Zweibrücken Die Ära Andreas Knüpfer endet

Stabwechsel bei der Industrie- und Handelskammer der Pfalz in Pirmasens: Auf den langjährigen Leiter des Dienstleistungszentrums
Stabwechsel bei der Industrie- und Handelskammer der Pfalz in Pirmasens: Auf den langjährigen Leiter des Dienstleistungszentrums, Andreas Knüpfer, folgt zum 1. April Jaana Schnell.

Sie will gezielt junge Unternehmer kontaktieren und dafür werben, dass diese in der Region bleiben. Das hat Jaana Schnell gestern angekündigt. Als neue Leiterin des Dienstleistungszentrums der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Pirmasens, zuständig auch für Unternehmen in Zweibrücken und der Südwestpfalz, spricht sie ab April für 11 000 Unternehmen mit 50 000 Beschäftigten.

Der IHK steht in der Südwestpfalz ein einschneidender Wechsel bevor. Nach 24 Jahren verabschiedet sich dort nun Andreas Knüpfer, Schnell wird seine Nachfolgerin. Die 37-Jährige ist in Norddeutschland aufgewachsen, hat Jura in Kiel sowie in Finnland studiert und zuletzt vier Jahre als persönliche Referentin des Hauptgeschäftsführers der IHK in Ludwigshafen gearbeitet. Seit ein paar Tagen wohnt Schnell in Pirmasens. In der Region fühle sie sich sehr wohl, erzählt sie. Für ihre Aufgabe hat sie schon ein paar konkrete Pläne. „Gerade den jungen Unternehmern mangelt es derzeit an Austauschmöglichkeiten“, sagt sie. Die neue Dienststellenleiterin will deshalb ein Netzwerk aufbauen, in dem sich jüngere Unternehmer austauschen können. Dabei wolle sie neue Wege gehen und gerne auch mal experimentieren, kündigt Schnell an. Neben der Leitung des IHK-Dienstleistungszentrums in Pirmasens übernimmt Schnell zudem die Aufgaben einer Compliance- und Qualitätsmanagement-Beauftragten der IHK Pfalz. Der 37-Jährigen sind zwei weitere Themen wichtig. So will sie, genau wie ihr Vorgänger, den Ausbau der B 10 vorantreiben. Außerdem ist sie überzeugt: „Wir brauchen eine bedarfsgerechte digitale Infrastruktur.“ Um den Ansprüchen des globalen Wettbewerbs zu genügen, seien die Betriebe auf leistungsfähige Netze angewiesen. Die Lebensqualität in der Region sieht Schnell als klaren Imagefaktor. „Die Südwestpfalz darf stolz auf sich sein und sich entsprechend darstellen.“ Sie sei „überwältigt“ von dem Freizeitangebot hier, von dem „Naturspektakel vor der Haustür“. Die Felsformationen rund um Dahn hätten sie an Australien erinnert, wo sie ein Jahr verbrachte, bevor sie 2015 zur IHK Pfalz kam. Für Schnell spielt auch der Blick über den regionalen Tellerrand eine Rolle. Die Tischrunden Pirmasens/Zweibrücken, bei denen sich IHK-Mitgliedsbetriebe einmal monatlich austauschen, will sie erweitern. Hierbei denkt sie daran, auch Unternehmen aus der Südpfalz oder anderen Teilen der Westpfalz einzubinden. Unterschiedliche Interessen zu bündeln und sie in Gesprächen mit Entscheidungsträgern zu artikulieren, das war seit 24 Jahren Andreas Knüpfers (65) Aufgabe. Der scheidende IHK-Chef hat noch einmal sein Credo wiederholt, das er all die Jahre mantrahaft vor sich hergetragen hatte: „Die Region kann mehr als viele vermuten.“ Der gebürtige Rheinhesse gewährt beim Pressegespräch auch einen Einblick in seine Arbeitsweise: „Vieles läuft vertraulich, sonst bekommt man keine Informationen.“ Das war Knüpfers tägliches Geschäft. Er erinnert daran, dass in seine Zeit die Debatten um das Outlet-Center und die Schließung des Flughafens in Zweibrücken gefallen waren. Der vierspurige Ausbau der B 10 ist ihm seit Jahren ein Herzensanliegen. Unzählige Male hat die IHK in seiner Amtszeit dazu Stellung bezogen und verdeutlicht, warum diese infrastrukturelle Frage für die Unternehmen in der Region so entscheidend ist. In seinem Resümee der vergangenen 24 Jahre verweist Knüpfer darauf, dass das Pirmasenser Dienstleistungszentrum mit seinen 18 hauptamtlichen Mitarbeitern eines von 31 Starterzentren in Rheinland-Pfalz sei. Mit seiner Nachfolgerin ist er sich einig, wenn er sagt: „Wir brauchen Jungunternehmer, und die bestehenden Firmen müssen wir hegen und pflegen.“ Das tue die IHK beispielsweise bei Sprechtagen oder individuellen Beratungen zu den Themen Steuer, Nachfolge, Recht oder Marketing. Das Dienstleistungszentrum der IHK Pfalz in Pirmasens ist Anlaufstelle für 11 000 IHK-Mitgliedsbetriebe in Pirmasens und Zweibrücken sowie im Landkreis Südwestpfalz. Die IHK Pfalz unterhält zusätzlich zur Hauptgeschäftsstelle in Ludwigshafen noch zwei weitere Dienstleistungszentren in Kaiserslautern und Landau. Damit die Arbeit in Pirmasens möglichst reibungslos weitergeht, sind im März sowohl Knüpfer als auch Schnell vor Ort. In diesen Tagen schreibt Knüpfer noch eine Stellungnahme zur geplanten Erweiterung von Möbel Martin in Zweibrücken. Die Bestandsentwicklung könne man Möbel Martin nicht verwehren, ist Knüpfer sicher. Ende März wird er offiziell verabschiedet. Und dann? Er sei „begeisterter Marathonläufer“, berichtet Andreas Knüpfer. Nun könne er sich darauf noch besser vorbereiten. Dieses Jahr will er den Zermatt-Marathon laufen. Er fühle sich noch jung und fit.

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