Zweibrücken
Die Friedhöfe werden sich verändern
„Meine Mutter ist im Sommer jeden Tag auf den Friedhof gegangen“, erinnert sich Werner Boßlet, Vorstand des Zweibrücker Umwelt- und Servicebetriebs (UBZ), der sich auch um die Friedhöfe kümmert. Dass die Leute oft und regelmäßig zur Grabpflege auf den Friedhof kommen, das gebe es kaum noch: „Die Zeiten, wo abends ein Mütterchen gekommen ist und hat gegossen, das wird immer weniger.“ Man merke auch, dass die Menschen ihren Hinterbliebenen wenig Mühe bereiten möchten und sich schon vor ihrem Tod für eine Bestattungsform entscheiden, die weniger Aufwand erfordert. So habe man mittlerweile „weit über 80 Prozent Urnenbestattungen“, beschreibt Boßlet den Trend.
Das bedeutet, dass sich das Aussehen der Friedhöfe verändert. Die Gräber brauchen weniger Platz, gleichzeitig gibt es mehr Lücken, weil die Ruhezeit für ältere Gräber ausläuft, einzelne aber verlängert werden. So könne es Grabflächen geben, wo nur noch ein Grab zu finden ist, dort aber neben dem Vater noch die Mutter bestattet werden soll. Die Ruhezeit von 25 Jahren könne noch einmal um 25 Jahre verlängert werden, so dass man nun von 50 Jahren rede. „Das sind Generationen“, sagt der UBZ-Chef und ergänzt: „Friedhof braucht seine Zeit.“
Teile des Friedhofs verkaufen, das geht nicht
Auch wenn Grabfelder einmal völlig frei sind: Die Fläche verkaufen könne man nicht. So werden die Friedhöfe ihre jetzige Größe behalten. Werner Boßlet sagt jedoch: „Wir werden versuchen müssen, Flächen zu bekommen, die nicht so intensiv erhalten werden müssen.“ Denn das Teuerste am Friedhof seien die Personalkosten, erst recht, da hier vieles Handarbeit sei, auch weil der Friedhof ein sensibler Bereich ist: „Sie können da nicht einfach mit dem Rasentraktor drauffahren.“ Bei zwölf Friedhöfen könne man auch nicht überall alles sofort erledigen, sagt Boßlet auf den Einwand, dass sich immer mal wieder Leser melden, die bemängeln, die Friedhöfe seien nicht ausreichend gepflegt. Das hänge aber auch mit dem Thema Friedhof und Trauer zusammen: „Das ist immer emotional.“
Waren früher die Reihengräber mit Särgen und Grabsteinen die Regel, so bieten viele Städte und Dörfer mittlerweile deutlich mehr Bestattungsformen an. Bei Rasengräbern etwa sieht man nur eine Grabtafel mit dem Namen und den Lebensdaten des Verstorbenen. Dies gibt es auch als anonyme Gräber, wo diese Angaben beispielsweise auf einem Stein am Rand des Grabfelds angebracht sind, so dass nicht mehr zu sehen ist, wo genau der Verstorbene bestattet wurde. Immer beliebter werden auch die sogenannten Baumbestattungen, wo die Urnen an einem Baum beigesetzt werden – jede für sich oder mehrere Urnen um einen Baum gruppiert. Auf vielen Friedhöfen sieht man auch Urnenstelen, in denen die Urnen beigesetzt werden. Man werde versuchen, viele Bestattungsformen anzubieten, wobei nicht alles überall möglich sei, sagt Boßlet.
Über 400 Bestattungen im Jahr
420 bis 450 Bestattungen gebe es pro Jahr in Zweibrücken, aber es seien auch Friedhöfe dabei mit nur einer oder zwei Beisetzungen im Jahr. Für Boßlet ist ein Friedhof aber nicht nur ein Ort der Trauer, sondern er dient auch der Erholung, und sei es nur als kurze Auszeit in der Mittagspause. „Ich bin öfter mittags auf dem Friedhof“, erzählt der Vorstand der UBZ, die ihren Sitz gegenüber dem Hauptfriedhof hat.