Zweibrücken Die harte Schule

21 Tage mit der Klampfe durch Europa. Das ist das Tourprogramm des gebürtigen Bostoners Brian Marquis, der am Karsamstag in Zweibrücken auftrat. Der 34-Jährige sang mit einem kraftvollen Organ gegen die Kulisse von rund 60 Leuten an, die ein Konzert der Extraklasse erleben durften. Wenn sie zugehört haben.
Wieder einmal beweist Marion Schneble, die mit Bastian Drumm unter dem Dach der Best’ Arts Bastards kleine, aber feine Konzerte organisiert, ein glückliches Händchen. Zumal der Eintritt zur Show von Brian Marquis kostenlos war. Der 1984 in Boston, Massachusetts, Geborene kann auf eine abwechslungsreiche Historie als Musiker zurückblicken. Von 2004 bis 2009 ist der Gitarrist Mitglied der Posthardcore Rockgruppe Therefor I Am, wo er auch ein wenig singt. Laut, schnell, kurz und heftig geht es da musikalisch zu. Im Jahr 2009 löst sich die Band allerdings ohne Angabe näherer Gründe auf. Brian Marquis lässt sich davon nicht entmutigen. Er macht als Solist weiter. 2014 veröffentlicht der nach Los Angeles Umgezogene mit „Blood & Spirits“ eine erste CD. Dort ist er Nachbar eines Musikers von Social Distorsion. Produzent des eigenen Silberlings ist Doug Grean, der immerhin schon Künstler wie den unlängst verstorbenen Scott Weiland (Stone Temple Pilots), Velvet Revolver und Sheryl Crow unterstützte. Marquis’ Songs sind kraftvoll, erdig; zum Teil gefüllt mit dem Staub der Straßen der Großstadt. „From Boston“ zum Beispiel ist eine schöne Hymne an die Geburtsstadt. „Kommst du aus Boston, trittst du einer irischen Gang bei“, singt er in einer eigentümlichen Mischung aus Melodie und Geschrei. Das ist eine Gabe, die wohl Überbleibsel von Marquis’ Wurzeln als Posthardcore-Musiker ist. Das volle Café Pastis lockt am Karsamstag viele Freunde an die Tische, die gemeinsam zwar ein wenig Musik erleben wollen, sich aber auch gerne lautstark unterhalten. Da hat es der in Zweibrücken Unbekannte schwer, sich durchzusetzen. Es gibt auf der Welt sicher Hunderttausende Typen an Gitarren, die sich an Straßenecken stellen oder in kleinen Kneipen auftreten, um dabei durch die härtestes Schule des Musizierens zu gehen. Sogar in und um Zweibrücken gibt es einige gute Beispiele hierfür. Der Unbekannte aus LA reiht sich hier mühelos ein. Aber er geht leider ein wenig zu sehr im Stimmengewirr unter. Marquis steigt mit der kraftvollen Ballade „Drink You Up“ in das Konzert ein. Die beginnt mit der mitreißenden Zeile „In the carcrash of your mind, where we both end up“. Das ist ein Satz voller trauriger Poesie, der kaum exakt in die deutsche Sprache übersetzen werden kann. Es geht hier um das Gefühlschaos zweier Menschen, die am Scheideweg stehen. Sie suchen in einer Szenerie aus Hoffnung und Verzweiflung nach Gemeinsamkeiten. Man kann die Musik von Marquis ein wenig mit derjenigen aus dem irischen Film „Once“ aus dem Jahr 2008 vergleichen. Da begegnen sich der Straßenmusiker Glen Hansard und eine ausgebildete Pianistin. Gemeinsam komponieren sie wundervolle Musik. Spielte dieser Film am Samstagabend im Café Pastis, wäre wohl auch hier irgendwann andächtiges Zuhören eingekehrt. Doch Marquis wird seine intelligenten Texte und mitreißenden Melodien leider eine Spur zu unbeachtet in die Menge streuen müssen. 21 Tage tourt der Amerikaner durch Europa, trat in Metropolen wie Wien, München und Köln auf. Aufgefüllt wurde sein Tourkalender durch Shows in kleinen Städten und Kommunen, wie Piesbach, Kusel und Zweibrücken. Dank der Best’ Art Bastards, die Ausschau nach Interpreten wie Marquis halten, kommen solche Musiker an freien Tagen in Lokalitäten, die sie sonst wohl nie bespielen würden. Hoffentlich kommt Brian Marquis, der schon als Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist Musik gemacht hat, und im Moment nebenbei als Zimmermann arbeitet, noch einmal hier her zurück. Es würde sich lohnen, ihm dann genauer zuzuhören.