Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Der Wallhalber Helmut Dehaut hat auch nach 50 Marathons noch einige in Planung

Selbst wenn Helmut Dehaut im Wald ganz locker trainiert, kommen schnell mal 20 Kilometer zusammen.
Selbst wenn Helmut Dehaut im Wald ganz locker trainiert, kommen schnell mal 20 Kilometer zusammen.

Seine Leidenschaft steht dieser Tage wieder ganz schön hoch im Kurs. Denn individuelles Laufen ist selbst im Corona-Lockdown erlaubt. Der Wallhalber Helmut Dehaut hat’s aber mit größeren Strecken. Und ein bisschen was hat er sich noch für die Rente aufgehoben.

Wer einen Hang zum Realismus hat, für den sind Laufstrecken von 100 Kilometern pure Utopie. Für die meisten Menschen ist schon die Marathonstrecke nur halbwegs vorstellbar. Solche Strecken gehören für Helmut Dehaut von der VT Zweibrücken aber zum Alltag.

Seinen größten Erfolg feierte der Wallhalber mit dem WM-Titel 2007 in Holland. In Winschoten, einer kleinen Stadt nahe Groningen, gewann er damals die Welttitelkämpfe im 100-Kilometer-Lauf. In seiner Chronik zum 150-jährigen Vereinsbestehen schrieb Präsident Otto Graßhoff: „Den Vogel schoss Helmut Dehaut ab.“ In der Altersklasse M45 lief er nach 7:12 Stunden ins Ziel. Den Lauf in etwa von Zweibrücken nach Karlsruhe absolvierte Dehaut damals mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nahezu 14 Stundenkilometern und einem Schnitt von 4:18 Minuten pro 1000 Metern.

Früher bis zu 250 Trainingskilometer pro Woche

Auch im folgenden Jahr in Italien war der heute 58-jährige Dehaut am Start. „Die Weltmeisterschaft in Holland war aber mein größter Erfolg“, sagt der VTler, der ein Jahr nach seinem Sensationssieg für die deutsche Nationalmannschaft nach 7:21 Stunden ins Ziel kam. Hinzu kamen Top-Zeiten bei x-fachen Teilnahmen an 100-Kilometer-Läufen. Auch beim Klassiker schlechthin, im schweizerischen Biel – einem Lauf, der nachts vor vielen Zuschauern stattfindet – lief er eine klasse Zeit: „Da war ich in der Gesamtwertung mal Zweiter.“

„Wenn ich mich früher auf Wettkämpfe wie Europa- oder Weltmeisterschaften vorbereitet habe, habe ich siebenmal pro Woche trainiert. Jeden Tag! Das war nur schlafen, arbeiten, trainieren, ein halbes oder dreiviertel Jahr lang. Da hat man null Zeit und ist dann auch froh, wenn es vorbei ist“, meint Dehaut, der bis zu 250 Trainingskilometer pro Woche abspulte. Die kürzesten Trainingseinheiten als Tempolauf betrugen 20 Kilometer, und es ging bis zu Ausdauerstrecken von etwa 60 Kilometern.

Erst mit 30 Jahren zum Laufsport gefunden

Schon in den Jahren zuvor war Dehaut auf Rekordjagd, verpasste den deutschen Rekord beim Sechs-Stunden-Lauf in Troisdorf nur um 300 Meter und lief fast 86 Kilometer. Etwa 50 Marathons in Berlin, Hamburg, aber auch in den Provinzen, wie in Kandel, hat er absolviert. „Die großen Läufe im Ausland will ich angehen, wenn ich in Rente bin“, berichtet Dehaut. Dann will er bei den Wettbewerben in London oder New York starten. Auch einen Marathon läuft Dehaut weit unter der Drei-Stunden-Marke.

Dabei hat Dehaut erst mit 30 Jahren mit dem Laufsport angefangen. „Vorher habe ich kaum Sport gemacht. Wie es im Alter so ist, merkt man dann irgendwann, dass man träge wird. Es war nie geplant, so lange zu laufen“, stellt der Läufer der VT Zweibrücken die Anfänge seiner Karriere dar, bei der er auch in der Laufgruppe von Jürgen Bischoff mitlief, der auf den Mittelstrecken Erfolg um Erfolg einheimste. Aber zehn Kilometer waren Dehaut schlicht zu kurz. „Schneller als 3:30 Minuten pro Kilometer schaffe ich nicht auf der kurzen Distanz. Aber einen Kilometer in 4:10 Minuten oder 4:15 Minuten zu laufen, damit habe ich kein Problem. Das könnte ich ewig laufen“, erklärt er.

Auf dem Plan: Etappenläufe quer durch Europa

In jüngster Vergangenheit wurde es etwas ruhiger um Helmut Dehaut, der zuvor in seinem Leben nie eine andere Sportart als Laufen intensiver ausübte. Lediglich ein bisschen Kraftsport machte er nebenbei. „Wegen der Arbeit war es nicht mehr möglich, so viel zu trainieren“, erzählt der Ausdauerläufer, der im Schichtbetrieb bei Opel in Kaiserslautern arbeitet. „Das ist körperlich auch nicht ohne“, meint der Wallhalber.

Zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr bremste ihn zudem eine Rückenverletzung aus. Inzwischen trainiert er längst wieder, „ein bissel“, meint er schmunzelnd. Normale Läufer werden gar nicht wissen wollen, was das bei ihm heißt. „Es gibt noch sehr viel interessante Sachen“, liebäugelt Helmut Dehaut für die Zukunft mit Etappenläufen quer durch Europa, die eine Gesamtlänge von bis zu 1000 Kilometern haben oder auch einem Ultralauf in Kanada – wenn es die Corona-Krise wieder zulässt.

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