Zweibrücken Die Trompete war mit Pflaster geflickt

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„Früher habe ich mal gesagt: Wenn ich 40 bin, hör ich auf, Musik zu machen. Das langt.“ Daraus sollte aber nichts werden. Erich Gingrich leitet auch 30 Jahre später immer noch ein paar Orchester. Dazu ist ihm die Musik einfach zu wichtig.

„Ich mache mit Sicherheit Musik, bis mir die Trompete aus der Hand fällt“, ist er sich sicher. Der ehemalige Leiter der Stadtkapelle kann gar nicht anders, denn schon im Alter von acht Jahren fing alles an: „Ich hab’ gesagt: Ich möchte ein Musikinstrument lernen.“ Welches ? Das war dem Jungen noch nicht so klar. Er begann mit Geige, weil sein Lehrer Erich Seegmüller in Contwig meinte, für Trompete wäre er zu jung. „Ich wusste damals gar nicht, was eine Geige ist, aber ich dachte: Ich guck mir das mal an. Er hat mir eine Geige zur Verfügung gestellt, die er in der Kriegsgefangenschaft selbst gebaut hat“, erinnert sich Erich Gingrich. „Meine Mutter hat das sehr unterstützt. Aber wir hatten das Geld nicht, also ist sie dafür putzen gegangen.“ Zwei Jahre später kam Trompetenunterricht dazu, auch bei Seegmüller, der ihm wieder aushalf. „Die Trompete war an den Lötstellen mit Pflaster zusammengeflickt. Manchmal war sie undicht und es lief Wasser raus,“ weiß Gingrich noch. Er sparte für die ersten eigenen Instrumente: 1958 für eine neue Geige, 1960 kam eine gebrauchte Trompete. An seine Kindheit denkt Gingrich trotz gern zurück: „Ich bin zwar in die Schule gegangen mit Kleidern, die meine Mutter aus Resten von Sachen meines Vaters selbst geschneidert hat, aber ich möchte diese Zeit – meine Kindheit und Schulzeit in der evangelischen Volksschule Contwig – nicht missen. Man hat alles intensiver erlebt als heute in der Konsumgesellschaft. Heute haben die Kinder Unmengen von Spielsachen und wissen oft nicht, was sie damit machen sollen. Wir haben unsere Spielsachen selbst gebaut, waren viel im Freien, haben uns in der Schule spontan verabredet für den Nachmittag.“ Gingrichs erste Station als Trompeter war 1961 die Stadtkapelle Zweibrücken, die damals noch als Feuerwehrkapelle Zweibrücken auftrat. 1963 trat er in das Tanzorchester Blauweiß ein, heute die Swing Collection. 1988 wurde er ihr Leiter. Es war sein erster Dirigentenposten. 1992 bis 2002 leitete er auch die Stadtkapelle. Und 1997 wurde er Dirigent beim Musikverein Schwarze Husaren in Kleinsteinhausen. „Da bin ich heute noch Dirigent, im 19. Jahr.“ 2003 gründete er das Jugendorchester in Kleinsteinhausen. Auch militärisch war Gingrich auf Zack: Von 2000 bis 2008 leitete er den Bundeswehrreservistenmusikzug des Saarlandes – mit Gastauftritten in Hannover, Stuttgart und Berlin. „In Berlin haben wir 1975 bei der Weltgymnastrade zum Einmarsch ins Olympiastadion gespielt,“ erinnert er sich. Zu Hause hat er eine ansehnliche Sammlung von Auszeichnungen: 2004 überreichte ihm der Verband der Kriegsopfer die Spinoza-Medaille, 2009 erhielt er vom Verbund der Reservisten die Ehrennadel in Bronze und vom Bundesverteidigungsminister das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Und in diesem Jahr zeichnete ihn der Deutsche Musikverband mit der Ehrennadel in Gold mit Brillanten für 60 Jahre Musikertätigkeit aus. Gingrich interessierte sich auch für Fußball und war lange Jahre aktiver Sportler in Bottenbach, wo er heute auch noch lebt. „Aber die Musik stand immer im Vordergrund. Und die Jugendarbeit. Heute mache ich ganz viel Jugendarbeit.“ In der eignen Jugend hatte Gingrich, der morgen 70 Jahre wird, dagegen nur wenig Kontakt zu Älteren. Dabei ist er überzeugt: „Musik schlägt eine Brücke zwischen den Generationen. Die Arbeit mit den jungen Leuten macht mir unglaublich viel Spaß. Sie hat mich jung gehalten.“

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