Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Dracula geistert durch die Saarlandhalle

Szene aus dem Musical „Dracula“ mit Jan Ammann in der Titelrolle.
Szene aus dem Musical »Dracula« mit Jan Ammann in der Titelrolle.

Ein packender Musicalabend: „Dracula“ fesselte das Publikum in der Saarlandhalle mit düsteren, aber auch poetischen Momenten.

Blitze zucken, Donner grollt und dichter Nebel zieht über die Bühne. Blutige Hälse und düstere Gestalten lassen keinen Zweifel: In der Saarbrücker Saarlandhalle erwacht die Welt der Vampire zum Leben. Begleitet von kraftvollen Kompositionen, gespielt von einer Live-Band hinter dem Vorhang, beginnt ein Musicalabend voller Gänsehaut. Rund 1050 Gäste verfolgen gespannt die Aufführung von „Dracula“. In den Hauptrollen stehen zwei bekannte Musicaldarsteller: Jan Ammann als Graf Dracula und Lisa Habermann als Mina, in die sich der Vampir verliebt.

Sehnsucht nach dem ewigen Leben

Zwischen düsterem Licht, donnernder Musik und dramatischen Szenen entfaltet sich eine Geschichte über Sehnsucht, Macht und die Versuchung des ewigen Lebens. Schon früh wird ein starkes Symbol sichtbar: das helle Kreuz gegen das Böse. Das Kruzifix steht immer wieder als Zeichen des Widerstands gegen den Teufel und gegen die dunkle Macht des Grafen Dracula. Dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung.

Auch optisch beeindruckt die Produktion. Die Kostüme sind aufwendig, und der Gesang der Darsteller erinnert an eine Oper. Jede Stimme wirkt professionell und kraftvoll. Die Sänger füllen ihre Rollen mit außergewöhnlichem Ausdruck. Das Bühnenbild ist im barocken Stil gestaltet. Besonders auffällig ist eine große Treppe im Hintergrund, die auf einer Seite beginnt und auf der anderen Seite endet. Diese Architektur wird im Verlauf der Handlung geschickt genutzt. Zudem ist das Bühnenbild wandelbar: Farben wechseln, Lichtstimmungen passen sich den Szenen an und schaffen so eine einzigartige Atmosphäre.

Licht und Schatten

In der Hauptrolle überzeugt Graf Dracula, gespielt von Jan Ammann, der vielen Musicalfans bereits aus Tanz der Vampire bekannt ist. Mit enormer Bühnenpräsenz verkörpert er den geheimnisvollen Grafen. In einer Szene beobachtet er einen Mann beim Rasieren. Als dieser sich schneidet, bezeichnet Dracula ihn kühl als „Spielzeug der menschlichen Eitelkeit“ und leckt anschließend das Blut von der Klinge.

Eine große Rolle spielt die Symbolik von Licht und Dunkelheit. Oftmals zucken Blitze über die Bühne, und wenn Dracula erscheint, taucht rotes Licht die Szene in ein blutiges Rot. Effekte fast wie aus einem Film. Unheimlich wird es, als drei Vampirfrauen in weißen Kleidern auftreten. Sie singen: „Ich will dein Blut in meinem Mund.“ Der Graf versucht sie zu beruhigen und gibt ihnen zunächst ein Stück Fleisch, schließlich sogar eine Frau. Diese Szene zeigt eindrucksvoll die dunkle Welt der Vampire.

Märchen gegen die Düsternis

Doch es gibt auch märchenhafte Momente. Immer wieder wird mit Seidentüchern gearbeitet, die über die Bühne schweben und den Szenen eine fast traumhafte Wirkung verleihen.

Die Inszenierung überzeugt daneben durch schnelle Szenenwechsel. Immer wieder entstehen neue Bilder auf der Bühne, wiederum fast wie in einem Film. Die Musik ist kraftvoll und dramatisch. Mal laut und rockig, mal leise und gefühlvoll, trägt sie die Handlung durch den Abend. Die epischen Kompositionen stammen vom bekannten Komponisten Frank Wildhorn, der unter anderem auch Welthits für Whitney Houston schrieb. Seine Musik verleiht der Geschichte eine besondere emotionale Tiefe.

Tragische Liebe

Im Zentrum der Handlung steht eine tragische Liebesgeschichte. Dracula verliebt sich, und in einem Lied singt er von der „Gier nach neuem Leben“, dafür verwandelt er sich vom gruseligen Vampir in einen Menschen. Dabei stellt sich fast unweigerlich die Frage: Darf Dracula eigentlich so gut aussehen?

Immer wieder steht der Graf oben auf der Treppe, während unten die Welt der Menschen sichtbar ist, ein starkes Bild für die Trennung zwischen Realität und der dunklen Welt der Vampire. Die Frau, die er begehrt, ist aber schon einem anderen versprochen. „Ein braver Mann, ich lieb’ ihn so sehr, wie er mich liebt.“ Doch schon bald verändert sich alles, als sie Grad Draculas Stimme hört, denn sie empfindet für ihren Verlobten „statt hellem Schein nur dumpfes Licht“.

Starke Bilder, intensive Musik

Die Geschichte wird immer dramatischer. Gefühle von Sehnsucht, Liebe und Verzweiflung prägen die Handlung. Dracula kann die Liebe von seiner geliebten Mina für sich gewinnen. Ein Satz bleibt besonders im Gedächtnis: „Du hast mich zu einem anderen gemacht, ohne es zu wollen.“

Zum Schluss erzählt Dracula von seiner ersten großen Liebe, die er einst als junger Mann im Krieg verlor. Hinter einem Vorhang wird diese Geschichte wie in einem Film nachgespielt: Zwei Schauspieler stellen die Vergangenheit dar, während der Graf voller Sehnsucht zu Mina sagt: „Du bist zurückgekehrt.“ Am Ende bleibt ein Eindruck von großer Dramatik, starken Bildern und intensiver Musik. Dracula in der Saarlandhalle erweist sich als überragendes Musicalerlebnis, das das Publikum zwischen Faszination und Gänsehaut zurücklässt.

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