: in Altheim und in Böckweiler (ebenfalls Blieskastel). Hornbach bildet die dritte vorübergehende Heimat. Dort werden die drei Skulpturen voraussichtlich zwei Monate bleiben.

Lieder für die Ausstellung geschrieben

Die Figur der Gegenwart hat zwar kein Herz, aber genau das thematisierte Georg Maier am Samstag in seinem dritten Lied „Offenes Herz“. Es vereinte flirrende Fragmente mit einem melodischen Zirpen. Maier hatte die drei Stücke übrigens extra für die Ausstellung geschrieben. Inspiration findet er überall, erzählt er der RHEINPFALZ. Durch die Musik wurden die Figuren auf jeden Fall greifbarer.

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