Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Der SV 64 Zweibrücken 2: Eine meisterliche Mutti-Truppe

Gelegenheiten zu Kabinen-Selfies mit der ganzen Mannschaft gab es nach Siegen in dieser Saison mehr als genug für die Damen-Zwei
Gelegenheiten zu Kabinen-Selfies mit der ganzen Mannschaft gab es nach Siegen in dieser Saison mehr als genug für die Damen-Zweite des SV 64 Zweibrücken.

Meisterporträt: Noch fünf Spiele ohne Niederlage, und es hätte die perfekte Saison werden können. Denn die Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken 2 waren in der Saarlandliga nach 17 Spielen immer noch verlustpunktfrei. Denkwürdig war die Spielzeit dann auch durch den Abbruch wegen des Corona-Virus. Ein ungewöhnlicher Titelgewinn.

Am Ende war es trotz des Abbruchs eine einzigartige Saison, die die Damen-Zweite des SV 64 unter Trainer Christian Buchner und Co-Trainer Sebastian Meister da in der höchsten saarländischen Spielklasse hingelegt hatte – 17 Spiele, 17 Siege, bei 34:0-Zählern kein einziger Verlustpunkt. Und das mit einer Truppe, in der das Handballspielen im Leben nicht mehr an allervorderster Stelle steht, allein fünf Spielerinnen sind mehrfache Mamas. Nadine Zellmer hat drei Kinder; Conny Scherf, Katja Matle, Katrin Hoffmann und Katharina Koch haben jeweils zweimal Nachwuchs.

Mit großer Trainingsdisziplin

Und es ist nicht ganz einfach, mit den Dreikäsehochs zu Hause trotzdem seinem Sport nachzugehen. Schon gar nicht in Corona-Zeiten, wenn neben dem Arbeiten im Homeoffice noch Kinder bespaßt oder beschult werden sollen. Aber die Damen der SV-Zweiten hatten schon die ganze Saison über eine große Disziplin an den Tag gelegt. „Wirklich, die musste man kaum zum Training treiben oder im Training anstacheln“, staunte Trainer Christian Buchner, der das Team im dritten Jahr betreut und zusammen mit Marc-Robin Eisel auch noch die B-Jugend-Jungs des Vereins trainiert. „Die ärgern sich sogar, wenn sie mal gar nicht ins Training kommen können, so macht das natürlich Spaß.“ Auch Katharina Koch (38), im elften Jahr Richterin am Amtsgericht in Saarbrücken, versuchte das Training immer einzurichten. „Am Anfang zweimal, gegen Ende eher einmal. Man ordnet dem Handball eben nicht mehr alles unter wie früher“, sagt sie.

Und die beiden späten wöchentlichen Trainingseinheiten (montags und freitags von 20 bis 22 Uhr) liegen auch nicht ideal. „Freitags nach dem Job ist man halt echt müde“, meint dazu Katrin Hoffmann (38), die bei der Orbis AG in Saarbrücken arbeitet. Dennoch war die Trainingsbeteiligung immer recht hoch. Auch weil die Damen vor und nach dem Training gerne lange zusammen saßen und quatschten. Neben dem Teamtraining fehlt in Zeiten der Corona-Krise nun genau das, die schon vorher existierende Mannschaftgruppe bei Whatsapp ist kein gleichwertiger Ersatz.

Alt nimmt Jung unter die Fittiche

„Ja, die Gemeinschaft fehlt derzeit“, gibt auch Coach Christian Bucher (51), Industriekaufmann bei Kömmerling, unumwunden zu. Der passionierte Motorradfahrer hatte nicht damit gerechnet, dass es in dieser Saison so gut läuft. „Obwohl ja schon klar war, dass mit Kata Koch und Laura Witzgall aus der Ersten zwei starke Spielerinnen zu uns dazukommen“, meint auch Katrin Hoffmann. „Aber die Mannschaft hat sich vor der Saison zusammengesetzt und gesagt: Wir wollen vorne mitspielen“, verdeutlicht Buchner. Er hätte eher Marpingens Zweite oder die HSG TVA/ATSV Saarbrücken ganz vorne erwartet.

Aber dann lief es einfach wie geschmiert. Bereits nach einem Start mit 0:8-Punkten in der vorherigen Saison hatte sich die Truppe immer mehr gefunden. „Die Älteren nehmen die Küken wie Marlena oder Chiara unter ihre Fittiche“, unterstreicht Buchner. Ein Baustein auf dem Weg zur Meisterschaft war aus seiner Sicht die starke Abwehr. „Letztes Jahr waren wir noch defensiver. Diesmal haben wir eine 5:1-Deckung gespielt, mit Katrin oder Laura vorne und Katharina hinten.“

Rezept: zehn Jahre alte Spielzüge

Heraus kam die beste Abwehr und der beste Angriff mit 528:361-Toren. „Aber dass wir die Runde mit null Minuspunkten beenden, hätte ich nie gedacht“, räumt Hoffmann ein. Vorne im Angriff hielten sich die SV-Damen an Altbewährtes. „Wir kennen uns fast alle so lange, einige Spielzüge spielen wir schon seit zehn Jahren“, verdeutlicht Katharina Koch und lacht. „Na ja, in Kleingruppen gibt’s auch mal was Neues“, meint Hoffmann schmunzelnd. „Aber unser Trainer ,Buchi’ lässt uns da auch ganz viel Freiraum“, sagt Koch. Nicht alle Spiele waren klasse, „gegen Kirkel und Brotdorf waren wir anfangs miserabel, aber wir haben die Spiele dann noch gedreht“, erklärt Buchner. In Merzig gab’s danach ein schönes, spontanes Kabinenfest.

Regenerationszeit dauert heute etwas länger

Und warum nach langen Jahren in der ersten SV-Mannschaft immer noch Handball? „Ich kann es mir immer noch nicht vorstellen ohne Handball“, gibt Koch zu, „es bringt einfach viel Spaß. Auch den inneren Schweinehund zu überwinden.“ Dass die Regenerationszeit mittlerweile länger dauert, gibt Hoffmann zu: „Montags tut alles weh, es ist anstrengender als früher. Aber jeder versucht, sich fit zu halten.“ Sie ist nach einigen Jahren Pause im dritten Jahr wieder richtig bei der SV-Zweiten dabei. „Davor hab’ ich unheimlich viel gearbeitet und wollte dann was ändern. Und Handball macht mir halt am meisten Spaß, auch mit den vielen alten Mitspielerinnen.“

Katrin Hoffmann hätte die Saison gerne zu Ende gespielt – auch, um zu sehen, ob es bei null Verlustpunkten geblieben wäre. Christian Buchner glaubte schon Mitte März nicht mehr an einen Wiederbeginn. „Aber wir fühlen uns auch so als Meister“, meint Katharina Koch zufrieden.

Saison in Zahlen

Saarlandliga Frauen: 1. Platz, 34:0-Punkte, 528:361 Tore bei Rundenabbruch nach 17 Spieltagen (Mitte März), Quotient (Pluspunkte, geteilt durch Spiele mal 100): 200,0. Zum Vergleich: Der Zweite HSG TVA/ATSV Saarbrücken hatte 29:5-Punkt, Quotient: 170, 6.

Meisterkader

Tor: Marlena Lange, Jana Specht, Nina Jäger

Feld: Chiara Di Loreto, Cornelia Scherf, Nadine Zellmer, Katharina Koch, Katrin Hoffmann, Kristin Schnur, Sarah Witzgall, Laura Witzgall, Sarah Herl, Miriam Schöneich, Katharina Buchner, Eva Zöllner, Hannah Fuhr, Katja Matle

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