Zweibrücken Die Wochenend-Kolumne: Ich bin der Meinung, dass ...

Georg Altherr
Georg Altherr

War das ein Bohei, als Bundestrainer Löw neulich sagte, er verzichte künftig auf die Weltmeister Boateng, Müller und Hummels. Jene, die sich darüber aufregen, erinnern sich nicht mehr an den 20. Mai 1959 oder an den 1. April 1979. Im Mai 1959 spielte die deutsche Fußballnationalmannschaft 1:1 gegen Polen – und mit Karl Mai stand in der Elf nur noch ein einziger Weltmeister von 1954. Im April 1979 trennte sich die deutsche Elf mit 0:0 von der Türkei – und mit Rainer Bonhof kam nur noch ein einziger Weltmeister von 1974 zum Einsatz. Manchmal hilft eben der Blick zurück, um gelassener zu urteilen. Groß war nämlich neulich das Bohei im Stadtrat, als es darum ging, einen gemeinsamen Schulentwicklungsplan für die gesamte Südwestpfalz zu bestellen. Die SPD argumentierte stundenlang, es sei nicht Aufgabe der Politik, sich über die Schulentwicklung Gedanken zu machen, sondern das sei Sache der Schulen selbst. Zunächst: Selbstverständlich ist es Aufgabe einer Schule, sich zu überlegen, was sie will und wohin sie will. Aber nehmen wir einmal die Herzog-Wolfgang-Realschule. Sie hat sich gewiss vorgenommen, eine gute Realschule zu sein und ihren Schülern viel mitzugeben, damit sie optimal ins (Berufs)-Leben starten können. Soweit die Theorie. De facto hat sich die Herzog-Wolfgang-Realschule in der kurzen Zeit ihres Bestehens zu einer Schule entwickelt, die vom Niveau her irgendwo zwischen einer Förder- und einer Hauptschule liegt. Die Landespolitik hat sich in einer Art Allparteienkoalition dafür entschieden, die Hauptschule abzuschaffen und den Förderschulen den Garaus zu machen. Die Behauptung, dass man die Schüler, für die diese Schulformen passten, an Realschulen, Gesamtschulen oder Gymnasien integrieren könnte, ist widerlegt, wie das Beispiel Herzog-Wolfgang-Schule zeigt. Die Vorstellung ist Theorie geblieben, weil das Bildungsangebot dieser Realschulen den Bedürfnissen von Haupt- und Förderschülern nicht entspricht. Die Herzog-Wolfgang-Schule bekommt zu spüren, dass die bildungspolitischen Träume nicht zur Schule passen: Nur noch wenige Eltern melden ihre Kinder an dieser Schule an. Wenn die Politik die Ausrichtung der Schule nicht ändert, wird sie schließen müssen. Die Eltern halten ihre Kinder besser aufgehoben an der Gesamtschule in Contwig oder an der Mannlich-Realschule. Es ist deshalb ganz sicher die Aufgabe der Kommunalpolitiker in der Südwestpfalz, sich Gedanken darüber zu machen, wo welche Schulen bestehen sollen. Es geht dabei doch um die Frage: Überlässt man alles der Regierung in Mainz und dem Zufall – oder will man steuern. Wenn man steuern will, dann hätte man beispielsweise sagen können: Wir wollen die Realschule in Wallhalben erhalten, damit die Schulwege nicht zu weit werden. Oder man kann sagen: Für Pirmasens genügen zwei Gymnasien. Oder man kann sagen: Wenn ich in Contwig eine Gesamtschule habe, dann brauche ich in Zweibrücken keine zwei Realschulen. Dann reicht eine, und aus der anderen mache ich eine Förderschule.

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