Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Junioren-Radler gewinnen renommierte Vier-Tages-Rundfahrt Trofeo Saarland

Junioren-Bundestrainer Wolfgang Ruser (hinten) war zurecht stolz auf die erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft mit (von links
Junioren-Bundestrainer Wolfgang Ruser (hinten) war zurecht stolz auf die erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft mit (von links) Maurice Ballerstedt, Marco Brenner, Leslie Lührs, Hannes Wilksch und Georg Steinhauser.

Radsport: Das gab’s noch nie bei 32 Auflagen der früheren Trofeo Karlsberg, der heutigen LVM Trofeo Saarland: Die Junioren-Radfahrer der deutschen Nationalmannschaft räumen alles ab, was abzuräumen geht. In die Spur zum historischen Erfolg biegen die Nachwuchsfahrer beim Mannschafts-Zeitfahren am Samstag ein. Die Schlussetappe am Sonntag rund um Walsheim gewinnt der Tscheche Pavel Bittner.

GERSHEIM. Selten hat die zum Abschluss gespielte deutsche Nationalhymne so gut gepasst wie am Sonntagnachmittag gegen 14.35 Uhr. Denn die deutschen Fahrer kamen bei der Siegerehrung gar nicht mehr von der Tribüne herunter. Die ersten Drei im Gesamtklassement nach vier Tagen, fünf Etappen und 454 Gesamtkilometern trugen das deutsche Trikot: Trofeo-Sieger Hannes Wilksch, der Zweite Marco Brenner und der Dritte Maurice Ballerstedt. Daneben sicherte sich die deutsche Equipe auch die Mannschaftswertung. Und auch alle diversen Trofeo-Trikots bekamen die Deutschen überreicht. Leslie Lührs war in Weiß bester Sprinter der Rundfahrt, ins gepunktete Jersey des besten Bergfahrers schlüpfte auch am Ende Georg Steinhauser. Und der Gesamtzweite und amtierende Deutsche Meister Marco Brenner freute sich über das rote Trikot für den besten Pedaleur des jüngeren Jahrgangs.

Kein Wunder, dass Bundestrainer Wolfgang Ruser vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach der letzten Zieldurchfahrt gleich zu seinen Jungs eilte, sie abklatschte und Sieger Hannes Wilksch umarmte. Seit elf Jahren ist Ruser für die Junioren zuständig, war also schon häufig im Bliesgau. So einen umfassenden Erfolg hat aber auch er noch nicht erlebt. „Seit dem Gesamtsieg von Patrick Haller im Jahr 2015, der damals keine Etappe gewonnen hatte, waren wir nicht mehr so erfolgreich.“ Mit dem Trofeo-Erfolg führt die deutsche Truppe weiter die Rennserie des UCI Nation’s Cup an.

Geniale Team-Zeit der Deutschen

„Besser geht’s nicht“, meinte denn auch der Gesamtsieger im grünen Trikot, Hannes Wilksch, nach dem Podium-Marathon. „Das ganze Team hat super gearbeitet“, lobte er seine Teamkollegen. „Ganz stark von uns war das Mannschaftszeitfahren“, sagte er rückblickend auf Samstagabend. Da hatten die Deutschen, etwas überraschend, das Gesamtklassement gedreht. Nach der morgendlichen Etappe rund um Homburg, Mörsbach und Käshofen hatte noch der Ukrainer Andrii Ponomar vorne gelegen, der auf der zweiten Etappe am Freitag der Schnellste im Ziel war.

Das Mannschaftszeitfahren stand erstmals auf dem Trofeo-Plan, früher ging es immer einzeln gegen die Uhr. „Wir wollten anlässlich des 30. Geburtstages des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim auch was für die deutsch-französische Zusammenarbeit tun“, erklärte Trofeo-Organisator Wolfgang Degott aus Gersheim. Daher diesmal das Zeitfahren von Bitsch nach Reinheim über 30 Kilometer, „für ein Einzelzeitfahren bis höchstens 15 Kilometer, wäre das zu lang gewesen“. „Das hat gut geklappt und war eine schöne Sache“, fand Degott. Auch am Sonntag waren noch französische und deutsche Motorradstaffeln gemeinsam bei der Streckenabsicherung im Einsatz. „Die Deutschen sind da eine geniale Zeit gefahren“, erkannte Degott die starke Leistung der Mannschaft beim Zeitfahren an. Das gewertete Trio Wilksch, Brenner und Ballerstedt fuhr die 31,6 Kilometer vom französischen Bitsch nach Reinheim in 39,14 Minuten und nahm damit dem bis dato führenden Ukrainer Andrii Ponomar über zwei Minuten ab.

