Saarbrücken Die kanadische Bluessängerin Layla Zoe fühlt sich Gott verbunden
Sie spielen am Sonntag, 6. Juli, in Saarbrücken bei der Konzertreihe „Sonntags ans Schloss“, wo Sie schon letztes Jahr aufgetreten sind. Erinnern Sie sich daran?
Ja, wir hatten letztes Jahr eine wunderbare Zeit dort. Das Wetter war gut, es waren viele Leute da, um die Show zu sehen und die Stimmung vor und nach der Show war wunderbar. Wir freuen uns sehr darauf, wiederzukommen.
Wird es ein Best-of von Layla Zoe sein, oder werden Sie auch ein paar neue Songs spielen?
Wir werden wieder Titel der „Into the Blue Tour“ spielen – allerdings ist dies Teil zwei dieser Tour. Die Tour besteht zur Hälfte aus Eigenkompositionen und zur Hälfte aus Coversongs. Aber diesmal werden wir ganz andere Songs spielen als vergangenes Jahr. Ich habe mich für diese Tourstruktur entschieden, weil ich normalerweise nie viele Coversongs spiele, ich diesmal aber Geschichten über die Songs und Künstler erzählen möchte, die mich als Kind inspiriert haben. Die Fans haben Teil eins der Tour geliebt, deshalb habe ich beschlossen, eine weitere Tournee nach diesem Konzept zu machen.
Wann wird es eigentlich ein neues Album von Ihnen geben?
Ich habe letztes Jahr ein Album mit dem Titel „Into the Blue“ veröffentlicht, ein Live-Album. Es ist insgesamt mein 19. Album. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr ein weiteres Studioalbum machen kann.
Sie haben einige Zeit in Deutschland gelebt. Was hat Sie als Kanadierin hierher geführt?
Ich bin 2014 nach Deutschland gezogen, weil ich zwischen 2011 und 2014 mehr in Europa als in Kanada aufgetreten bin. Also machte der Umzug Sinn, auch weil ich zu der Zeit bei einem deutschen Plattenlabel war und sie mir beim Umzug geholfen haben.
Wie haben Sie Ihre Zeit in Deutschland empfunden, was hat Sie inspiriert, was hat Sie irritiert oder was hat Sie überhaupt nicht angesprochen?
Ich habe viele Dinge am Leben in Deutschland geliebt, vor allem die Fans und die Musikszene hier. Ich habe mit wunderbaren Musikern gearbeitet. Ich habe es auch genossen, in einem kleinen Dorf zu leben, die Menschen dort kennenzulernen und Zeit in der Natur zu verbringen. Der Verkehr auf der Autobahn hat mir nicht gefallen. Aber insgesamt fand ich die Menschen, die Landschaft und das Touren in Deutschland sehr schön und tue es immer noch, da Deutschland immer noch 85 bis 90 Prozent meiner Konzerte pro Jahr ausmacht.
Haben Sie darüber hinaus immer noch eine besondere Beziehung zu Deutschland?
Ja, auf jeden Fall, denn einige meiner engsten Freunde in Europa sind Deutsche. Und ich trete von allen europäischen Ländern am häufigsten in Deutschland auf und ich bleibe immer noch in Kontakt und arbeite mit vielen deutschen Musikern, Agenten, Produzenten, Songwritern und Tourmanagern zusammen.
Sie haben einige Live-Alben gemacht. Spiegeln sie die Musikerin Layla Zoe mehr wider als Studioalben?
Ich würde nicht sagen, dass Live-Alben einen Künstler notwendigerweise besser widerspiegeln als ein Studioalbum, aber wenn ein Künstler auf einem Live-Album und live auf der Bühne gut klingt, dann weiß man, dass er echt ist. Ein Studioalbum kann so überproduziert und bearbeitet sein, dass man nicht mehr weiß, wie ein Künstler wirklich klingt. Live-Alben geben Dir die Möglichkeit, einen ehrlichen Sound zu hören. Aber letztendlich bietet ein Live-Konzert die beste Interpretation eines Künstlers.
Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?
Blues, Bluesrock, Jazz, Soul, Singer-Songwriter, Rock... Ich mache alles. Ich liebe alle Genres, also wirst Du alles hören. Ich spiele nicht nach den Regeln des Musikgeschäfts und kümmere mich nicht nur um die Marktfähigkeit. Ich konzentriere mich darauf, Musik zu machen, die ich liebe, für Leute, die sie hören wollen. Das ist alles. Das ist ganz einfach.
Inwiefern unterscheidet sich Ihre Musik heute von der, die Sie zu Beginn Ihrer Karriere gemacht haben?
