Homburg
Der Musiksommer kann kommen
Dreieinhalb Monate lang über 30 Konzerte. Musiker aus Italien, Polen und Deutschland. Kosten von 120.000 Euro. Der Homburger Musiksommer ist zu einem Ereignis der Superlative geworden. Im RHEINPFALZ-Gespräch mit einem der Organisatoren war Überraschendes zu erfahren.
Wenn der Homburger Marktplatz beim Eröffnungskonzert am kommenden Freitag, 30. Mai, wieder aus allen Nähten platzt, hat der Musiksommer begonnen. Eröffnen werden ihn am 30. Mai die Bixi Chicks mit Rock, Pop und Soul. Sie haben Songs von Bruno Mars, Billy Joel, Journey, oder Justin Timberlake im Gepäck. Direkt am Samstag, 31. Mai, folgt der Jazz-Frühschoppen. Die Gruppe Foaie besteht aus Musikern aus vier Ländern, die Balkan-Folkmusik mit Gypsy-Jazz und eigenen Songs kombinieren.
30 Konzerte sind geplant
Diesem Ablauf folgt der Musiksommer bis zum letzten der 30 Konzert, das Mitte September stattfindet: Immer freitags gibt es von 19 bis 22 Uhr die „Querbeat“-Reihe, also alle möglichen Coverbands. Sie spielen Rock, Pop (zum Beispiel Changes), Reggae, Soul und Blues (Black Stuff oder Baba Shango), ein spezielles Schlager-Genre, genannt Alpenpop (Band: Heast as net?) oder auch italienische Klassiker und Charts (Vulcano).
Schon ein paar Stunden später geht es jeweils samstags zwischen 11 und 14 Uhr mit den Jazz-Frühschoppen weiter. Die Formation Mike’s Music Train deckt Swing, Jazz, Latin und Filmmusik, aber auch Funk, Soul und Rock’n’Roll ab. Ungewöhnliche Instrumente wie Hirtenflöte, Dudelsack oder Laute werden bei der Gruppe Unavantaluna zu hören sein.
Mix aus bekannten Bands
Hinter den beiden Formaten stehen Norbert Zimmer, der sich um die „Querbeat“-Reihe kümmert, und Raimund Konrad, zuständig für den Jazz-Frühschoppen. Christdemokrat Konrad ist Beigeordneter für den Bereich Kultur, außerdem Vorsitzender der Interessengemeinschaft Homburger Altstadt. Der Musiksommer soll ein Mix aus bekannten Bands sein, „von denen wir wissen, die sind sehr gut und kommen gut an beim Publikum“ sowie ganz neuen Gruppen, die noch nie da waren. So gibt es beim Jazz-Frühschoppen vier, bei den „Querbeat“-Konzerten sechs brandneue Bands.
Bands, die Zweibrücker Musikgeschichte schrieben, dürfen natürlich nicht fehlen: So ist am 29. August die Zweibrücker Revengers Band zu Gast. Ihr Repertoire ist vielseitig, ihre Konzerte professionell und mitreißend. Sie spielen Rock, Pop, Soul, einmal quer durch die Musikgeschichte.
Vom reinen Jazz-Festival zum Volksfest
Inzwischen ist der Musiksommer, der 2002 als reines Jazz-Festival begann, so etabliert, dass viele Künstler selbst Teil davon sein wollen. So bekommt Konrad Bewerbungen aus ganz Deutschland – und darüber hinaus. Denn auch Bands aus den polnischen Städten Krakau (Metropolitan Jazz Band) und Warschau (Singin„ Birds) oder aus Sizilien (Unavantaluna) werden auf dem Historischen Marktplatz spielen. Der bietet Platz für rund 1000 Menschen. Es gibt ungefähr 500 Stühle, weiß Konrad. Die Vorjahre haben gezeigt: „Freitags erreichen wir schon 1000 Besucher, samstags sind alle Stühle besetzt.“ 7000 Programmhefte werden gedruckt.
Der Marktplatz ist für Konrad einer der Erfolgsfaktoren der Konzertreihe. Der sei „atmosphärisch“. Zudem wird er in den Sommermonaten wieder autofrei. Dazu kommen die Bars und Restaurants um den Marktplatz. „Und natürlich das Publikum“, sagt der Organisator. „Wir haben sehr viel Stammpublikum, das uns immer wieder darin bestärkt, dass wir weitermachen.“ Die Besucherinnen wissen, was sie bekommen: Urlaubsgefühle, eine schöne Stimmung und richtige Musikshows.
Sicherheit zuerst
Für eine unbeschwerte Stimmung ist die Sicherheit ganz wichtig. Dazu Raimund Konrad: „Wir haben ein ausführliches Sicherheitskonzept erstellt, riegeln praktisch den ganzen Marktplatz ab. Wir haben auch Security vor Ort.“ Am 16. August steht das Klassik- Open-Air-Konzert mit dem Homburger Sinfonieorchester an. Das Motto lautet „Aura Italiana“. In 23 Jahren waren auch Stars da, etwa Paul Kuhn oder Joy Fleming. „Die war schon sehr eigen“, erinnert sich Konrad. „Die hat schon so ihre Allüren gehabt.“ Und eine Band verwechselte das saarländische Homburg mit Bad Homburg in Hessen: „Die kamen eine halbe Stunde später und haben dann ohne große Probe angefangen.“
Bei so vielen Konzerten und Künstlern drängt sich die Frage auf: Was kostet der Spaß? „Wir haben einen Etat von etwa 120.000 Euro“, sagt Konrad. Davon gehen jeweils 35.000 Euro an Gagen für die „Querbeat“- und die Jazz-Konzerte drauf. Der Rest sind Technik, Nebenkosten & Co.
Mehr Zuschuss von der Stadt
Der Homburger Stadtrat hat beschlossen, dem Musiksommer ab diesem Jahr 10.000 Euro mehr zuzuschießen. 70.000 Euro Förderung sind also im Topf, der Rest wird durch Sponsoren und die Wirte auf dem Marktplatz bezahlt. Die Interessengemeinschaft hat rund 100 Mitglieder, die pro Jahr 25 Euro Beitrag zahlen. Das reicht immerhin für ein Konzert.
Am Anfang war der Jazz, bis die Veranstalter vor rund 15 Jahren die Idee hatten, neben den Samstagen auch die Freitagabende musikalisch zu bespielen. Dann hat sich die Konzertreihe Stück für Stück erweitert und wurde immer größer – und hochkarätiger. Könnte bald ein ganz neues Genre auf dem Marktplatz zu hören sein? „Ich hab auch schon überlegt, wie wir jüngere Leute ansprechen“, sagt Konrad. Hiphop schwebt ihm da zum Beispiel vor. Oder die ganze Bandbreite an Musikrichtungen des gerade begangenen „Eurovision Song Contest“.