Zweibrücken Die Wochenend-Kolumne: Ich bin der Meinung, dass ...

.Seit Thorsten Spelten nach Zweibrücken gezogen ist, tobt bei den Linken ein Glaubenskrieg: Wer ist links genug für die Linken? Spelten, der neue Vorsitzende der Zweibrücker Linkspartei, steht sehr weit links. Zwei der ursprünglich drei Mitglieder der Stadtratsfraktion stehen nicht ganz so weit links wie Spelten. Nicht zuletzt deshalb verließ der Sozialpolitiker Bernhard Schneider die Fraktion. Seither besteht die Linksfraktion nur noch aus zwei Mitgliedern: aus dem ziemlich linken Gerhard Burkei und dem nur halblinken Matthias Nunold. So sieht es jedenfalls Spelten. Und weil Spelten meint, dass Nunold viel linker sein müsste, lässt er keine Gelegenheit aus, Nunold ans Bein zu treten. Das mag angehen und auch noch ganz amüsant sein, so lange es um politische Positionen geht, um Streit in Sachfragen. Zum Beispiel: Sind die Linken gegen die Bebauung des Parkbrauereigeländes oder dafür? Doch spätestens diese Woche ist Spelten persönlich geworden – und zwar auf eine ganz linke Tour: Spelten hat Nunold indirekt unterstellt, Fraktionsgelder zumindest zeitweise veruntreut zu haben. Mit einem solchen Vorwurf kann man einen Politiker schnell erledigen. Wenn er denn zutrifft. Deshalb schauen wir uns die Sache mal genauer an. Spelten teilt mit, dass die Partei einen neuen Kassierer gewählt habe und dass er deshalb mit diesem bei der Bank war, um ihn als zeichnungsberechtigt eintragen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit habe er, Spelten, den Kontoverlauf auf dem Fraktionskonto geprüft und festgestellt, dass Nunold an zwei aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 3250 Euro abgehoben habe. Die Linke habe Nunold daraufhin aufgefordert, das Geld umgehend wieder auf das Konto einzuzahlen. Moment mal. In Deutschland gilt strikt: Fraktionsgelder dürfen nicht für Parteiaufgaben verwendet werden. Schon manche Partei, die dagegen verstieß, hat dafür teuer bezahlt. Wenn also jemand die Finger vom Fraktionskonto der Zweibrücker Linken zu lassen hat, dann ist das zuallererst der Parteivorsitzende Spelten. Allein die Fraktion hat zu entscheiden, wofür das Geld verwendet wird – und wie es aufbewahrt wird. Sechs Kandidaten treten morgen zur Oberbürgermeisterwahl an. Sie decken ein sehr breites politisches Spektrum ab. Wer bei diesem großen Angebot nicht wählen geht, der braucht hinterher nicht zu kommen, um in den nächsten acht Jahren über den gewählten Oberbürgermeister oder die Stadtpolitik zu schimpfen. Jeder Demokrat sollte sich in die Pflicht nehmen und zur Urne gehen.