Der Unterschied liegt in der Zusammenarbeit mit besseren Musikern und in der jahrelangen Erfahrung. Als ich in Kanada anfing, habe ich mehr mit Amateurmusikern gearbeitet. Je besser die Musiker, desto besser die Musik und die Songs, die ich schreiben kann. In Kanada habe ich 2006 mein erstes komplettes Album mit einem Mann in einem Heimstudio aufgenommen, das ihm gehörte. Aber er war ein Amateurmusiker, und das Album spiegelt das wider. Als ich dann 2010 mit Henrik Freischlader und 2018 mit meinem früheren Gitarristen Jan Laacks zusammenarbeitete, um Songs zu schreiben, war das Songwriting, die Produktion und die Musikalität viel fortschrittlicher. Je besser das Team, desto besser die Musik. Und natürlich haben sich mein Songwriting und meine Stimme über die Jahre sehr weiterentwickelt.
Wer hat Sie musikalisch am meisten beeinflusst?
Viele Leute haben meine Musik, mein Songwriting und meine Gesangsphrasierung beeinflusst. Was das Songwriting angeht, würde ich sagen, dass ich mich anfangs von Bob Dylan, Tom Waits, Neil Young und Joni Mitchell inspiriert fühlte. Was die Phrasierung des Gesangs angeht, waren es Muddy Waters, Sam Cooke, Janis Joplin, Aretha Franklin, Billie Holiday und Van Morrison. Und für die allgemeine Musikalität liebe ich Gitarristen wie Frank Zappa, Peter Green, Roy Buchanan, die, obwohl ich ihr Instrument nicht spielen kann, durch ihre emotionale Wirkung mich als Zuhörer inspiriert haben.
Was würden Sie als den Höhepunkt Ihrer bisherigen Karriere bezeichnen?
Zu viele, um sie zu nennen. Aber ich erwähne in diesem Zusammenhang immer noch gerne die beiden Male, als ich die Bühne mit Jeff Healey geteilt habe, denn da war eine Elektrizität auf der Bühne, die ich seitdem nicht mehr gespürt habe. Er war auch abseits der Bühne lustig und ein so wunderbarer Mensch. Ich war so gesegnet, ihn zu treffen und mit ihm zu arbeiten, bevor er von uns ging.
Haben Sie einen Traum, wo oder mit wem Sie gerne spielen möchten?
Früher träumte ich davon, mit BB King zu arbeiten. Aber diese Zeit ist nun vorbei und nicht mehr möglich, da er nicht mehr lebt. Ich denke, wir alle wollen in diesem Geschäft Anerkennung für die jahrzehntelange harte Arbeit, die wir geleistet haben. Aber auch diese Zeit ist für mich vorbei. Ich kümmere mich nicht um Auszeichnungen, Magazincover, große Auftritte oder namhafte Produzenten. Ich will einfach nur auf Tour gehen und Spaß haben und die Leute etwas spüren lassen. Und so konzentriere ich mich darauf, etwas tun zu können, was ich liebe – und das ist genug. Der Rest des Geschäfts ist einfach Unsinn.
Sie geben seit über 20 Jahren Konzerte, haben Sie da noch Lampenfieber?
Normalerweise habe ich kein Lampenfieber, aber wenn zwischen den Konzerten viel Zeit vergangen ist, oder wenn neue Musiker mit mir auf der Bühne stehen, oder wenn ich zum ersten Mal neue Lieder singe, dann bin ich schon manchmal nervös. Aber im Großen und Ganzen bin ich dazu geboren, also fällt es mir relativ leicht, auf die Bühne zu gehen. Wenn ich singe, fühle ich mich auf eine Weise mit Gott verbunden, die ich nicht erklären kann. Aber ich denke, die Zuhörer verstehen es, wenn sie mich hören, während wir gemeinsam auf diese musikalische Reise gehen ...
Bitte nennen Sie drei Gründe, um zum Konzert zu kommen.
Ich werde auf der Bühne mein Herz und meine Seele geben. Ich werde andere Lieder spielen als im letzten Jahr. Und ich werde sicherlich versuchen, sie etwas fühlen zu lassen. Dafür ist Musik da.
Konzert
Sonntag, 6. Juli, 11 Uhr: „Sonntags ans Schloss“ im Saarbrücker Schlossgarten. Der Eintritt ist frei.
Zur Person
„Meine Show ist roh, ehrlich, emotional und intensiv“, sagt Layla Zoe. Die Kanadierin mit der rauchigen Stimme gewann 2016 einen European Blues Award als „Beste Sängerin“ und viele weitere Preise. Eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und eine vor Temperament sprühende Bühnenkunst sind das Markenzeichen dieser Künstlerin. Seit ihrem Debütalbum „Shades of Blue“ (2006) hat sie mehr als ein Dutzend Alben veröffentlicht, unter anderem mit Größen von Henrik Freischlader bis Sonny Landreth. Mit den Live-Alben „Back to the Spirit of 66“ und „Into the Blue“ (2024) unterstreicht sie ihre führende Position unter den Blues-Ladys und gehört in eine Reihe mit Ana Popovic und Dana Fuchs. Von zärtlich-feinsinnig bis hin zu starken Blues-Rock-Nummern beherrscht sie das Genre.