„Die Jungs sind heute sehr gut gefahren, haben das Berg- und das Sprinttrikot prima abgesichert und die anderen Fahrer in der Gesamtwertung immer im Blick gehabt“, lobte Bundestrainer Wolfgang Ruser die Arbeit seiner Truppe auf dem Rad rund um Walsheim. „Es ist ein Top-Resultat“, meinte er, von einem besonders guten „Jahrgang“ will er aber nicht unbedingt sprechen. „Wir machen jetzt erst mal Pause, dann kommen in zwei Wochen wieder Bundesliga-Rennen, und danach geht’s weiter im Nations’s Cup.“ Im August steht die Europameisterschaft an und Ende September die Weltmeisterschaft in Großbritannien. Ob der Trofeo-Erfolg da neue Begehrlichkeiten weckt? „Ja schon. Aber bis dahin ist es noch lange hin“, sagt Trofeo-Gewinner Hannes Wilksch bescheiden.

Massensprint: Tscheche Bittner gewinnt Samstag-Etappe mit Pfalz-Abstecher

Von Roland Schreiber

HOMBURG. Spannend bis zur Zielgeraden war der Abstecher der 32. LVM Saarland Trofeo in die nahegelegene Pfalz am Samstag. Die 81 Kilometer lange Etappe, mit Start und Ziel in Homburg, gewann im Massenspurt der Tscheche Pavel Bittner vor den beiden Deutschen Hannes Wilksch und Leslie Lührs. Der Gesamtführende Andrii Ponomar aus der Ukraine kam im Hauptfeld an und verteidigte hier noch sein grünes Trikot.

Start der Etappe war um 12 Uhr am Christian-Weber-Platz. Noch 99 Junioren (17 und 18 Jahre alt), von ursprünglich 104 gestarteten Teilnehmern aus 17 Nationen, machten sich auf den hügeligen 20-Kilometer-Rundkurs, der viermal zu absolvieren war. Bei angenehmen warmem Temperaturen ging es zunächst in Richtung Kirrberg, dann hoch nach Mörsbach und Richtung Käshofen, und über die Strecke des 46. Homburger Bergrennens (am 13./14. Juli) wieder zurück über Sanddorf und Bruchhof zum Ziel in Homburg. In der ersten Runde gab es immer wieder kleine Ausreißversuche, doch kein Fahrer konnte sich entscheidend absetzen. Bei der Zieldurchfahrt im Homburg lagen drei Fahrer aus Schweden, Norwegen und Thüringen 20 Sekunden vor dem Hauptfeld, das die drei Junior-Pedaleure jedoch kurz darauf wieder einfing.

Brenner bis kurz vors Ziel top unterwegs

In der zweiten Runde konnte sich der Deutsche Meister Marco Brenner vom Feld absetzen, behauptete die Führung und fuhr nach der Hälfte der Distanz auch als Erster am Christian-Weber-Platz über die Ziellinie. Der 17-jährige Brenner, der im weißen Trikot des Sprintbesten gestartet war, baute auf der dritten Runde seine Führung bis auf zeitweise 1:30 Minute aus. Auf der hügeligen Strecke zwischen Mörsbach und Käshofen sicherte sich der junge Deutsche auch die Bergwertungspunkte. Auch bei der dritten Zieldurchfahrt in Homburg war er mit 25 Sekunden Vorsprung vor dem Hauptfeld immer noch allein in Führung, sicherte sich so ohne Gegenwehr die Sprintpunkte auf der kurzen Zielpassage. Am Ende des Tages konnte Brenner dadurch sein weißes Trikot als bester Sprinter auch verteidigen.

Auf der Schlussrunde ging dem Besten des jüngeren Jahrgangs aber etwas die Luft aus. Das Hauptfeld machte auch wieder mehr Tempo und fing Brenner kurz vor dem Ziel wieder ein. Beim Massensprint am Christian-Weber-Platz hatte dann der Tscheche Pavel Bittner die schnellsten Beine und flog vor den beiden Deutschen Hannes Wilksch und Leslie Lührs als Erster über den Zielstrich. Der Gesamtführende Andrii Ponomar aus der Ukraine kam im Hauptfeld als 28. ins Ziel und verteidigte vorerst seine Gesamtführung. Das weiße Trikot mit den roten Punkten für den besten Bergfahrer blieb beim Deutschen Georg Steinhauser.

Riss kurz vor Ende der 118 Kilometer aus und fuhr auf der Schlussetappe in Walsheim als Erster ins Ziel: der Tscheche Pavel Bitt
Riss kurz vor Ende der 118 Kilometer aus und fuhr auf der Schlussetappe in Walsheim als Erster ins Ziel: der Tscheche Pavel Bittner.
Eine kleine Ausreißergruppe geht in der ersten Runde der Trofeo-Etappe am Samstag, von Mörsbach kommend, den Anstieg nach Käshof
Eine kleine Ausreißergruppe geht in der ersten Runde der Trofeo-Etappe am Samstag, von Mörsbach kommend, den Anstieg nach Käshofen an.
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