Die Wochenend-Meinung
Die Stadt sollte die Vorschläge der Radfahrer ernst nehmen
Zweibrücken ist für Radfahrer keine gefährliche Stadt. Da gibt es die Achsen an Schwarzbach, Hornbach und der Autobahn, auf denen man schnell und fast ganz ohne Autoverkehr ins Wallhalbtal, nach Frankreich oder in den Bliesgau kommt. Ob man in der Innenstadt sicher unterwegs ist, hängt eher davon ab, ob Autofahrer Rücksicht nehmen, sich kurz gedulden und dann erst mit Abstand überholen oder abbiegen.
Alles gut, also? Nein! Es gibt Stellen, die im besten Fall wenig durchdacht sind, im schlimmsten Fall mit einem bösen Unfall enden können. Es gibt Strecken, wo der Radweg eher den Autos nutzt: Da geht es anscheinend eher darum, die Radfahrer von der Straße zu scheuchen, die möglichst frei bleiben soll. Da gibt es Markierungen, die gar nicht zur Beschilderung passen und die sogar dazu auffordern, gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen. Dann fährt man als Geisterfahrer in die falsche Richtung und wird von den Autofahrern an Ausfahrten und Einmündungen ganz leicht übersehen.
Nun hat sich in den vergangenen 20 Jahren in Zweibrücken einiges für Radfahrer getan. Zum Beispiel werden die Radfahrer nur noch hier und da zu den Fußgängern auf den Gehweg verbannt. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass vieles noch Stückwerk ist, dass Radfahrer bei Planungen noch zu oft als Beiwerk gesehen werden und dass ein Gesamtkonzept fehlt.
Die gestern zu Ende gegangene Aktion Stadtradeln könnte ein Startschuss sein, das zu ändern: Da war auch OB Marold Wosnitza bereit, sich „auf eine Affäre mit dem Fahrrad einzulassen“, wie er sagte. Wäre toll, wenn es nicht bei der Affäre bliebe, sondern eine dauerhafte Beziehung daraus würde!
Das Radfahren muss ja nicht gleich zur Chefsache werden, aber mehr Fahrt aufnehmen sollte es bei der Stadt schon. Beim Stadtradeln konnten die Teilnehmer Verbesserungsvorschläge machen und Ideen einbringen. 36 Meldungen sind eingegangen. Getan hat sich bisher nichts: „unbearbeitet (36/36)“ steht noch auf der Internetseite. Hier könnte die Stadt anknüpfen – manches ist einfach und günstig umzusetzen und bringt doch viel.
Im besten Fall holt sich die Stadt noch Ideengeber dazu, die die gefährlichen Stellen, Hindernisse und Widersprüche aus eigener Erfahrung kennen und nicht nur vom Reißbrett oder vom Autofenster aus.